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Der Hoffnungsträger der Union, Ralph Brinkhaus (li.) erhält vom Vorsitzenden der jungen Konservativen, Paul Ziemiak, Geschenke.

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Neuer Merkel-Erbe betritt die Bühne

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Bei der JU-Jahresversammlung überstrahlt Ralph Brinkhaus, der neue Unions-Fraktionsvorsitzende, den Blitz-Aufsteiger Jens Spahn.

Sie hören nicht auf zu klatschen. Noch ein bisschen länger und noch ein bisschen länger. Ralph Brinkhaus lacht, mit weit geöffnetem Mund.

Er hatte sich als Vorgruppe angekündigt, als Begleitmusik für den Deutschlandtag der Jungen Union, der Jahresversammlung des Unions-Nachwuchses, mit einem Auftritt am Vormittag nach einer Partynacht mit 2000 Litern Freibier. Und dann ist der Saal doch voll und er ist der Star, umjubelt und beklatscht. Der neue Unions-Fraktionsvorsitzende, bis vor zwei Wochen noch ein Mann der zweiten Reihe, ist nun einer derer um die es gehen wird, wenn das Merkel-Erbe verteilt wird.

Bundeskanzlerin Angela Merkel haben die jungen CDU- und CSU-Leute höflich empfangen. Gesundheitsminister Jens Spahn, der sich mit Unterstützung der JU nach oben gekämpft und sich als Merkels Nachfolger in Stellung gebracht hat, bekommt freundliche, aber keine überbordende Resonanz. Seine Konkurrentin, die neue CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer, hält eine sehr durchschnittliche Rede, und hört immerhin einige „Annegreat“-Rufe.

Aber Brinkhaus begeistert die mehreren Hundert Zuhörer: „Wir müssen einen Aufbruch wagen“, ruft er. „Raus aus der Komfortzone“ müsse die Union. „Wir sind so stark, dass wir den Gegnern das Spiel aufzwingen müssen“, fordert er. „Wir dürfen nicht immer über die Stöckchen springen, die andere uns hinhalten.“ Beim Handelsabkommen TTIP etwa habe sich die Union „am Nasenring durch die Manege führen lassen“.

Brinkhaus spricht rein strategisch, er verzichtet auf inhaltliche Details und Festlegungen. Die Botschaft ist: Die Union ist zu einem müden und mutlosen Haufen geworden, der Absturz in den Umfragewerten mithin also hausgemacht. Es ist das, was die jungen Konservativen hören wollen. Am Tag zuvor haben sie mit knapper Mehrheit dafür gestimmt, die Amtszeit von Kanzlern auf drei Wahlperioden zu begrenzen.

Angriff auf die Kanzlerin

Es ist ein Angriff auf die Kanzlerin, der erfolgt, sobald diese den Saal verlassen hat. Die stellt auf der Bühne auch die Frage nach der Zukunft – allerdings nach der des Landes. Merkel malt ein Wunschland, das Batteriezellen herstellt und Computerchips, eines mit einer tollen Autoindustrie. Sie spricht auch den Zustand der Koalition an. Enttäuschend seien die vergangenen Monate gewesen, sagt sie und appelliert an die eigenen Leute, sich nun nicht noch weiter selbst zu zerlegen. Angst, Griesgrämigkeit und Rumgemosere begeistere die Leute nicht. Man müsse sich an die Wähler wenden, nicht miteinander Fingerhakeln. Nebenbei kommentiert sie süffisant die rein männliche Führungsriege der Jungen Union: „Frauen bereichern das Leben nicht nur im Privaten. Keine Angst – Sie wissen gar nicht, was Ihnen entgeht.“

Ein Delegierter aus Bayern findet dann aber zumindest eine Frau überhaupt nicht als Bereicherung: „Wie beabsichtigen Sie, politische Führung wieder herzustellen?“, fragt er. „Ich glaube nicht, dass es ihnen noch möglich ist.“ Es bleibt der einzige offene Angriff. Aber JU-Chef Paul Ziemiak hat es offen gelassen, ob er eine Wiederwahl Merkels als Parteivorsitzende auf dem Bundesparteitag im Dezember unterstützen wird. Zuvor gibt es noch die Landtagswahlen in Bayern und Hessen: Die Umfragewerte für CSU (bei unter 35 Prozent) und CDU (29 Prozent) sind nicht besonders.

Brinkhaus setzt sich von der Merkel ab – Komfortzone, das ist hier das Stichwort. Er distanziert sich auch von Kramp-Karrenbauer: Die CDU müsse kampagnenfähig werden und dazu auch mal schauen, wie Greenpeace so seine Kampagnen plane. Und dann ist da noch der Hinweis, die Union müsse den Zusammenhalt der Gesellschaft fördern und dazu „von der Mitte denken, nicht von den Rändern“. Das ist der Hinweis an Jens Spahn, der versucht hat, sich als rechtskonservative Alternative zu Merkel zu profilieren.

„Ich spring von Level zu Level, bis der Endboss kommt“ hat der Deutsch-Rapper Marteria vom Band gesungen, als Spahn bei der JU-Versammlung einzieht. Spahn spricht über Gräben, die überwunden werden müssten. Er bemängelt „Moralkeulen“ in den politischen Debatten und darüber, dass es „nicht darum geht, Sitzungen zu leiten, sondern das Land zu regieren“. Der Applaus ist freundlich. „Das Beste kommt noch“, ruft Spahn. „Vieles ist gerade im Rutschen.“

Da steht Brinkhaus’ Auftritt noch bevor.

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