Spezialisten für Viren: Mitarbeiter des Instituts für Virologie der Philipps-Universität Marburg. Arne Dedert/dpa
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Spezialisten für Viren: Mitarbeiter des Instituts für Virologie der Philipps-Universität Marburg.

Coronavirus

Nervosität nach ersten Corona-Fällen

  • vonKatrin Braun
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Zustand der Erkrankten ist stabil.

Die gute Nachricht zuerst: Die vier Coronavirus-Patienten in Deutschland befinden sich nach Angaben des bayerischen Gesundheitsministeriums in klinisch gutem Zustand. „Alle sind nach Angaben von Chefarzt Prof. Clemens Wendtner von der Klinik für Infektiologie an der München Klinik Schwabing symptomfrei“, teilte ein Sprecher am Mittwoch auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit.

Es handele sich um drei Männer und eine Frau. Alle sind Mitarbeiter der Firma Webasto aus Gauting in Oberbayern. Das Unternehmen hat auch Filialen in China. Ein 33-Jähriger hatte sich den Erkenntnissen zufolge vergangene Woche bei einer aus China eingereisten Kollegin angesteckt. Die Infektion der drei weiteren Menschen hatte das Ministerium am Dienstagabend bestätigt. Testergebnisse zweier weiterer Personen waren am Mittwoch negativ. Weitere Untersuchungen liefen noch.

Die Nachricht von den ersten Corona-Fällen in Deutschland ist Gesprächsthema in Gauting, genauer im Ort Stockdorf, knapp 4000 Einwohner. Wolfgang Müller, ein Pressesprecher des Landratsamts Landsberg am Lech, berichtet, dass die Familienangehörigen des 33-jährigen Patienten weiterhin gesund sind. „Mutter und Kind haben nach wie vor keine Symptome.“

Der Stockdorfer Konzern Webasto ist jetzt dicht – bis Sonntag vorerst. Die rund tausend Mitarbeiter wurden per Mail gebeten, von Zuhause zu arbeiten. Am Mittwochmorgen holten viele von ihnen ihre Laptops aus den Büros. Vorbei an Sicherheitsmitarbeitern und Journalisten.

Die meisten Mitarbeiter wollten sich nicht zu dem Fall äußern. „Kein Kommentar“, heißt es immer wieder. Eine Mitarbeiterin sagt, es herrsche „ganz normaler Betrieb“. Allerdings gebe es auch Verunsicherung. Eine andere Mitarbeiterin sagte, es sei sehr ruhig, offenbar seien tatsächlich viele daheim geblieben.

Rund 600 Meter weiter spielen Kinder in einer Gruppe des Eltern-Kind-Programms. „Wir betreuen auch Kinder von Webasto-Mitarbeitern“, sagt Mitarbeiterin Petra Bezdek, „aber ich habe bisher nicht das Gefühl, dass die Eltern besorgt sind.“ Keines der Kinder sei in den vergangenen Tagen daheim geblieben, alles sei „ganz normal, wie immer“, erzählt die 65-Jährige. „Wieso sollten wir auch panisch werden? Es ist doch klar, dass so etwas passieren kann, wenn Betriebe heutzutage so eng mit anderen Ländern in Verbindung stehen.“

Nicht alle Stockdorfer gehen mit der Situation so entspannt um. „Die Gefühle der Kunden sind sehr gemischt“, erzählt Elisabeth Zehetbauer, Inhaberin der Katharinen-Apotheke. „Viele sind verunsichert, manche haben sogar Panik. Andere sind gelassener und sprechen von einer unnötigen Hysterie.“

In den vergangenen zwei Tagen war der Andrang in ihrer Apotheke besonders groß, „bestimmt 20 Prozent mehr“, sagt sie. Sie gibt den Menschen nicht nur Desinfektionsmittel, Atemschutzmasken und Lutschpastillen zum Schutz der Schleimhäute mit, sondern auch beruhigende Worte. „Klar ist: Man sollte nicht panisch werden, aber Respekt vor dem Virus haben“, meint die 56-Jährige. „Vor allem Schwerkranke brauchen einen besonderen Schutz.“ Grundsätzlich solle man im Moment darauf verzichten, jemandem die Hand zu geben.

Nicht anders denkt offenbar auch der Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Der CDU-Politiker rief dazu auf, wachsam zu sein. „Wir sind gut vorbereitet, aber Anlass für übertriebene Sorge besteht nicht, weil genau die Abläufe in Bayern zeigen, wie gut wir vorbereitet sind“, sagte er der Fernsehsendergruppe RTL/ntv. Derzeit bereitet der Minister die Rückholung von etwa 100 Deutschen aus dem chinesischen Wuhan vor. Grundsätzlich sei Deutschland für den Umgang mit solchen Krankheitsfällen gut aufgestellt. In Europa wurden nicht nur in Deutschland, sondern auch in Frankreich vier Fälle bestätigt.

Zahlreiche europäische Unternehmen raten ihren Mitarbeitern von Geschäftsreisen nach China ab, darunter Volkswagen aus Niedersachsen und der hessische, in Darmstadt ansässige Merck-Konzern mit seinen rund 56 000 Mitarbeitern. Man empfehle den Beschäftigten weltweit, im Februar auf Reisen in die Volksrepublik zu verzichten oder diese vorerst zu verschieben, teilte der Pharma- und Chemiekonzern am Mittwoch mit.

In China sind Wuhan und die umliegende Provinz Hubei besonders schwer betroffen. Rund 45 Millionen Menschen wurden weitgehend abgeschottet. Flüge sowie der Nah- und Fernverkehr wurden ausgesetzt. Es wird vermutet, dass das Virus seinen Ausgang auf einem Markt in der zentralchinesischen Elf-Millionen-Metropole Wuhan hatte, wo Wildtiere zum Verzehr verkauft wurden. (mit dpa)

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