Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Attacke in Thüringen: Neonazis müssen sich vor dem Landgericht in Mühlhausen verantworten. (Symbolbild)
+
Attacke in Thüringen: Neonazis müssen sich vor dem Landgericht in Mühlhausen verantworten. (Symbolbild)

Prozess

Neonazi-Attacke in Thüringen: „Er hat wild in den Wagen reingeprügelt“

  • VonJoachim F. Tornau
    schließen

Im Prozess um die Neonazi-Attacke in Thüringen sagt einer der betroffenen Journalisten aus. Die angeklagten Neonazis gerieren sich selbst als Opfer.

Thüringen - Als alles vorbei war, die Angreifer geflüchtet waren und er am Straßenrand hockte, wartend auf Polizei und Krankenwagen, da sei ihm immer wieder nur ein Gedanke durch den Kopf geschossen: „Ich habe die ganze Zeit gedacht, dass sie wiederkommen und es zu Ende bringen“, sagt der 29-Jährige.

Sie – damit meint er die Neonazis Nordulf H. und Gianluca B. Und es – das war, was er als brutalen Angriff auf sich selbst und einen Kollegen beschreibt, zwei Journalisten, die über die extreme Rechte recherchieren und an jenem Aprilsonntag 2018 das Anwesen von Thorsten Heise im thüringischen Fretterode beobachtet hatten. Heise ist NPD-Bundesvize, Kameradschaftsführer und einer der mächtigsten Männer im deutschen und internationalen Rechtsextremismus. Nordulf H. ist sein Sohn.

Neonazi-Attacke in Thüringen: Beide müssen sich vor dem Landgericht in Mühlhausen verantworten

Vor dem Landgericht Mühlhausen müssen sich die beiden Neonazis unter anderem wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung und schweren Raubes verantworten. Sie sollen den Journalisten die Kamera geraubt haben, um an die von ihnen gemachten Fotos zu gelangen. Sie bestreiten das, nur eine Beschädigung des Autos hat Nordulf H. beim Prozess-Auftakt eingeräumt. Mit dem, was beim zweiten Verhandlungstag am Donnerstag vom ersten ihrer beiden mutmaßlichen Opfer erzählt wird, hat das so gut wie keinerlei Ähnlichkeit.

Von einer Verfolgungsjagd, bei der die Angeklagten versucht hätten, sie bei hohem Tempo von der Straße abzudrängen, erzählt der Göttinger. Und von hemmungslosen Attacken mit einem wuchtigen Traktor-Schraubenschlüssel, einem Baseballschläger, einem Messer. „Er hat wild in den Wagen reingeprügelt“, sagt er über Nordulf H. Mit dem Messer habe H. auf seinen Kollegen eingestochen. Und ihm selbst sei von Gianluca B. der Schädel gebrochen worden: „Er hat mit beiden Händen ausgeholt und mich mit dem Schraubenschlüssel an der Stirn getroffen.“

Attacke in Thüringen: Neonazis wollen sich selbst verteidigt haben

Die Angeklagten hatten in ihren zu Prozessbeginn verlesenen Einlassungen erklärt, den Mann zu kennen – aber nicht als Journalisten, sondern als gewaltbereiten Antifa-Aktivisten. Die Grundlage für diese Behauptung erweist sich auf Nachfrage des Gerichts jedoch als ausbaufähig. „Mein Papa hat mich mit auf eine Demo genommen, um mir das alles zu zeigen“, sagt Nordulf H. Es war eine Wahlkampfkundgebung der NPD in Göttingen im Jahr 2016. Da habe der Mann sie aggressiv als „Scheißnazis“ beschimpft. „Und er hat auch ein Telefon in der Hand gehabt und gefilmt.“

An ihrer Geschichte, nach der sie die wahren Opfer seien, halten die Neonazis auch in der Befragung fest. Nur um das Feststellen des Autokennzeichens sei es ihm bei der Verfolgung gegangen, nur das Recht am eigenen Bild habe er durchsetzen wollen, beteuert Nordulf H. Warum er dann überhaupt ausgestiegen sei, als sich ihre Widersacher in einem Straßengraben festgefahren hatten? „Das kann ich Ihnen zu hundert Prozent nicht mehr beantworten.“ Und wozu habe er sich mit dem Schraubenschlüssel bewaffnet? „Ist halt passiert.“

Dass er damit dann auf das Auto der Journalisten eingeschlagen hat, das hat er zugegeben. Ansonsten wollen er und sein Freund sich nur gegen Angriffe der vermeintlichen Antifa-Schläger verteidigt haben. (Joachim F. Tornau)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare