Antisemitismus

Netzwerk bündelt Kräfte im Kampf gegen Antisemitismus

  • Thoralf Cleven
    vonThoralf Cleven
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Fünf Träger schließen sich zusammen, um ihre Arbeit zu vereinen und zu professionalisieren.

Franziska Giffey steht am Rednerpult in der Jüdischen Gemeinde zu Berlin und faltet ein T-Shirt auseinander. Darauf ist ein Logo zu sehen und offensichtlich hebräische Schriftzeichen zu erkennen.

„Das“, erzählt die SPD-Politikerin, „gehört dem Mann einer Mitarbeiterin. Er hat an der Hebräischen Universität Jerusalem studiert und trägt dieses Uni-T-Shirt gern.“ Allerdings wisse er, dass er dann mindestens mit Pöbeleien rechnen müsse. „Will er keinen Ärger, lässt er das Shirt lieber zu Hause.“

Das sei alltäglicher Antisemitismus in der Weltstadt Berlin, sagt die Bundesfamilienministerin. Beim Synagogen-Angriff im vergangenen Oktober in Halle sei sichtbar geworden, wie schlimm die Lage in Deutschland sei. In Halle hatte ein Täter versucht, ein Blutbad in einer Synagoge anzurichten. Er scheiterte, erschoss aber zwei Passanten.

Giffeys Erkenntnis: Dies ist nur die Spitze des Eisbergs. Als Beleg zieht sie die aktuelle Statistik der politisch motivierten Kriminalität für 2019 heran. Demnach stieg die Zahl der antisemitischen Straftaten im Vergleich zu 2018 um 13 Prozent. Die Polizei registrierte 72 antisemitische Gewalttaten (2018: 69).

Die Bundesministerin präsentierte am Dienstag das bereits im Januar gegründete Kompetenznetzwerk Antisemitismus. Ziel des Netzwerks ist es, mittels Bildungsarbeit, Beratung sowie einer Dokumentation antisemitischer Vorfälle und deren Analyse die Arbeit der fünf Träger zu vereinen und zu professionalisieren. Im Fokus stehen dabei Kinder, Jugendliche, Lehrkräfte oder Ausbilder.

Zum Netzwerk gehören das Anne-Frank-Zentrum, die Bildungsstätte Anne Frank, der Bundesverband der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (RIAS), das Kompetenzzentrum für Prävention und Empowerment (ZWST) sowie die Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus (KIgA).

Finanziert wird das Netzwerk auch aus Mitteln des Bundesprogramms „Demokratie leben!“. Giffey sagte zunächst zwei Millionen Euro zu.

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