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Hat die Pandemie sehr gut gemanagt: Jacinda Ardern.

Pandemie-Erfolg

Neuseeland: Auf null gestellt

  • vonBarbara Barkhausen
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Neuseeland besiegt Covid-19 schon zum zweiten Mal – der Erfolg kommt für Premierministerin Ardern gerade zur rechten Zeit.

Nach einem zweiten Virusausbruch im August und einem Lockdown in Neuseelands größter Stadt erklärte Premierministerin Jacinda Ardern das Land am Mittwoch erneut Covid-frei. Der „Meilenstein“ kommt für Ardern kurz vor der Parlamentswahl Mitte Oktober zur rechten Zeit.

In Auckland kehrt das normale Leben zurück. Am Mittwoch teilten die Behörden mit, dass es keinerlei aktive Covid-19-Fälle mehr in der neuseeländischen Gesellschaft gebe. Die Beschränkungen, die die rund 1,6 Millionen Menschen in Auckland seit einem erneuten Ausbruch des Virus im August einhalten mussten, werden damit aufgehoben.

Premierministerin Jacinda Ardern nannte den wiederholten Sieg über das Virus einen „Meilenstein“. Gesundheitsminister Chris Hipkins lobte die „kollektiven Aktionen“ der Gesellschaft, die das Virus erneut unterdrückt hätten. „Es sind wirklich gute Nachrichten, aber wie immer können wir uns nicht zurücklehnen“, sagte der Neuseeländer und warnte seine Landsleute, auch weiterhin wachsam zu bleiben.

Neuseeland hatte das Virus nach einer strengen Ausgangssperre im März und April zunächst schnell unter Kontrolle bekommen. Mehr als 100 Tage war das Land Covid-frei gewesen. Doch dann hatte Neuseelands „Corona-Traum“ im August plötzlich ein jähes Ende genommen. Aus zunächst vier neuen Fällen wurden letztendlich 186, ein Mann aus dem neuen Cluster starb. Neuseelands größte Stadt Auckland musste seitdem erneut Beschränkungen auf sich nehmen: Kindergärten und Schulen wurden vorübergehend geschlossen, Büroangestellte waren angehalten, von zu Hause zu arbeiten. Nur Bewohner Aucklands durften in die Stadt zurückkehren und nur wer nicht in Auckland lebte, durfte die Stadt verlassen. Großveranstaltungen wurden in ganz Neuseeland abgesagt, die für September geplante Wahl verschoben.

Doch von Donnerstag an soll das neuseeländische Leben erneut in die Normalität übergehen, nur die Außengrenzen des pazifischen Inselstaates bleiben bis auf Weiteres geschlossen. Eine „Reise-Blase“ mit Teilen Australiens ist jedoch geplant, nachdem der Nachbarstaat, der in Melbourne selbst einen noch viel schwereren Rückfall bekämpfen musste, die Krankheit inzwischen ebenfalls gut unter Kontrolle gebracht hat.

Für Ardern kommt dieser erneute Sieg über die Krankheit zur rechten Zeit. Neuseeland wählt in eineinhalb Wochen ein neues Parlament und die Sozialdemokratin hofft auf einen Sieg ihrer Labour-Partei. Die Chancen, die „Covid-Wahl“, wie viele Medien sie bereits betiteln, für sich zu entscheiden, stehen günstig für Ardern. Denn die Mehrheit der knapp fünf Millionen Neuseeländer befürwortete bisher Arderns Handhabe der Pandemie. Diese folgte den Empfehlungen der wissenschaftlichen Experten und setzte von Anfang an auf diese Maßnahmen: Grenzkontrollen, eine strenge Ausgangssperre und physische Distanzierung kombiniert mit Tests, Kontaktverfolgung und Quarantäne.

Diese sogenannte Eliminierungsstrategie war zunächst ohne Probleme aufgegangen, weswegen der „Rückfall“ im August einen schweren Schlag für die Regierung dargestellt hatte, deren harsche Ausgangssperre im März und April die Wirtschaft des Landes kräftig gebeutelt hatte. Doch Ardern blieb der Strategie weiterhin treu und merzte das Virus so zum zweiten Mal aus.

Auch bei einem erneuten Ausbruch würde sie wieder mit einem Lockdown reagieren, sagte die Politikerin vor Kurzem in einer Wahlkampfdebatte mit ihrer politischen Gegnerin Judith Collins. Um diesen zu vermeiden, sollen die Außengrenzen mit Ausnahme einiger Reiseblasen geschlossen bleiben, bis ein Covid-Impfstoff auf dem Markt ist. Einen „Plan B“ gebe es dazu nicht, sagte sie. Denn in Europa sehe man ja, wie dieser Plan B aussehe. „Mit Covid-19 leben, wobei Menschen ihr Leben verlieren.“

Dass Ardern mit ihrer restriktiven Corona-Politik durchkommt, ohne die Zustimmung der Bevölkerung zu verlieren, liegt auch an der starken Kommunikationskompetenz der Politikerin. „Ardern ist eine Meisterin der Krisenkommunikation“, beschreibt beispielsweise der deutscher Wirtschaftsexperte Oliver Hartwich, der den neuseeländischen Thinktank „The New Zealand Initiative“ leitet, die Politikerin. So begleitete Jacinda Ardern die sieben Wochen, die die NeuseeländerInnen in der ersten Hälfte des Jahres zu Hause verbringen mussten, mit täglichen Briefings.

Ihr empathischer Ansatz, das „Fünf-Millionen-Team“ der Neuseeländer müsse für kurze Zeit die Normalität opfern, um die am stärksten gefährdeten Gruppen des Landes – ältere sowie immunschwache Menschen – zu schützen, kam beim Volk so gut an, dass Umfragen derzeit einen Erdrutschsieg ihrer Partei vorhersagen. Sie prophezeien, dass am 17. Oktober etwa 50 Prozent der Stimmen an Arderns Labour-Partei gehen werden, 30 Prozent an die konservative National-Partei und jeweils fünf Prozent an Grüne und Liberale.

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