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Das soll Mullah Omar sein.

Taliban

Neue Gerüchte um Omars Tod

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Selbst an der Spitze des Taliban-Regimes in Afghanistan scheute er öffentliche Auftritte. Nach dem Sturz flüchtete Mullah Omar und versteckte sich jahrelang erfolgreich vor seinen Häschern. Auch die Nachricht von seinem Tod gibt Rätsel auf.

Mullah Omar, Gründer und Chef der radikalislamischen Taliban soll bereits vor zwei Jahren gestorben sein. Dies behaupten Vertreter Kabuls kurz vor der für Freitag angesetzten dritten Gesprächsrunde zwischen den Terrormilizen und der Regierung des Landes. Solche Gerüchte kursieren bereits seit Monaten. Aber die Gotteskrieger wollen die Behauptung nicht bestätigen.

Ein in Kabul stationierter Geheimdienstvertreter eines asiatischen Landes sagte am Mittwoch gegenüber der Frankfurter Rundschau: „Wir haben keine Bestätigung. Aber es kann sein, dass sie ihn diesmal wirklich umbringen.“

Er spielt mit seiner Bemerkung auf den heftigen internen Zwist der Milizen an. Mullah Omar erhebt seit nahezu 20 Jahren Anspruch auf den Titel „Amir al Monimeen“, Führer aller Gläubigen. Aber während der vergangenen Monate gab es zahlreiche Indizien, dass nicht alle Taliban das noch so sehen. Die Streitfrage entzündet sich an Verhandlungen mit Kabul. Zum Ende des Ramadans hatte Omar in einer schriftlichen Botschaft verkündet, Verhandlungen mit den Regierungen Afghanistans und der USA seien im Rahmen des islamischen „Heiligen Kriegs“ erlaubt. Sollte sie tatsächlich von Mullah Omar stammen, wäre die Botschaft ein Affront gegen die Kommandeure gewesen, die einen militärischen Triumph anstreben.

Nachfolgekampf läuft

Etwa gegen die Gruppe „Fidayee Mahaz“ , deren Führer Aktar Mohammed Mansoor Anspruch auf die Nachfolge Omars erhebt. Seine Erfolgsaussichten dürfen angezweifelt werden. Vor ein paar Tagen berichtete der pakistanische Journalist Rahimullah Yousufzai, ein intimer Talibankenner und früherer Kontaktmann von Mullah Omar: „Sollte sich der Tod von Mullah Omar bestätigen, wollen die Gegner Mansoors stattdessen den ältesten, 26-jährigen Sohn des Talibangründers Mullah Omar zum Nachfolger küren.“ Der Filius besuchte wie sein Vater eine bekannte Koranschule in der pakistanischen Hafenstadt Karachi.

Die USA haben im Jahr 2001 eine Belohnung von zehn Millionen US-Dollar auf den Kopf Omars ausgesetzt. Er war US-Truppen nach dem Einmarsch am Hindukusch auf einem Motorrad entwischt. Seither trat er nie mehr in der Öffentlichkeit auf und sein Versteck wurde in der pakistanischen Stadt Quetta oder in Karachi vermutet.

Es ist schleierhaft, welchen Nutzen sich die Regierung und Sicherheitskreise in Kabul nun von der Behauptung – oder auch Bestätigung – vom Tod Omars kurz vor der nächsten Gesprächsrunde mit den Taliban am Freitag versprechen. Sicher ist, dass auch Teile des afghanischen Sicherheitsapparats nichts von Verhandlungen halten. Manche Experten argwöhnen, dass Mullah Omar – so er denn noch lebt – an die Öffentlichkeit gezerrt werden soll.

Unterdessen gehen die Kämpfe gegen die Terrormilizen ungeachtet des weitgehenden Nato-Abzugs Ende vergangenen Jahres weiter. In diesem Jahr wurden bislang 4100 Soldaten bei Kämpfen getötet, 7800 verletzt. Die Verluste liegen um 50 Prozent höher als im vergangenen Jahr. Damals schon bezeichnete ein US-General die Zahl der Toten als „nicht aushaltbar“.

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