Protest

Die neue Welt-Allianz

  • Jan Sternberg
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Luisa Neubauer von den Fridays for Future sagt Joshua Wong von der Demokratiebewegung in Hongkong Unterstützung zu. Der junge Widerstand der Welt vernetzt sich.

In den sozialen Medien sind sie beide eine Hausnummer: Der Hongkonger Demokratieaktivist Joshua Wong (23) hat allein auf Twitter fast 600 000 Follower, die deutsche Klimaaktivistin Luisa Neubauer (24) 140 000. Beide haben Hunderttausende auf die Straße gebracht, Wong gegen den wachsenden Einfluss der chinesischen Diktatur in der Handelsmetropole, Neubauer für Klimagerechtigkeit.

Sie sind damit beide Teil einer Protestgeneration, die in den sozialen Medien mindestens so stark aktiv ist wie auf der Straße. Am Freitag kamen sie für ein virtuelles Gespräch zusammen – im Rahmen der Jugend-Internetkonferenz Tincon, die coronabedingt dieses Jahr nur auf der Onlineplattform tincon.org stattfand.

Wong kündigte an, an den Demonstrationen in Hongkong trotz wachsender Bedrohung durch Peking festzuhalten: „Wir werden weiter protestieren“, sagte er. „Wir könnten mehr Solidarität von Aktivisten überall auf der Welt bekommen“, wünschte er sich.

Neubauer, Geografin und „Fridays for Future“-Aktivistin, stimmte ihm zu: „Ob wir gegen den Klimakollaps kämpfen, für Demokratie, gegen Rassismus und Sexismus – alle diese Kämpfe haben gemeinsam, dass unsere Freiheit und unsere Menschenrechte aktiv gefährdet sind.“

Festnahme erwartet

Wong machte mehrfach deutlich, dass er mit Repressionen Pekings rechnet und davon ausgeht, bald erneut verhaftet zu werden – will sich aber dennoch nicht von seinem Engagement abbringen lassen. Er kündigt auch an, bei den geplanten Parlamentswahlen am 6. September kandidieren zu wollen. „Vielleicht lassen sie mich erneut nicht zu, vielleicht sagt Peking die Wahlen ganz ab – es ist alles sehr unsicher“, sagte er. „Aber wir müssen versuchen, dass die demokratischen Kräfte die Mehrheit im Legislativrat bekommen.“ Neubauer zeigte sich deutlich beeindruckt von Wongs Mut. „Wir müssen alles tun, um dich und euren Kampf zu unterstützen in eurer extrem schwierigen Lage“, versprach sie.

Wong hatte eine Botschaft an Europas Jugend: „Kümmert euch mehr um Politik. Ich habe mit 15 angefangen, auf die Straße zu gehen. Die Erwachsenen müssen verstehen: Nach den Regeln zu spielen ist nicht die einzige Möglichkeit. Wenn wir das Spiel ändern wollen, müssen wir die Regeln ändern. Macht einfach was, teilt Bilder eurer Aktionen in den sozialen Netzwerken.“

Kürzlich hatte die Bewegungsforscherin Katarina Stjepandic dem Redaktionsnetzwerk Deutschland gesagt: „Wir beobachten auch, dass sich die demokratischen, antirassistischen, progressiven Kräfte seit 2018 immer stärker miteinander vernetzen. Die neuen Bündnisse bemühen sich darum, die Zusammenhänge zwischen den großen Kernthemen deutlich zu machen und offensiver miteinander zu verknüpfen.“ Stjepandic meinte die deutschen Verhältnisse. Neubauer und Wong tun das jetzt auch international.

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