Kommentar

Neues Verhältnis zu den USA

Nie seit dem Bruch in der Irak-Frage standen die Chancen für eine nachhaltige Reparatur des deutsch-amerikanischen Verhältnisses besser als heute. Beim

Von Dietmar Ostermann

Nie seit dem Bruch in der Irak-Frage standen die Chancen für eine nachhaltige Reparatur des deutsch-amerikanischen Verhältnisses besser als heute. Beim Besuch Joschka Fischers in Washington haben sich beide Seiten noch vorsichtig abgetastet; jetzt kommt es darauf an, die Chance beim Schopf zu packen. Helfen sollte das gemeinsame Interesse, Irak vor dem drohenden Chaos zu bewahren. Gelingt dies nicht, wären die Auswirkungen in der Golf-Region und Nahost, aber auch für die USA und Europa gleichermaßen verheerend. Berlin hat davor immer gewarnt, aber es wäre mehr als kurzsichtig, jetzt händereibend an der Seitenlinie zu feixen.

In Washington wiederum hat man inzwischen begriffen, dass selbst eine Supermacht manchmal Hilfe braucht. Im Kongress wächst der Druck auf die Regierung Bush, Eitelkeiten zurückzustellen und auch auf die ehemaligen Kriegsgegner zuzugehen. Den Russen vergeben, die Deutschen ignorieren und die Franzosen bestrafen gilt nicht mehr. Jede Hilfe ist willkommen. Dass Fischer nicht schon mit konkreten Angeboten nach Washington gereist war, mag angesichts der unübersichtlichen Lage in Irak, aber auch der laufenden Debatten in Washington richtig gewesen sein. Was genau aber Deutschland zur Stabilisierung Iraks beitragen könnte, unter welchen Umständen und zu welchen Bedingungen, muss jetzt in Berlin rasch geklärt werden.

Weil die alten Differenzen fortbestehen und längst nicht alles klug ist, was die US-Regierung in Nachkriegs-Irak tut, kann das neue deutsch-amerikanische Verhältnis zunächst allenfalls auf bedingter Zusammenarbeit gründen. Verlässlich und berechenbar immerhin sollten beide Partner wieder werden. Nichts wäre fataler, als Erwartungen zu wecken, die dann nicht eingelöst werden.

Dies schließt eine klare Auskunft ein, wie Deutschland es mit einem militärischen Engagement im Zweistromland hält, sollten die Vereinten Nationen die Bedingungen dafür schaffen.

Dossier: Irak nach dem Krieg

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