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Israelische Soldaten inspizieren ein Feld, in dem Raketen aus Syrien eingschlagen haben.

Israel und Syrien

Netanjahu gibt Iran Schuld an Angriff

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Vier Raketen werden von Syrien aus auf israelisches Gebiet abgefeuert. Israels Premier Benjamin Netanjahu macht die Führung in Teheran dafür verantwortlich, der Angriff passt bestens in seine Kampagne gegen den Atomdeal.

Mindestens vier der fünf Personen waren auf der Stelle tot, als am Freitagmorgen eine Rakete ihr Fahrzeug, unterwegs auf syrischer Golan-Seite, traf. Israel macht kein Geheimnis daraus, das seine Luftwaffe hinter dem Angriff steckt – einem weiteren Vergeltungsschlag für vier Raketen, die am Vorabend von Syrien aus gezielt auf israelisches Gebiet abgefeuert worden waren. Die den Befehl dazu gegeben hatten, säßen allerdings in Teheran, vermutet die Regierung in Jerusalem. Welche Bedeutung sie dem Fall beimisst, zeigte sich schon daran, dass Premier Benjamin Netanjahu persönlich Stellung nahm. Er habe bereits vor Tagen erklärt, dass Israel jedem, der ihm schaden wolle, dafür bezahlen lasse. „Und genau das haben wir gerade getan.“

Nach israelischer Darstellung handelte es sich bei den Getöteten um Mitglieder eines Raketentrupps des pro-iranischen „Islamischen Dschihad“. Je zwei ihrer Geschosse waren auf israelischer Golan-Seite sowie – erstmalig seit dem Jom Kippur-Krieg von 1973 – in Galiläa eingeschlagen, hatten dort aber lediglich Buschbrände verursacht. Dank geheimdienstlicher Informationen habe man die Spur der Kommandozelle verfolgen und ihre gezielte Tötung (offenbar mittels einer Drohne) veranlassen können, hieß es in Israel. Syrische Medien wiederum meldeten, die Todesopfer seien fünf Zivilisten.

Der „Islamische Dschihad“ in Gaza dementierte kategorisch, mit den Raketenabschüssen auf Israel etwas zu tun zu haben. Sein Hauptquartier freilich befindet sich in Damaskus und unterliegt dem direkten Einfluss des Assad-Regimes und der in seinem Herrschaftsgebiet aktiven, iranischen Revolutionsgarden.

14 syrische Stellungen beschossen

Bereits in der Nacht zum Freitag hatte Israel 14 syrische Stellungen aus der Luft wie auch mit Artillerie jenseits der Grenze beschossen. Acht syrische Soldaten wurden dabei verletzt, einer wurde getötet. Die Angriffsziele lagen alle im Gebiet um Khader, das von Assad-Truppen kontrolliert wird. Die israelische Armee schließt aus, dass islamistische Rebellen etwa von der Al-Kaida-nahen Nusra-Front oder vom „Islamischen Staat“ den Raketenbeschuss begonnen hätten. Zudem waren vor drei Wochen pro-iranische Hisbollah-Krieger von Israel attackiert worden, was das Motiv für den Angriff vom Donnerstag sein könnte.

Verteidigungsminister Mosche Jaalon äußerte einen noch weitergehenden Verdacht. Dem Iran sei daran gelegen, auf den Golanhöhen eine neue Front gegen Israel zu eröffnen.

Diese These passt zumindest gut in Netanjahus politisches Konzept. Schließlich setzt er alles daran, mit Hilfe seiner republikanischen Freunde in Washington das Iran-Abkommen im US-Kongress zu Fall zu bringen. Der Premier betonte zwar am Freitag mit Blick auf die Entwicklung im Norden des Landes, Israel suche keine Eskalation. Aber, so fügte er gleich hinzu, „all jene, die nun das Regime in Teheran hofieren, sollten wissen, dass ein iranischer Kommandant die Zelle lenkte und unterstützte, die Israel angriff.“ Konkrete Beweise dafür legte Netanjahu nicht vor.

Zweifel sind geboten. Zumal Netanjahu seit Wochen die Welt mit einer Kampagne aufzurütteln versucht, die iranische Gefahr werde unterschätzt. Der Atomdeal mit den Mullahs gehe auf Kosten von Israels Sicherheit. Man habe bisweilen den Eindruck, merkte jedenfalls Sicherheitsexperte Alex Fishman in der Zeitung „Jedioth Achronoth“ bissig an, ein paar aus Libanon oder Syrien abgeschossene Raketen, die man den Iranern in die Schuhe schieben könne, kämen einigen Leuten in Israel zupass.

Genau daran dürfte Teheran, das auf die Früchte der Verhandlungen mit dem Westen hofft, wenig interessiert sein. Nur, Syrien ist ein rechtsfreier Raum – ideal für ferngesteuerte Konflikte.

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