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Neue Runde im Schilderstreit

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Von: Thomas Roser

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Erst am 27. August dieses Jahres haben Serbien und Kosovo Freizügigkeit zwischen ihren Ländern vereinbart.
Erst am 27. August dieses Jahres haben Serbien und Kosovo Freizügigkeit zwischen ihren Ländern vereinbart. Hier patrouilliert die kosovarische Polizei am 31. August in der Nähe des Grenzübergangs im Dorf Jarinje, Serbien. © Dejan Simic/Imago

Der Kosovo will seine eigenen Kennzeichen durchsetzen. Belgrad ist nicht einverstanden.

Die Kameras filmten bei der theatralisch inszenierten Dienstverweigerung unentwegt. Unter prasselndem Applaus entledigten sich die Polizei-Kommadeure im serbischen Norden der geteilten Kosovo-Metropole Mitrovica ihrer Diensthemden. „Brüder und Schwestern, wir haben gemeinsam die Entscheidung getroffen, bei der Kosovo-Polizei zu kündigen – und an der Seite unseres Volkes zu stehen“, verkündete ein serbischer Polizei-Kommandant voller Pathos: „Es ist genug.“

Es ist der leidige Streit um die Autokennzeichen, der die Wellen der Erregung zwischen den unwilligen Nachbarn wieder einmal kräftig wogen lässt – und im überwiegend serbisch besiedelten Nordwestzipfel des Kosovo für gehörige Unruhe sorgt. Weil der von Serbien nicht anerkannte Staatenneuling die Einführung seiner Autokennzeichen auf seinem gesamten Territorium erzwingen will, haben im Norden Kosovo-Serb:innen am Wochenende die staatlichen Institutionen verlassen – mit dem Segen und auf Anweisung Belgrads.

Nur noch auf bis zu 120 000 wird die Zahl der Kosovo-Serb:innen im 1,8 Millionen-Einwohner-Staat geschätzt. Die Mehrheit von ihnen lebt in Enklaven im Zentral- und Südkosovo, eine Minderheit von 35 000-40 000 im Nordwestzipfels des Landes, der zumindest politisch noch stets von Belgrad kontrolliert wird.

Gegenseitige Vorwürfe

Die Serb:innen im Süden haben sich mit den Kosovo-Kennzeichen notgedrungen längst abgefunden. Die Serb:innen im Norden, die meist mit von Serbien ausgegebenen Nummernschildern oder abgelaufenen Autokennzeichen der früheren UN-Verwaltung durch die Lande tuckern, wehren sich mit Unterstützung Belgrads hingegen verbissen gegen die „Erniedrigung“.

Überschattet wird der Schilderstreit wieder einmal von Waffengerassel und wüsten Vorwürfen. Serbien hat nach dem Abschuss einer angeblich von Pristina in Marsch gesetzten „Spionage-Drohne“ die Kampfbereitschaft seiner Armee erhöht. Pristina wirft Belgrad umgekehrt vor, im Dienste Moskaus die Kosovo-Serben zu missbrauchen, um von hausgemachten Problemen abzulenken.

Leidtragende des Schilderstreits sind die Betroffenen. Wagen sich Kosovo-Serben aus dem Norden mit alten Kennzeichen in den Süden, müssen sie zahlen. Verwenden sie die neuen Schilder, sehen sie sich nicht nur Beschimpfungen von Landsleuten ausgesetzt: Einige Autos mit neuen Kennzeichen wurden im Nordkosovo bereits abgefackelt.

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