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Neonazi-Überfall

Neonazi-Attacke in Thüringen: Augenzeugen belasten rechtsextreme Angreifer

  • VonJoachim F. Tornau
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Zwei Neonazis greifen zwei Fotografen im thüringischen Fretterode an. Vor Gericht bestreiten sie brutale Details. Augenzeugen erzählen von einer lebensgefährlichen Verfolgungsjagd.

Im sogenannten Fretterode-Prozess um den brutalen Angriff von Neonazis auf Journalisten in Thüringen sind die Unschuldsbeteuerungen der Angeklagten von Augenzeugen erschüttert worden. Von einer lebensgefährlichen Verfolgungsjagd mit „extrem erhöhter Geschwindigkeit“ berichtete ein 42-Jähriger am Dienstag im Landgericht Mühlhausen in Thüringen. Der Mann war am Tattag im April 2018 mit dem Rennrad auf derselben Strecke unterwegs gewesen wie die beiden Journalisten und ihre rechtsextremen Verfolger. „Das war direkt Stoßstange an Stoßstange“, sagte er. „Motorlärm. Quietschende Reifen.“

Laut Anklage sollen die Neonazis Nordulf H. und Gianluca B. – beide aus dem unmittelbaren Umfeld des NPD-Bundesvizes und Kameradschaftsführers Thorsten Heise, der wie die Angeklagten im thüringischen Dorf Fretterode lebt – ihre Opfer erst mit dem Auto gejagt, sie dann mit Schraubenschlüssel, Baseballschläger und Messer schwer verletzt und ihnen die Kameraausrüstung geraubt haben.

Neonazi-Attacke in Thüringen: Angeklagte widersprechen

Beim Prozessauftakt hatten die Rechtsextremen indes behauptet, dass sie sich beim Hinterherfahren strikt an die Straßenverkehrsordnung gehalten hätten. Denn nicht um Gewalt sei es ihnen gegangen, sondern nur um das Feststellen des Autokennzeichens – um ihr Recht am eigenen Bild durchzusetzen. Die beiden Journalisten hatten zuvor am Anwesen von Thorsten Heise in Fretterode fotografiert.

Nachdem sie im April 2018 zwei Fotografen im Landkreis Eichsfeld verfolgt und mit Gegenständen verletzt haben sollen, wirft die Staatsanwaltschaft zwei mutmaßlich Rechtsextremen schweren Raub und gefährliche Körperverletzung vor.

Ansonsten wollen sich die Angeklagten nur gegen Angriffe ihrer Widersacher verteidigt haben. Doch auch das passt nicht zu dem, was der Radfahrer wahrgenommen hat: Als er zum Ort der Auseinandersetzung kam, habe er ein zerstörtes Fahrzeug und einen auf dem Boden hockenden, blutüberströmten Mann gesehen, sagte er. Das „Verfolgerauto“ dagegen sei fluchtartig weggefahren – und hätte ihn fast überfahren.

Neonazi-Attacke in Thüringen: Rasante Verfolgungsjagd

Von einer rasanten Verfolgung berichteten auch zwei in Fretterode lebende Männer. Darüber hinaus aber äußerten sich beide Zeugen nur widerstrebend. Ein 35-Jähriger, dessen Auto bei der Verfolgungsjagd touchiert worden war, hatte bei der Polizei noch erzählt, dass ihm Heise persönlich nahegelegt habe, die Verfolgung zu verschweigen: „Er sagte mir, dass ich das ja nicht erwähnen müsste.“ Eine Aussage, die der Mann jetzt vor Gericht partout nicht wiederholen wollte. „Sie machen den Eindruck eines Menschen, der Angst hat“, befand Oberstaatsanwalt Ulf Walther. Doch der Zeuge bestritt, unter Druck gesetzt worden zu sein.

Rubriklistenbild: © Swen Pförtner/dpa

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