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Die Frisur sitzt: Christian Lindner.

FDP

Neuaufbau mit Hindernissen

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Christian Lindner muss die FDP neu aufbauen – dafür aber mangelt es dem Hoffnungsträger an Geld, Leuten und Strukturen.

Als erstes springen die blonden Strähnchen ins Auge. Aber Christian Lindner hat seinen Schädel noch mehr bearbeiten lassen, wie der Boulevard nun kolportiert. Die letzte Hoffnung der FDP hat die hohe Stirn mit mittels einer Eigenhaartransplantation etwas tiefer gelegt.

Der 34-Jährige reagiert auf die Personalie zunächst gereizt. „Im Moment habe ich wirklich andere Sorgen“, beschied er der „Bild“ – den Neuaufbau der FDP. „Haarspalterei überlasse ich anderen!“ Und dann doch nicht, denn auf Twitter hatte ein munteres Zwitschern über das Haupthaar der liberalen Hauptperson eingesetzt. Lindner resignierte und tippte in sein Smartphone: „Um es mit Jürgen Klopp zu sagen: „Ich finde, das Ergebnis ist ganz cool geworden, oder?“

Ob seine acht Amtskollegen das auch so sehen, mit denen sich der Chef der Düsseldorfer FDP-Landtagsfraktion am heutigen Mittwoch in Mainz trifft? Könnte sein, dass der ein oder andere das ästhetischen Tuning so ähnlich wertet wie Christian Lindner die verunglückte Zweitstimmenkampagne von Rainer Brüderle und Philipp Rösler – als „Einladung zum Spott“.

Die Profis werden fehlen

Auf die übrig gebliebenen parlamentarischen FDP-Vertretungen wird es in Zukunft verstärkt ankommen. Denn sie besitzen noch, was im Bund fehlt: Einen Apparat von Berufspolitikern und ihren Mitarbeitern. Zwar wird es das Thomas-Dehler-Haus als Parteizentrale weiter geben – aber sicher mit weniger Belegschaft. Der noch auf über 18 Millionen Euro kalkulierte Jahresetat wird wohl um 20 Prozent gekürzt. Ob das reicht? Schließlich sind noch 8,5 Millionen Euro Verbindlichkeiten abzuzahlen. Außerdem ist gerichtlich noch nicht geklärt, wie viel von den zwei Millionen Euro Strafe die FDP zahlen muss wegen der Verstöße ihres einstigen Granden Jürgen Möllemann gegen das Parteiengesetz.

Aber abgesehen von der staatlichen Parteienfinanzierung und den freiwilligen Beiträgen der Bundestagsabgeordneten – die Parlamentarier werden auch fehlen. Die Liberalen sind stärker als andere eine Honoratiorenpartei mit schwachen Kreisorganisationen geblieben. Die „Bürgerbüros“ der Bundestagsabgeordneten haben diesen Mangel zum großen Teil ausgeglichen. Sie fehlen nun mindestens so sehr wie die Stimmen der Abgeordneten, im Bundestag wie in den Kommunen.

Nach dem Präsidium und den Fraktionschefs wird nächsten Montag der Vorstand versuchen, den künftigen Weg der Partei zu legitimieren. Dazu gehören die Beschlüsse über einen Parteitag Anfang Dezember, der die neue Führungsspitze wählen und einen weiteren im Januar, der Kandidaten und Programm für die Europawahl am 24. Mai 2014 beschließen soll. Es folgen Landtagswahlen in Brandenburg, Thüringen und Sachsen, wo die FDP noch in der Regierung ist; außerdem zig Kommunalwahlen, unter anderem in Lindners NRW.

Christian Lindners Ziel ist der Wiedereinzug in den Bundestag. Aber er dürfte auch an den Zwischenstationen gemessen werden. So könnte bei der Europawahl die „Alternative für Deutschland“ an der FDP vorbeiziehen. Und dann ist da noch das Personal. Der Kieler Wolfgang Kubicki steht als bundesweit bekanntes Zugpferd fest. Der Rest sind Regionalgrößen oder ehemalige Bundesminister, die Mitverantwortung tragen für den tiefen Fall der Liberalen aus dem Parlament. Transplantationen stehen nicht ins Haus. Seite 38

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