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Arizona Neuauszählung
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Maricopa County: In Arizona zählen sie erneut aus, diesmal komplett per Hand.

Maricopa County

Neuauszählung in Arizona: Donald Trump wittert immer noch nachträglichen Wahlsieg

  • vonMirko Schmid
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Die republikanische Senatsmehrheit in Arizona lässt im Fulton County erneut auszählen. Während Donald Trump hofft, sehen andere eine reine Geldverschwendung.

Maricopa County - In Arizona wird weiter ausgezählt. 1,2 der 2,1 Millionen Stimmzettel im Landkreis sind auf Bestellung des republikanisch geführten Senats des Bundesstaates per Hand ausgezählt, ein Ergebnis der erneuten Nachzählung wird noch für den Juni erwartet. Hinter der Auszählung steht Donald Trump und dessen nicht akzeptierte Wahlniederlage vom November 2020.

Donald Trump soll gemäß übereinstimmenden US-Medienberichten geradezu elektrisiert sein und tatsächlich daran glauben, dass ein verändertes Ergebnis – endlich mit ihm als Sieger – ein erster Dominostein sein könnte hin zu einer nachträglichen Ernennung zum wahren Wahlsieger.

Trumps große Hoffnungen in Neuauszählungen scheinen in seinem direkten Umfeld nicht mehrheitlich geteilt zu werden. Sein Stab aus Wahlkampf-Berater:innen soll den Republikaner nahezu einstimmig dazu angehalten haben, seine Bemühungen einzustellen. Reine Zeitverschwendung sei das, zumal es die Gesetzeslage in den USA gar nicht zulässt, einen einmal ernannten Präsidenten nachträglich auszutauschen.

Beraterstab und Umfeld: Niemand traut sich, Trump zu widersprechen

Und während Donald Trump laut einer internen Quelle sämtliche TV-Berichte zur Neuauszählung in Arizona „gierig aufsaugt“ und „alles liest, was er dazu in die Hände bekommt“, verzweifeln diverse Trump-Angestellte an der Obsession ihres Chefs. Sein Beraterstab, dessen Mitglieder sich größtenteils am liebsten mit Trump auf die 2022 anstehenden Zwischenwahlen fokussieren und die Präsidentschaftswahl abhaken würden, begehre allerdings nicht auf.

Zu groß sei die Angst: „Ihm zu sagen, dass er die Wahl verloren hat, ist wie in den Wind pinkeln.“ Würden Donald Trump Reden geschrieben, prüfe der genau, ob Passagen zum aktuellen Stand von landesweiten Neuauszählungen enthalten seien. Sei dies nicht der Fall, greife der Ex-Präsident ein und fordere detaillierte Ergänzungen für jeden einzelnen umkämpften Staat.

Dementsprechend fänden sich Passagen zur Neuauszählung im Maricopa County in jeder Rede, die Donald Trump aktuell halte, selbst vor gemeinnützigen Galas in seinem Golfressort Mar-a-Lago dürfe das Thema nicht fehlen. Geradezu detailversessen sei Trump. Ein Mitschnitt einer solchen Rede zeigt, wie Donald Trump auf einer Karte auf verschiedene Staaten zeigt und für jeden eine eigene Manipulationstheorie referiert. Trump zitiert Mitglieder der örtlichen Wahlaufsichten und kennt die Abstimmungsergebnisse der Wahl in den besonders umkämpften Bezirken.

Donald Trump arbeitet am Kandidatenfeld der Republikaner für 2024

Akribisch soll Donald Trump am Kandidatenfeld zur Zwischenwahl 2020 arbeiten. Nur wer seine Wahlmanipulationsvorwürfe ausdrücklich öffentlich unterstützt, soll eine Chance haben, per Trump-Empfehlung an seine treue Basis für die Republikaner ins Hauptrennen um Sitze im Kapitol zu gehen.

Dan Eberhart ist ein ehemals bekennender Trump-Unterstützer und als Wahlkampfspender Geldgeber der Republikaner. Er geht davon aus, dass Trump im Laufe seiner geplanten Rallys durch Swing States wie Ohio und Florida die Gelegenheit nutzen wird, „Rechungen zu begleichen“. Um einer solchen Abrechnung zu entgehen, sei es ein „Lackmus-Test“ für republikanische Bewerber:innen um die Kandidatur für einen Parlamentssitz.

Für Donald Trumps Empfehlung: Öffentliches Bekenntnis zum „Wahlbetrug“-Narrativ erfolderlich

Die müssten sich zum Narrativ des Wahlbetruges durch die Demokraten bekennen – oder ihre Kandidatur mangels Unterstützung begraben. Viele würden sich dem Druck beugen und sich bekennen, obwohl sie selbst nicht der Überzeugung sind, dass die Präsidentschaftswahl manipuliert und Donald Trump um seine Wiederwahl betrogen wurde.

