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Spezialeinheiten der neuseeländischen Polizei sichern den Tatort, an dem offenbar ein rechter Terrorist eine Moschee überfallen hat.

Rassistischer Terror in Neuseeland

49 Tote nach Anschlag auf Moscheen 

Rechtsextreme Attentäter ermorden in Christchurch 49 Menschen. Einer der Terroristen sendete seine Taten live auf Facebook.

Bei den Angriffen auf zwei Moscheen in der neuseeländischen Stadt Christchurch sind bis zu 49 Menschen gestorben, wie die Polizei mitteilte. Vier Verdächtige wurden festgenommen. Es handele sich um drei Männer und eine Frau, sagte Polizeichef Mike Bush am Freitag. An den Fahrzeugen der Angreifer seien Sprengsätze gefunden worden, die von der Armee entschärft worden seien.

Die Angriffe waren in der Masjid-al-Noor-Moschee im Stadtzentrum und in einer Moschee im Vorort Linwood verübt worden. 

Die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern sprach von einem „außergewöhnlichen und beispiellosen Gewaltakt“. Ihr Land durchlebe gerade einen seiner „dunkelsten Tage“.

Auch Kinder unter den Toten

Augenzeugen berichteten, dass einige der Opfer in der Hauptmoschee aus nächster Nähe erschossen wurden und unter den Toten auch Kinder sind. 

Ein Palästinenser, der dem Angriff entkommen konnte, sprach von mehreren in rascher Folge abgegebenen Schüssen, wie dies nur mit einer automatischen Waffe möglich sei. In der Moschee brach Panik aus, blutverschmierte Menschen versuchten, nach draußen zu gelangen.

Wegen der Gefahrenlage hatte die Polizei für ganz Neuseeland dazu aufgerufen, keine Moschee zu betreten. Die Innenstadt von Christchurch wurde abgeriegelt, Schüler durften ihre Klassenräume nicht verlassen und alle Menschen in Christchurch wurden aufgerufen, nicht auf die Straße zu gehen. Später teilte die Polizei, die Abriegelung der Schulen in ganz Christchurch sei aufgehoben worden.

In der angespannten Lage sprengte das Militär zwei herrenlose Taschen im Zentrum von Auckland. Ihr Inhalt erwies sich als harmlos.

Im 350 Kilometer von Christchurch entfernten Dunedin brachten Polizisten die Anwohner in der Nähe eines Hauses in Sicherheit, das nach ihrer Einschätzung in Verbindung mit den Angriffen steht.

Terror in Christchurch: Opfer noch nicht identifiziert

Bisher ist keiner der Toten identifiziert. In der Masjid-al-Noor-Moschee waren zum Zeitpunkt des Anschlags Muslime aus aller Welt zum Gebet versammelt. Unter ihnen waren nach Angaben des indonesischen Außenministers Retno Marsudi sechs Indonesier. Drei von ihnen waren demnach in Sicherheit, nach den anderen wurde noch gesucht.

Unter den Verletzten waren ein Saudi-Araber, zwei Malaysier, zwei Türken und mindestens fünf Jordanier. Nach Angaben des diplomatischen Vertreters Indiens werden neun Menschen vermisst, die die indische Staatsbürgerschaft haben oder indischer Abstammung sind.

Insgesamt 48 Verletzte wurden im Krankenhaus von Christchurch behandelt, darunter auch kleine Kinder. Andere Gläubige entkamen knapp dem Angriff. Unter ihnen waren Mitglieder des Kricket-Teams von Bangladesch, deren Mannschaftsbus gerade bei der Moschee ankam, als die Schüsse fielen. Seine Spieler hätten gesehen, wie "blutende Menschen aus der Moschee kamen", berichtete Manager Khaled Mashud. Vorsichtshalber seien alle dann im Bus in Deckung gegangen.

Christchurch: Täter veröffentlichte rassistisches Manifest

Der mutmaßliche Täter postete auf Twitter ein Foto seiner kugelsicheren Weste mit der Schwarzen Sonne, einem Nazi-Symbol.

Im Kurzbotschaftendienst Twitter warnte die neuseeländische Polizei, „extrem erschreckende Bilder“ aus einer der angegriffenen Moscheen kursierten im Internet. Es handelte sich demnach um Bilder, die ein Angreifer selbst gefilmt hatte. Der weiße kurzhaarige Mann ist dabei zu sehen, wie er zu einer der Moscheen fährt und schließlich auf die versammelten Gläubigen feuert. Der Angreifer hatte den Film offenbar live im Internet übertragen. Die Polizei rief dazu auf, das Material nicht weiter zu verbreiten. 

Der Name des Täters wurde offiziell noch nicht bekanntgegeben, doch bestätigte Australiens Premierminister Scott Morrison, dass es sich um einen australischen Staatsbürger handle. Er beschrieb den Mann als "extremistischen, rechtsgerichteten, gewalttätigen Terroristen".

Vor seinem Anschlag veröffentlichte der Mann ein umfangreiches Hass-Manifest, aus dem deutlich wird, dass der Angriff Muslimen galt. In dem Manifest beschreibt er sich als 28-jährigen gebürtigen Australier aus einer einkommensschwachen Arbeiterfamilie.

Nach eigenen Angaben war er mehrere Jahre in Frankreich, Spanien und Portugal unterwegs. Australischen Medienberichten zufolge arbeitete er, bevor er nach Neuseeland kam, als Fitnesstrainer im australischen Ort Grafton nördlich von Sydney.

Überschrieben ist das Hass-Manifest mit "The Great Replacement" (Der große Austausch). Der Titel geht auf eine aus Frankreich stammende rechtsextreme Verschwörungstheorie zurück, wonach die Bevölkerung in Europa durch Zuwanderer ersetzt werden soll, deren Geburtenrate deutlich höher sei.

Auf Bildern von den Waffen des Täters sind darauf handgeschriebene Namen von mehreren historischen Militärvertretern zu erkennen, von denen viele an der Tötung von Muslimen beteiligt waren.

Recep Tayyip Erdogan verurteilt Anschlag auf Moscheen

Laut mehrerer Medienberichte soll einer der Täter vor dem Anschlag ein rassistisches Manifest auf Facebook veröffentlicht haben, in dem er die Überlegenheit der weißen Rasse als Tatmotiv nennt. Australiens Regierungschef Scott Morrison verurteilte die Tat, die von einem „extremistischen, rechtsgerichteten, gewalttätigen Terroristen“ verübt worden sei. Dieser sei ein in Australien geborener Staatsbürger seines Landes. 

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat die mutmaßlichen Terror-Angriffe scharf verurteilt. Sie seien „das jüngste Beispiel des wachsenden Rassismus und der Islam-Phobie“, schrieb Erdogan auf Twitter am Freitagmorgen. Erdogan bekundete „der islamischen Welt und den Menschen von Neuseeland“ sein Beileid. 

Vor der neuseeländischen Botschaft in London trauern Menschen.

Heiko Maas nennt Angriffe „brutales Verbrechen“

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) hat die bewaffneten Angriffe auf zwei Moscheen in Neuseeland als „brutales Verbrechen“ verurteilt. „Wir sind tief erschüttert von dem brutalen Verbrechen in Christchurch“, schrieb Maas im Kurzbotschaftendienst Twitter. „In diesen schweren Stunden stehen wir fest an der Seite unserer neuseeländischen Freunde.“ Maas sprach den Familien und Freunden der Opfer sein Mitgefühl aus. 

Trump zeigt sich betroffen 

Nach den Angriffen hat sich auch US-Präsident Donald Trump bestürzt gezeigt. „Mein herzliches Beileid und meine besten Wünsche gehen an die Menschen in Neuseeland nach dem schrecklichen Massaker in den Moscheen“, schrieb Trump am Freitagmorgen (Ortszeit) auf Twitter. 49 unschuldige Menschen seien sinnlos gestorben und viele weitere schwer verletzt worden. Trump sicherte dem Land die Unterstützung seiner Regierung zu. Die USA stünden an der Seite Neuseelands, erklärte er. (FR/afp/kna)

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