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Der Chemnitzer Wanderwitz ist seit 2002 im Bundestag.

Ostbeauftragter

Der neue Mann für den Osten

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Der CDU-Politiker Marco Wanderwitz steht für eine klare Abgrenzung zur AfD - im Gegensatz zuu seinem Vorgänger Christian Hirte.

Noch am Freitag hatte sich Marco Wanderwitz in Solidarität geübt. Christian Hirte mache einen „guten Job“, schrieb er um 11.02 Uhr bei Twitter. SPD und Grüne würden den Bogen „mit haltlosen Rücktrittsforderungen“ überspannen. Vier Tage später ist klar: Der bisherige Parlamentarische Staatssekretär im Bundesinnenministerium wird neuer Ostbeauftragter und damit Nachfolger Hirtes, der wegen des Thüringen-Eklats abberufen worden war. Eine Überraschung ist das nicht.

Wanderwitz, 44, Vater von vier Kindern, sitzt bereits seit 2002 als sächsischer CDU-Abgeordneter im Bundestag. Er war in der Jungen Gruppe aktiv und später kultur- und medienpolitischer Sprecher. Seit 2018 ist er im Bundesinnenministerium für das Thema Bauen zuständig. Mitglied der Bundesregierung ist er also längst. Nun soll Wanderwitz als Parlamentarischer Staatssekretär ins Bundeswirtschaftsministerium wechseln – direkt auf Hirtes Platz.

Ihm gehe es um gleichwertige Lebensverhältnisse in Ost und West, beschrieb der Rechtsanwalt aus Hohenstein-Ernsttahl bei Chemnitz seine Agenda. Dieses Thema sei in weiten Teilen der neuen Bundesländer virulent. Nach 30 Jahren müsse auch noch einmal die Antwort auf die Frage vertieft werden, wie weit die Einheit in den Köpfen verankert sei. Ähnlich wie Hirte ist Wanderwitz freilich einer, der eher das Positive in Ostdeutschland herausstellt, statt unentwegt tatsächliche oder vermeintliche Defizite zu betonen.

Dass Wanderwitz berufen wurde, passt auch insofern bestens ins Bild, als er – was den Umgang mit der AfD angeht – ein bisschen den Gegenentwurf zum Thüringer Hirte verkörpert. Letzterer stürzte bekanntlich über seine auch später nicht zurückgenommenen Glückwünsche für den mit AfD-Stimmen gewählten thüringischen Ministerpräsidenten Thomas Kemmerich (FDP).

Wanderwitz, der ein enges Verhältnis zum sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer pflegt, zählt hingegen zu den wenigen in der ostdeutschen CDU, die sich sehr früh und sehr klar von allen rechtsradikalen Tendenzen innerhalb wie außerhalb ihrer Partei distanziert haben. Umso mehr fiel er im vielerorts nicht eben liberalen CDU-Landesverband Sachsen auf.

Der in der Linksfraktion für Ostdeutschland zuständige Sprecher Matthias Höhn sagte auf Anfrage denn auch: „Marco Wanderwitz hat zu Thüringen eine klare Haltung gegen die Kooperation mit Nazis gezeigt. Ich hoffe, dies ist ein belastbares Vorzeichen für seine Amtsführung.“

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