Und so kann es wie vorauseilender Gehorsam Wirken, dass die Republikaner ihre parlamentarischen Mehrheiten nun auch in anderen Bundesstaaten nachziehen und ihrerseits Neuauszählungen beantragen wollen. Donald Trump selbst soll sich zuletzt mit seinen wichtigsten Berater:innen darüber beraten haben, wie auch in den Staaten Pennsylvania, Michigan, Wisconsin, New Hampshire und Georgia ein weiteres Auszählen der Wahlstimmen organisiert werden könne. Neben den laufenden Auszählungen habe Trump gerade auf den Fulton County in Georgia ein besonders interessiertes Auge geworfen.

BundesstaatBewerber 2020ProzentpunkteGesamtstimmen
ArizonaJoe Biden49,41.672.143
ArizonaDonald Trump49,11.661.686
GeorgiaJoe Biden49,472.473.633
GeorgiaDonald Trump49,242.461.854
MichiganJoe Biden50,622.804.040
MichiganDonald Trump47,842.649.852
New HampshireJoe Biden52,71424.921
New HamphireDonald Trump46,46345.790
PennsylvaniaJoe Biden50,013.458.229
PennsylvaniaDonald Trump48,843.377.674
WisconsinJoe Biden49,451.630.866
WisconsinDonald Trump48,821.610.184

Ehemaliger Trump-Spitzenberater Steve Bannon: „Das wird nicht aufhören. Das wird zentrales Thema“

Steve Bannon, unter Donald Trump ehemaliger Top-Berater im Weißen Haus und ehemaliger Chef des extrem rechten Nachrichtenportals „Breitbart“, sieht in Trumps Bemühungen eine Strategie. „Das wird nicht aufhören“, zitiert ihn das Nachrichten-Netzwerk NBC. Bannon weiter: „Die seit dem 3. November andauernden Bemühungen werden bis zum Sommer in die wirklich heiße Phase gehen.“ In Pennsylvania. Michigan und Wisconsin würde das bereits sichtbar, findet Bannon: „Bis August und dann bis in den Herbst hinein wird es an Schwung und Zunder zulegen. Das wird das zentrale Thema sein.“

So sieht es auch Katie Hobbs. Arizonas Secretary of State und in dieser Funktion zuständig für den Ablauf und die Sicherheit von Wahlen in ihrem Bundesland, spricht von einem Ablaufplan, der gerade in Arizona akribisch am laufenden Beispiel entwickelt würde und anschließend zum Export in andere Bundesstaaten bereitstünde: „Sie schreiben definitiv das Playbook hier in Arizona. Und das ist gefährlich. Es untergräbt weiterhin die Integrität unserer Wahlen“, befürchtet die Demokratin.

Hobbs, die kürzlich angekündigt hatte, sich um das Gouverneursamt in Arizona bewerben zu wollen, sieht in der Nachzählung in ihrem Bundesstaat einen rein aus populistischen Motiven entstandenen Vorgang. Diejenigen, die das angeordnet hätten, wüssten genau, dass es aussichtslos sei, mutmaßt die Demokratin. Aber: „Donald Trump und seine Leute haben viele, viele Anhänger und Leute, die etwas anderes glauben wollen, hinter sich. Schauen Sie, was am 6. Januar passiert ist. Das alles schürt nur weitere solcher Situationen. Es ist sehr gefährlich.“

Demokrat Robb Pitts über die Neuauszählungen für Donald Trump: „Die Fortsetzung der großen Lüge“

In Georgia verzweifelt Robb Pitts am Versuch aus Trump-Reihen in seinem Fulton County erneut auszählen lassen zu wollen. Der Vorsitzende der örtlichen Gemeindevertretung fasst zusammen: „Die Wahl war offen; sie war transparent. Und es ist jetzt vorbei. Die Stimmen wurden dreimal gezählt. Nicht ein-, nicht zwei-, sondern dreimal. Einmal davon per Handauszählung. Stimmen wurden gezählt, Wahlen wurden bestätigt, also ist es vorbei.“ Sein Fazit: „Lassen Sie uns also klarstellen, was das wirklich ist: Dies ist die Fortsetzung der großen Lüge.“

Bill Gates ist Leiter der Wahlaufsichtsbehörde im Maricopa County. Der Demokrat mit dem berühmten Namen (es handelt sich bei ihm allerdings nicht um den Softwareentwickler) richtet seine Worte an die Führung der Republikaner in Arizona. Diese müsste die Neuauszählung nun als „unrechtmäßig“ anerkennen. Andernfalls „werden wir echte Probleme haben und es wird nur noch schlimmer. Dies ist die Zeit, sich zu äußern.“ (Mirko Schmid)

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