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Ganz oben auf der Mängelliste stehen fehlende Unabhängigkeit und mangelnde fachliche Expertise.
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Ganz oben auf der Mängelliste stehen fehlende Unabhängigkeit und mangelnde fachliche Expertise.

Erzbistum Köln

Im Nebenjob Bankvorstand

  • Joachim Frank
    VonJoachim Frank
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Das Erzbistum Köln legt heute sein Vermögen offen. Mit Wertpapieren, Aktien, Fondsanteilen sowie Immobilien summiert sich dieses auf drei Milliarden Euro. Kritik gibt es an den Bankenaufsichten der 14 katholischen und evangelischen Geldinstitute.

Erstmals in seiner Geschichte legt das Erzbistum Köln heute die Bilanz seines Vermögens offen. Die Summe der Aktiva – bestehend vor allem aus Kapitalanlagen in Wertpapieren, Aktien und Fondsanteilen sowie aus Immobilien – liegt bei drei Milliarden Euro. Dem stehen Belastungen in gleicher Größenordnung durch Pensionsrückstellungen und Reserven für den Unterhalt kirchlicher Gebäude gegenüber.

Bereits im Mai 2014 hatte das Erzbistum eine bewertete Bilanz seines Immobilienbesitzes in Höhe von etwas mehr als 600 Millionen Euro veröffentlicht. Die Initiative stammt noch von Erzbischof Kardinal Joachim Meisner. Der scheidende Generalvikar Stefan Heße trieb den Kurs der Transparenz wesentlich voran – nicht zuletzt wegen des Finanzskandals im Bistum Limburg.

Fast zeitgleich weist eine aktuelle Studie der FOM-Hochschule für Ökonomie und Management Essen hin auf zum Teil erhebliche Schwächen in der Bankenaufsicht der 14 katholischen oder evangelischen Geldinstitute – die immerhin mehr als ein Viertel der 30 größten Volks- und Raiffeisenbanken in Deutschland ausmachen.

Problematische Entsendung

Ganz oben auf der Mängelliste stehen fehlende Unabhängigkeit und mangelnde fachliche Expertise. „Oft gleichen die Aufsichtsräte einer Versammlung der Großkunden. Hier besteht die Gefahr eines Interessenkonflikts“, bemängeln die Essener. In den katholischen Banken dominieren vielfach Theologen die Aufsichtsräte, auf evangelischer Seite bilden Juristen ein Übergewicht gegenüber Fachleuten aus Wirtschaft oder Finanzwesen. Die fachliche Kompetenz reiche damit nicht in allen Fällen aus, um wirksam Aufsicht zu betreiben und mitzuentscheiden.

Sehr viele Mandatsträger sind in den Kirchenverwaltungen oder in der Seelsorge beschäftigt. Auch sollen die Kontrollgremien aufgebläht sein. „Mit bis zu 17 und durchschnittlich elf Mitgliedern sind viele Aufsichtsräte zu groß für eine produktive Zusammenarbeit.“ Und die Frauenquote liegt bei nur zehn Prozent. In den evangelischen Banken ist sie mit fünf Prozent im Schnitt deutlich geringer als in den katholischen Instituten (13 Prozent). Keinem Aufsichtsrat steht eine Frau vor.

Als problematisch sieht die Essener Studie auch Doppelmandate oder die gleichzeitige Entsendung von Vorgesetzten und Untergebenen. Auch hier bestehe die Gefahr von Interessenkonflikten. Der kirchliche Bankensektor sei somit von Transparenz und Professionalität der Kontrolle noch ein gutes Stück entfernt, meint Ulrich Hemel, Chef des „Instituts für Sozialstrategie“. Es gebe „wenig strukturierte Überlegungen über Zusammensetzung und Ziele der Aufsichtsgremien“.

Der Unternehmensberater, Manager und Theologe Hemel beklagte, dass viele der Kirchenbanken deutlich hinter dem Anspruch zurückblieben, den die Kirche selbst an gute Unternehmensführung (Good Corporate Governance) oder Geschlechtergerechtigkeit stelle. Hemel bezeichnete es als geradezu paradox, dass solche Grundsätze heute von außen an die Kirche herangetragen werden müssten.

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