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Benjamin Netanjahu (links), Ministerpräsident von Israel, wird vom künftigen Präsidenten Brasiliens, Jair Bolsonaro (rechts), auf der Fort Copacabana Militärbasis empfangen.

Treffen in Rio

Netanjahu und Bolsonaro verstehen sich prächtig

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu und der künftige brasilianische Präsident Bolsonaro feiern "Brüderlichkeit" bei Treffen in Rio.

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hat zum Auftakt seiner fünftägigen Brasilien-Reise seine enge Verbindung mit dem künftigen brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro betont. Nach dem Treffen der beiden Politiker in Rio de Janeiro am Freitag stellte Netanjahu eine „Allianz“ in Aussicht, die Israel und Brasilien „zu neuen Gipfeln tragen“ könne. Bolsonaro sagte, beide Länder würden künftig nicht nur Partner, sondern „Brüder“ sein. Laut Netanjahu nahm der ultrarechte Bolsonaro eine Einladung zu einem Gegenbesuch in Israel bis März an.

Netanjahu und Bolsonaro trafen sich in einem Fort am berühmten Copacabana-Strand in Rio zum Mittagessen . „Es ist schwer zu glauben, dass wir in der Vergangenheit keine derartigen Beziehungen hatten“, sagte Netanjahu anschließend. Bolsonaro stellte eine enge Beziehung der beiden Staaten in den Bereichen Wirtschaft, Technologie und Landwirtschaft in Aussicht. Auch bei Militär und Sicherheit solle die Kooperation verstärkt werden.

„Zusammen mit anderen Ländern wie den USA, die eine ähnliche Ideologie wie wir haben, verfügen wir über alles, um uns gegenseitig zu helfen und unseren Ländern Wohltaten zu bringen“, sagte Netanjahu bei einem Treffen mit Mitgliedern der jüdischen Gemeinde Brasiliens in einer Synagoge.

Netanjahu spricht von neuer Ära

Bereits im Flugzeug auf dem Weg nach Brasilien hatte Netanjahu eine „neue Ära“ zwischen den beiden Ländern begrüßt. Brasilien sei ein „riesiges Land mit einem enormen Potenzial für Israel aus Sicht der Wirtschaft, der Diplomatie und der Sicherheit“. Er freue sich, ein neues Kapitel in den beiderseitigen Beziehungen aufzuschlagen.

Israels Regierungschef gab zu verstehen, dass er Bolsonaro auffordern werde, offiziell die Verlegung der brasilianischen Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu verkünden. Der designierte brasilianische Staatschef, der sein Amt am 1. Januar antritt, hatte diese Absicht Anfang November geäußert, einige Tage später aber erklärt, dass noch keine endgültige Entscheidung gefallen sei.

Brasilien würde mit dem Botschaftsumzug dem international kritisierten Beispiel der USA folgen. US-Präsident Donald Trump hatte Jerusalem im Dezember 2017 als Hauptstadt Israels anerkannt und im Mai die US-Botschaft dorthin verlegt.

Es ist der erste Besuch eines israelischen Ministerpräsidenten in Brasilien. Am Neujahrstag nimmt Netanjahu an Bolsonaros Vereidigung in Brasília teil – zusammen mit dem chilenischen Präsidenten Sebastián Piñera und dem ungarischen Regierungschef Viktor Orban.

Bolsonaro reist in die USA

Trump lässt sich bei der Zeremonie durch seinen Außenminister Mike Pompeo vertreten. Dieser wird nach israelischen Regierungsangaben am Rande der Amtseinführung mit Netanjahu sprechen. Dabei soll es unter anderem um den angekündigten Abzug von 2000 US-Soldaten aus Israels Nachbarland Syrien gehen.

Der rechtsradikale Jair Bolsonaro, der immer wieder Sympathie für die brasilianische Militärdiktatur (1964-1985) geäußert hat, war Ende Oktober in der Stichwahl mit 55 Prozent der Stimmen zum brasilianischen Präsidenten gewählt worden. Er ist ein entschiedener Anhänger Trumps und lehnt wie dieser den Multilateralismus ab.

Ein Mitarbeiter der US-Regierung kündigte unterdessen an, dass Bolsonaro zu Beginn des kommenden Jahres Washington besuchen werde. Die Regierung hoffe, dass Bolsonaros Auslandsbesuch als Präsident ihn in die Vereinigten Staaten führen werde, sagte der Mitarbeiter, der nicht namentlich genannt werden wollte. Außenminister Pompeo werde in Brasília mit Bolsonaro über Trumps Einladung sprechen. (afp)

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