+
Mehr als 100 Menschen sind noch an Bord.

Seenotretter

Nervenkrieg vor Lampedusa

Das Rettungschiff „Open Arms“ harrt im Mittelmeer aus. Hilfsangebote Spaniens laufen ins Leere.

Die Besatzung des vor Lampedusa liegenden Seenotrettungsschiffs „Open Arms“ kämpft weiter darum, in einem Hafen auf der italienischen Insel festmachen zu dürfen. „Wir sind überfordert, die 107 Leute zu betreuen, die wir noch an Bord haben“, twitterte „Open Arms“-Initiator Oscar Camps am Montag. Not und Verzweiflung an Bord lassen ihm zufolge weiteres Warten nicht zu. Die „Open Arms“ hatte am 1. August 123 Flüchtlinge in zwei Einsätzen vor der libyschen Küste und später noch einmal 39 Menschen aus Seenot aufgenommen.

Ein Angebot Spaniens, den Hafen von Algeciras nahe Gibraltar anzusteuern, hatte die „Open Arms“ am Sonntag abgelehnt. Die spanische Zeitung „El Pais“ berichtete am Montag, die Crew habe auch die Fahrt zum etwas näher gelegenen Hafen Mahón auf der Balearen-Insel Menorca verworfen. Eine Sprecherin der Hilfsorganisation Proactiva Open Arms gab dem Bericht nach an, das Schiff könne in der aktuellen Situation nicht mehr sicher fahren. „Wir können die Sicherheit und die körperliche Unversehrtheit der Einwanderer und der Besatzung nicht gefährden. Wir müssen jetzt aussteigen“, zitierte „El Pais“ die Sprecherin.

Aggression und Panik

Am Wochenende war die Situation auf dem Schiff eskaliert. Mehrere Flüchtlinge waren von Bord gesprungen. Sie wollten die rund 800 Meter nach Lampedusa schwimmend zurücklegen, wurden dann aber von Besatzungsmitgliedern zurückgeholt.

Die Crew der „Open Arms“ berichtete von Zusammenbrüchen, Aggression und Panikattacken unter den Flüchtlingen. Viele Migranten verbringen teils Jahre im Bürgerkriegsland Libyen, wo ihnen schwere Misshandlungen drohen, bevor sie nach Europa übersetzen. Italiens Innenminister Matteo Salvini schrieb dagegen auf Facebook von „eingebildeten Kranken“ und „eingebildeten Gesundheitsnotfällen“. Er erlaubte der „Open Arms“ weiter nicht, in den Hafen von Lampedusa einzulaufen. Italien hatte zuvor Schwangere und Kranke von Bord geholt. Am Wochenende nahm das Land noch einmal 27 unbegleitete Minderjährige auf. Seitdem ein Gericht dem Schiff am Mittwoch gegen den Willen Salvinis das Einlaufen in italienische Gewässer erlaubte, liegt die „Open Arms“ unmittelbar vor Lampedusa.

Die EU-Kommission rief alle Beteiligten dazu auf, eine Lösung zu finden. Das Wichtigste sei, dass die Menschen an Land gehen könnten, sagte eine Sprecherin der Behörde. Die Kommission versuche derzeit, die Verteilung der Migranten zu organisieren.

Auch die unter norwegischer Flagge fahrende „Ocean Viking“ von „Ärzte ohne Grenzen“ und SOS Méditerranée wartet nach über einer Woche mit 356 Flüchtlingen an Bord weiter darauf, einen sicheren Hafen zugewiesen zu bekommen. Das rund 70 Meter lange Schiff fährt aktuell zwischen dem EU-Mittelmeerstaat Malta und Lampedusa. (epd/dpa)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion