Inselgruppe

Neukaledonien stimmt ab

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Die zu Frankreich gehörende Inselgruppe im Südpazifik entscheidet am Sonntag über ihre Unabhängigkeit.

Seeleuten galten im 19. Jahrhundert die polynesischen Kollegen als so treue und ehrliche Helfer, dass der Name „Kanake“ voller Ehrfurcht genutzt wurde. Ahnungslose deutsche Rassisten beschimpfen andersfarbige Menschen dennoch gerne als „Kanaken“. Geht es nach den Befürwortern der Unabhängigkeit im fernen Neukaledonien, einer zu Frankreich gehörenden Inselgruppe im Südwestpazifik, wird kommenden Sonntag die neue Nation „Kanak“ geboren, die sich umgehend um die Aufnahme in die Vereinten Nationen bewerben will.

Voraussetzung ist freilich die Überwindung eines großen Hindernisses: 174 000 der rund 270 000 Einwohner müssen sich nach Jahrhunderten kolonialer Ausbeutung durch Frankreich am Sonntag für die Unabhängigkeit von dem Land entscheiden, das ihnen gegenwärtig pro Jahr Zuschüsse in Höhe von 1,5 Milliarden Euro zahlt. „Den Leuten ist etwas unbehaglich angesichts der Unabhängigkeit“, sagt Delfine Afchain in der Hauptstadt Noumea, „unsere jungen Leute studieren in Frankreich und kehren dann heim. Das ist der übliche Weg.“ Aber Männer wie Jaimie Waimo sind trotz der ungewissen Aussichten fest zu einer Ja-Stimme entschlossen: „Als Kanak habe ich die Pflicht, aus Respekt die toten Kanaks, die im Kampf gegen die Kolonialmacht gefallen sind, zu ehren.“

Zwar besitzen die Bewohner Neukaledoniens heute die französische Staatsbürgerschaft und genießen alle Vorzüge des Sozialsystems, zu denen auch Franzosen Zugang haben. Dennoch fühlen sie sich als Staatsbürger zweiter Klasse. Fünf Nickelminen, die jährlich 80 Prozent der Exporterlöse beisteuern, gehören den Caldoches. Sie sind Nachfahren von rund 8000 französischen Strafgefangenen, die nach der Zerschlagung der Pariser Kommune im Jahr 1872 auf die Inselgruppe deportiert wurden.

Im Umgang mit den polynesischen Ureinwohnern zeigten sie sich alles andere als zimperlich. Bürgerkriegsähnliche Zustände wurden 1989 mit dem Abkommen von Madinot-Oudinot beendet, das den Kanaks mehr Rechte und wirtschaftliche Mitsprache zugestand.

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