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Polizisten sichern in Jerusalem die Tatwaffe nach einem Angriff.

Israel

Neue Messerattacke in Jerusalem

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Die Serie von Messerattacken in Israel reißt nicht ab, Jerusalem gab es am Freitag wieder einen Angriff auf offener Straße. Das Video eines Übergriffs durch die israelische Armee heißt die Situation zusätzlich an.

Die Serie von Messerattacken in Israel und den besetzten Gebieten reißt nicht ab. Fast schien die jüngste Gewaltwelle schon eingedämmt – abgesehen von Ausläufern in der stets kriselnden Westbank-Stadt Hebron. Doch am Freitag war auch Jerusalem wieder Schauplatz eines Anschlags auf offener Straße.

Ein 23-jähriger Palästinenser aus dem Ostteil der Stadt stach auf einen US-amerikanischen Jeschiwa-Studenten nahe einer Straßenbahnhaltestelle am Ammunition Hill ein und verwundete ihn. Der Angreifer wurde von Wachleuten erschossen. Eine ihrer Kugeln traf versehentlich einen israelischen Passanten ins Bein. Nur eine Stunde zuvor waren zwei palästinensische Teenager auf einem Moped am Checkpoint südlich von Nablus vorgefahren, offenbar in der Absicht, einen israelischen Offizier mit Messern anzugreifen. Die Grenzpolizei kam ihnen zuvor: Einer der Angreifer wurde getötet, der andere schwer verletzt.

"Durchlässige Abriegelung"

Zuletzt hatte es vor allem in Hebron, wo radikale jüdische Siedler sich mitten in der arabischen Altstadt einquartiert haben, mehrere Messerangriffe gegeben. Allein am Donnerstag wurden bei zwei Anschlagsversuchen die palästinensischen Attentäter getötet. In einem Fall erlitt ein israelischer Soldat leichte Verletzungen.

Tatort war die Siedlerstraße zur Machpela, jene heilige Stätte, die sich über dem Abraham-Grab erheben soll und in eine Moschee und eine Synagoge unterteilt ist. Bereits an den Vortagen hatten sich in Hebron, bekannt auch als Hochburg der islamistischen Hamas, ähnliche Vorfälle abgespielt. Die Armee setzte daraufhin am Freitag ein generelles Verbot für Palästinenser im Alter zwischen 15 und 25 Jahren in Kraft, Checkpoints zwischen dem israelisch kontrollierten Stadtteil und der unter palästinensischer Autonomieverwaltung stehenden Reststadt zu passieren. Ausgenommen davon sind nur junge Palästinenser, die in Nachbarschaft zu den jüdischen Siedlungsenklaven leben. Mit der „durchlässigen Abriegelung“, so ein Militärsprecher, solle die Bewegungsfreiheit der Palästinenser innerhalb der Stadt begrenzt werden.

Laut Zahlen des Inlandsgeheimdienstes Schin Beth waren die meisten der Angreifer zwischen 16 und 24. Überdurchschnittlich viele stammten aus Hebron, das Jerusalem in der Gewaltstatistik vom Oktober inzwischen überholt hat. Insgesamt verloren in diesem Monat auf israelischer Seite zehn Menschen ihr Leben. Gleichzeitig starben mehr als 60 Palästinenser, rund ein Drittel war aber nicht in Anschläge verwickelt, sondern hatte an Protesten teilgenommen.

Militärpolizei ermittelt

Heftige Zusammenstöße zwischen palästinensischen Demonstranten und israelischen Sicherheitskräften gab es erneut nach den moslemischen Freitagsgebeten vielerorts im Westjordanland sowie an der Grenze zum Gazastreifen. Für große Empörung sorgten dabei das Video eines Übergriffs durch israelische Truppen nahe Ramallah: Ein Militärjeep setzte einem davonlaufenden Palästinenser hinterher und überfuhr ihn offenbar vorsätzlich. Nach dem Aussteigen schlägt ein Offizier den am Boden liegenden Mann noch mit dem Gewehrkolben. Wegen anderer Misshandlungen seit Beginn der aktuellen Gewaltwelle ermittelt die israelische Militärpolizei inzwischen bereits gegen sieben Soldaten.

Ein 13-jähriger arabischer Junge aus Ost-Jerusalem, der gemeinsam mit seinem Cousin, auf einen gleichaltrigen jüdischen Jungen eingestochen haben soll, wurde am Freitag von einem israelischen Gericht des versuchten Mordes beschuldigt. Er ist aber noch nicht strafmündig.

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