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Die britische „Montrose“ (Archivbild) schützte den Öltanker.

Vorwürfe

Neue Eskalation vor iranischer Küste

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London wirft Teheran vor, einen britischen Tanker attackiert zu haben.

Die Konfrontation zwischen den USA und Iran wird durch neue Zwischenfälle auf See weiter angeheizt. Nachdem britische Marinesoldaten letzte Woche auf Drängen Washingtons einen iranischen Supertanker vor Gibraltar in ihre Gewalt brachten, versuchten jetzt offenbar Revolutionsgardisten in der Straße von Hormus, ein britisches Ölschiff zu kapern. Wie das Verteidigungsministerium in London am Donnerstag mitteilte, näherten sich drei iranische Schnellboote im Persischen Golf nahe der Insel Abu Musa dem Tanker „British Heritage“, um diesen zu einem Kurswechsel und zu einem Stopp in iranischen Hoheitsgewässern zu zwingen. Erst als sich die begleitende britische Fregatte „Montrose“ schützend vor den bedrängten Tanker des Ölkonzerns BP schob und ihre Kanonen auf die Boote richtete, gaben diese ihr Vorhaben auf und drehten ab. Die Revolutionären Garden, die mit rund hundert solcher Schnellboote in der Meerenge operieren, bestritten, mit diesem Vorfall etwas zu tun zu haben. Gleichzeitig jedoch drohte ihr Vizekommandeur, Admiral Ali Fadavi, die USA und Großbritannien würden die Beschlagnahmung des iranischen Tankers vor Gibraltar noch „schwer bereuen“. Zuvor hatte bereits Verteidigungsminister Amir Hatami geschworen, dieser „Akt von Piraterie“ werde nicht ohne Antwort bleiben. In die gleiche Kerbe hieb auch Präsident Hassan Ruhani, der den Briten auf einer Kabinettssitzung Konsequenzen androhte, ohne Einzelheiten zu nennen.

Die Regierung des Iran zeigte sich nach Unterredungen mit dem Berater des französischen Präsidenten Emmanuel Macron, Emmanuel Bonne, allerdings zuletzt zuversichtlich, dass es in dem Konflikt zu einer Lösung kommen könnte. „Wir hatten gute Gespräche mit Emmanuel Bonne, wie eine Waffenruhe und ein angemessenes Endspiel aussehen könnte“, teilte Abbas Araghchi, einer der Hauptunterhändler in den laufenden Atomverhandlungen, am Donnerstag per Twitter mit. Bonne überreichte am Ende des Treffens ein Schreiben Macrons an Ruhani. Details zu Inhalten des Schreibens nannte Araghchi allerdings nicht.

Die jüngste Konfrontation vor der iranischen Küste steht offenbar im Zusammenhang mit einer spektakulären Operation britischer Seestreitkräfte vor Gibraltar. Sie beschlagnahmten den Teheraner Supertanker „Grace 1“, der zwei Millionen Barrel Rohöl für den syrischen Mittelmeerhafen Banyias geladen haben soll. Der spanische Außenminister Josep Borrell erklärte, die Kommandoaktion im Mittelmeer sei auf Geheiß der Vereinigten Staaten erfolgt. Iran bestreitet, dass die Ladung für Syrien bestimmt ist, der Tanker habe „ein anderes Ziel“, hieß es von offizieller Seite.

London liegt mit Teheran auch wegen der BBC-Journalistin Nazanin Zaghari-Ratcliffe im Konflikt, die seit drei Jahren als Geisel festgehalten wird. Die 40-Jährige war 2016 von einem Revolutionsgericht wegen haltloser Spionagevorwürfe zu fünf Jahren Haft verurteilt worden.

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