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HMS Defender läuft nach seinem Manöver in Odessa ein.
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HMS Defender läuft nach seinem Manöver in Odessa ein.

Kriegsschiff HMS Defender

Großbritannien und Russland: Nervenkrieg vor der Krim

  • Stefan Scholl
    VonStefan Scholl
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Die britische Regierung nimmt den Vorfall mit der HMS Defender im Schwarzen Meer mit Humor und reizt damit den Kreml noch mehr.

Mehr als zwanzig russische Flugzeuge waren in der Luft, Küstenwachschiffe verfolgten den britischen Zerstörer, eines kam bis auf hundert Meter heran, um ihn abzudrängen, Marineartillerie bellte auf: Am Mittwoch drohte vor der Küste der Schwarzmeerhalbinsel Krim eine regelrechte Seeschlacht.

Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte später mit, das britische Kriegsschiff HMS Defender sei drei Kilometer in russische Territorialgewässer eingedrungen, die Küstenwache habe zweimal Warnschüsse abgefeuert, ein Su-24-Kampfbomber mehrere Bomben in der Kursrichtung des Briten abgeworfen, erst danach habe die HMS Defender die vaterländischen Gewässer wieder verlassen.

Ein Kremlsprecher spricht von einer „bewussten und vorbereiteten“ Provokation

London reagierte ungerührt. Das Schiff der königlichen Marine sei gemäß dem internationalen Recht auf einer friedlichen Durchfahrt in ukrainischen Gewässern gewesen, außerdem habe niemand Warnschüsse auf das Schiff abgefeuert oder Bomben abgeworfen, verlautete es aus dem britischen Verteidigungsministerium. „Wir glauben, die Russen veranstalteten eine Schießübung auf dem Schwarzen Meer und warnten die seefahrende Öffentlichkeit vorab über ihre Aktivitäten.“

Die britische Reaktion entspricht nach Ansicht des Moskauer Publizisten Arkadi Dubnow „ganz dem klassischen Stil englischen Humors“. Und nach Einschätzung des Militärexperten Alexander Golz hatte der britische Flugabwehrzerstörer von dem zehnmal kleineren russischen Küstenwachschiffen oder den 40 Jahre alten Su-24-Fliegern so oder so nicht viel zu befürchten.

Konfrontation zwischen Russland und Großbritannien: Missbrauch internationalen Rechts

Kremlsprecher Dmitri Peskow aber sprach von einer „bewussten und vorbereiteten“ Provokation, die gegen das internationale Recht verstoße. Auch Vizeaußenminister Sergei Rjabkow fand das Ganze nicht witzig. „Wir können an den gesunden Verstand appellieren, an die Einhaltung des internationalen Rechts.“ Aber wenn die Kollegen das nicht begriffen, könne man auch bombardieren, nicht nur in Fahrtrichtung, sondern auch das Ziel direkt.

Allerdings ist die internationale Rechtslage in den Gewässern vor der Krim nicht unbedingt auf russischer Seite. Russland annektierte die Halbinsel 2014. Den militärisch durchgedrückten Anschluss, bei dem eine Reihe internationale Verträge und Rechtsnormen gebrochen wurden, erkennt die Mehrheit der UN-Mitgliedsstaaten nicht an.

Großbritannien oder Russland – Wer macht zuerst einen Rückzieher?

„Außerdem blockiert Russland seit April und bis Oktober unter dem Vorwand von Flottenmanövern einen Großteil der Gewässer um die Krim“, sagt der Kiewer Sicherheitsexperte Oleksi Melnyk der Frankfurter Rundschau. Selbst wenn die Russen einen legitimen Anspruch auf die zwölf-Meilen-Zone vor der Krim hätten, wäre es ein Missbrauch internationalen Rechts, dass sie anderen Flotten die übliche Passage-Route dort solange verweigern.

Und Melnyks russischer Kollege Golz ergänzt: „Zweifelsohne wollten die Engländer mit ihrer Durchfahrt demonstrieren, dass sie weder dieses russische Verbot anerkennen, noch den Anspruch Russlands auf die Gewässer vor der Krim.“

Protest gegen See-Breeze-Manöver

Die russische Botschaft in den USA protestiert derweil lautstark gegen die Teilnahme der US-Navy und anderer Nato-Flotten an dem bevorstehenden See-Breeze-Manöver, das seit 1997 unter amerikanisch-ukrainischer Leitung jährlich im Schwarzen Meer stattfindet. Die Schwarzmeerstaaten, so die Botschaft, könnten ihre Sicherheitsprobleme auch sehr gut ohne von außen aufgenötigte Hilfe lösen. Moskau fordert demonstrativ, dass die Nato aus dem Schwarzen Meer verschwindet, während Londons Kriegsschiffe ebenso demonstrativ die roten Linien der Russen vor der Krim überqueren.

„Es ist ein Nervenkrieg“, sagt Oleksi Melnyk, „wie der Blickkontakt zwischen zwei Boxern.“ Er glaube nicht, dass die Russen so weit gehen, ein britisches Schiff anzugreifen, weil das automatisch für die gesamte Nato den Verteidigungsfall auslösen würde. Aber die Gefahr bei Warnschüssen oder demonstrativen Anflügen von Kampfbombern auf fremde Kriegsschiffe sei, dass ein Artillerist sein Geschütz falsch eingestellt habe, oder ein junger Pilot die Selbstbeherrschung verliere.

Der Kalte Krieg ist schon im vollen Gange

„Die Frage in jedem Nervenkrieg ist, wer zuerst einen Rückzieher macht“, sagt auch sein russischer Kollege Golz. „Aber wenn keiner nachgibt, kann solch ein Zwischenfall zum Auslöser eines großen militärischen Konflikts werden“. Der Kalte Krieg aber ist schon im vollen Gange. (Stefan Scholl)

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