DAS INTERVIEW

Das Nein ist konsequent

Detlev Albers zur Irak-Politik

FR: Herr Albers, hält die SPD ihr hartes Nein zu einem Irak-Krieg über die aktuellen Wahlkämpfe hinaus durch?

Detlev Albers: Dieses Nein bleibt, weil es die einzig konsequente Antwort ist auf die immer deutlicheren Ankündigungen eines Angriffs der USA auf Irak, selbst ohne ein klares Votum des UN-Sicherheitsrats.

Sie interpretieren die neueste Bush-Rede als Angriffsankündigung?

Nicht nur mir drängt sich dieser Eindruck auf, auch der Weltöffentlichkeit. Alleingänge der USA sollen offenbar immer stärker als Knüppel zum Gefügigmachen der übrigen Völkergemeinschaft benutzt werden. Es ist unerträglich, dass die gesamte Welt unter der Pression steht, George W. Bush werde notfalls auch alleine durchsetzen, was er für richtig hält.

Wie wird Gerhard Schröder mit diesem Druck weiter umgehen?

Seit dem August vergangenen Jahres hat Schröder mit der Ablehnung eines Krieges weit über Wahlkampftaktik hinaus verdeutlicht, dass es um eine eigenständige, auch moralisch schlüssige Position der Europäer geht. Seitdem hat diese Position sich nach und nach entwickelt, mit zunehmender Unterstützung durch andere europäische Regierungen. Gegenüber den Amerikanern ist das sicher eine neue Konstellation. Wir Europäer sind diejenigen in der Welt, die unter Bezug auf die Grundwerte der europäischen Zivilisation jede Form des Unilateralismus ablehnen und insofern einen moralischen Hintergrund für die Außenpolitik entwickeln, den wir jetzt auch gegenüber den amerikanischen Freunden behaupten müssen.

Das bedeutet: auch ein Zivilisationskonflikt?

So wie der Vietnam-Krieg einst durch das Nein des amerikanischen Volks von innen her aufgegeben werden musste, wird auch diesmal die amerikanische Bevölkerung bei näherem Blick auf die wirklichen Alternativen die europäische Position plausibler finden als jene der Bush-Administration. Ich sehe in der deutschen Position jedenfalls keine Polarisierung, sondern eine gegen den Druck der USA entstandene konsequente Völkerrechtsposition. Die Westbindung unter Konrad Adenauer und die Versöhnungspolitik nach Osten unter Willy Brandt haben zu Grundpfeilern der deutschen Außenpolitik geführt. Mit ähnlicher Konsequenz geht es für die heutige deutsche Regierung darum, ein europäisches Europa zu entwickeln, das zu seinen Positionen steht.

Wird es im Mai in Bremen wieder einen Landtagswahlkampf geben, der ganz vom Irak-Konflikt überlagert ist?

Das entscheidet Herr Bush. Ich setze nach wie vor darauf, dass Irak bis dahin ohne Krieg auf alle Massenvernichtungswaffen verzichtet.

Dossier: Krieg gegen Irak?

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