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Kolonialismus

Maori-Anführer weigert sich „koloniale Schlinge“ zu tragen – und wird aus Parlament geworfen

Wegen eines Verstoßes gegen die Kleiderordnung wird der Maori Rawiri Waititi aus dem neuseeländischen Parlament geworfen. Er hat keine Krawatte getragen.

  • Ein gewählter Vertreter der Maori wird aus dem Parlament von Neuseeland geworfen.
  • Der Maori-Anführer Rawiri Waititi durfte nicht vor dem Parlament sprechen, weil er keine Krawatte getragen hat.
  • Der Vorfall löst eine Diskussion über Kolonialismus aus.

Wellington - Ein neuseeländischer Maori-Führer ist diese Woche aus dem Parlament ausgeschlossen worden, weil er sich geweigert hatte, eine Krawatte zu tragen. Parlamentspräsident Trevor Mallard hatte Rawiri Waititi am Dienstag (09.02.2021) zweimal daran gehindert, während einer Diskussion im Plenarsaal in Wellington Fragen zu stellen. Die Begründung habe gelautet, dass Abgeordnete nur Fragen stellen dürften, wenn sie eine Krawatte trügen.

Nun hat sich der Maori zu dem Vorfall geäußert. Ihn zu einer westlichen Kleiderordnung zu zwingen, sei ein Verstoß gegen seine Rechte und ein Versuch, die indigene Kultur zu unterdrücken, berichtet die Agentur Reuters. Der 40-jährige Rawiri Waititi, der bei den Wahlen im vergangenen Oktober zum ersten Mal Abgeordneter wurde, trug statt der geforderten Krawatte eine Taonga, einen Maori-Grünstein-Anhänger.

Neuseeland: Maori Anführer Rawiri Waititi lässt sich nicht beirren

Rawiri Waititi ließ sich von der Unterbrechung durch Mallard nicht aufhalten und setzte seine Frage ans Parlament fort. Nachdem er ein zweites Mal gestoppt worden war, befahl Mallard ihm zu gehen. „Es geht nicht um Krawatten, es geht um kulturelle Identität, Kumpel“, sagte Waititi, als er die Kammer verließ.

Der Co-Vorsitzende der neuseeländischen Maori-Partei Rawiri Waititi spricht zu den Medien in Wellington, nachdem er aus dem Parlament geworfen wurde, weil er sich weigerte, eine Krawatte zu tragen.

Maori nicht überrascht von Krawatten-Vorfall: Sein Volk werde in Neuseeland nicht gleich behandelt

Parlamentspräsident Mallard hat angegeben, dass Krawatten nach seiner Ansicht zwar veraltet seien, aber eine überwältigende Mehrheit der Mitglieder in den Konsultationen zu diesem Thema in den letzten Monaten darum gebeten habe, die Regel beizubehalten.

Der Vorfall löste eine Debatte über den Kolonialismus in Neuseeland aus und sorgte für Empörung auf der ganzen Welt, als #no2tie bald auf Twitter im Trend lag.

Im Gespräch mit Reuters am Mittwoch (10.02.2021) gibt Rawiri Waititi an, er sei nicht überrascht von der Behandlung des Parlamentspräsidenten, da das Volk der Maori seit Hunderten von Jahren mit dieser Art von Behandlung konfrontiert sei. „Die Maori wurden in ihrem eigenen Land nicht gleich behandelt, und indigene Völker auf der ganzen Welt sind aufgrund rassistischer Systeme, die unsere Völker an zweiter Stelle halten, Diskriminierungen ausgesetzt“, sagt er.

Rawiri Waititi darf beim zweitenmal ohne Krawatte im Parlament von Neuseeland sprechen

„Für uns war es ein Aufstehen gegen die Unterjochung, ein Aufstehen gegen die Assimilation, ein Aufstehen gegen diejenigen, die versuchen, uns so aussehen zu lassen, so fühlen zu lassen, so denken zu lassen, wie sie uns denken lassen wollen. Das war ein Aufstehen dagegen.“

Waititi trägt am Mittwoch die gleiche Kleidung im Parlament, und dieses Mal darf er sprechen. „Die Schlinge wurde uns vom Hals genommen, und wir können jetzt unsere Lieder singen“, sagt Rawiri Waititi im Interview.

Das neuseeländische Parlament ist das inklusivste, das je in dem Land gewählt wurde. Fast die Hälfte der 120 Sitze im Parlament werden von Frauen gehalten. Elf Prozent der Abgeordneten sind Vertreter von LGBTQI und 21 Prozent sind Maori. Nach der Wahl im letzten Oktober hatte das Parlament seinen ersten Abgeordneten afrikanischer Herkunft und einen Abgeordneten sri-lankischer Herkunft.

Premierministerin von Neuseeland: „Es gibt viel wichtigere Themen“

Maori sind in Gefängnissen überrepräsentiert, die Mehrheit der Kinder in staatlicher Obhut sind Maori, und Armut und Arbeitslosigkeit sind in der Gemeinschaft weit verbreitet.

Um einen Kommentar gebeten, sagt Premierministerin Jacinda Ardern, dass es nichts sei, wozu sie eine starke Meinung habe und dass sie nichts dagegen habe, wenn jemand im Parlament eine Krawatte trage oder nicht. „Es gibt viel wichtigere Themen für uns alle“, sagt Ardern. (Theresa Ricke mit Reuters)

Rubriklistenbild: © AFP PHOTO/TVNZ

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