+
Zwei Organisationen haben sie angeblich entführt - und eine angeblich ermordet.

Nervenkrieg um Geiseln

Italiener bangen und hoffen

Rom · 23. September · ens · Um das Schicksal der in Irak entführten Italienerinnen tobte am Donnerstag ein Nervenkrieg. Eine Organisation namens Islamischer Dschihad erklärte auf einer Internet-Seite, die zwei Frauen seien umgebracht worden. Aus dem italienischen Außenministerium verlautete, die Information werde geprüft. Man halte sie aber nicht für zuverlässig.

Simona Pari und Simona Torretta, beide 29 Jahre alt und für eine Hilfsorganisation tätig, waren am 7. September in Bagdad verschleppt worden. Zunächst bekannte sich eine Gruppe namens Unterstützer von as-Sawahiri zu der Geiselnahme. Vor zehn Tagen dann drohte die Organisation Islamischer Dschihad mit der Ermordung der beiden Frauen, sollten die italienischen Truppen nicht binnen 24 Stunden aus Irak abgezogen werden. Bis zum gestrigen Nachmittag gab es weder das angekündigte Video noch überhaupt einen konkreten Anhaltspunkt für eine Hinrichtung - aber auch keinerlei Lebenszeichen. In Italien schwankten die Gefühle zwischen blankem Entsetzen und wilder Hoffnung. Der "mediale Terrorismus", von dem die italienische Regierung spricht, hat eine neue Dimension erreicht.

Am Vormittag häuften sich zunächst die beruhigenden Nachrichten. Sicherheitsbehörden und Regierung neigten zu der Einschätzung, dass das Bekenntnis nicht glaubwürdig sei. Ob das rationale Erkenntnis oder Wunschdenken war, blieb allerdings offen. Wenn "le due Simone" nicht gerettet werden können, hätte dies erhebliche gesellschaftliche und politische Folgen in Italien. Der Einsatz von 2700 Militärs in Irak ist heftig umstritten. Und auch das Verhältnis zur moslemischen Bevölkerungsgruppe wird durch rechtsextreme Positionen wie die der Regierungspartei Lega Nord lädiert. Bedrückt meint Hamza Piccardo von der Union der islamischen Gemeinschaften: "Das Einzige, was wir in diesem Moment tun können, ist, Christen und Moslems zum Gebet für die beiden aufzufordern."

Als gegen Mittag das zweite Bekennerschreiben mit der Ankündigung eines Videos auftauchte, stellte sich die Regierung der kippenden Stimmung entgegen: Gerade die vielfältigen Bekenntnisse bestätigten die mangelnde Glaubwürdigkeit. Auch Sicherheitsbehörden und Geheimdienste wollten nicht an den Wahrheitsgehalt der Web-Botschaften glauben. In diesen Kreisen kam die These auf, dass die Bekenntnisse von Fanatikern stammen könnten, die die tatsächlichen Entführer von Simona & Simona zum Mord drängen wollten.

Dossier: Irak nach dem Krieg

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion