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NDR-Skandal: Sender berichtete nicht über Alkoholfahrt von CDU-Politiker

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Von: Moritz Serif

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Der NDR muss sich mit Vorwürfen auseinandersetzen
Der NDR muss sich mit Vorwürfen auseinandersetzen. (Symbolfoto) © dpa/picture alliance/Maurizio Gambarini

Neue Details kommen im Skandal um den NDR ans Licht. Die Redaktionsspitze sei nicht objektiv. Man wolle niemandem auf die Füße treten.

Hamburg – Im NDR-Skandal dringen neue Vorwürfe über eine politisch motivierte Berichterstattung ans Licht. Darüber berichtet der Stern in einer exklusiven Recherche. Demnach sprechen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von „Hofberichterstattung“ über das Bundesland Schleswig-Holstein. Der Bericht deckt sich mit dem Artikel, der vor kurzem vom Business Insider veröffentlicht wurde. Neun Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hätten sich vertraulich an den Redaktionsausschuss des Senders gewandt. „Autoren würden abgezogen und Beiträge in den Abnahmen massiv verändert“ und die „Berichterstattung werde teilweise verhindert und kritische Informationen heruntergespielt“, so der interne Bericht.

„Auffällig ist, dass ständig die Regierung befragt und gesendet wird. Keine Stimme von der Opposition, keine kritische Stimme von Verbänden“, sagt ein Redaktionsmitglied, das anonym bleiben möchte. „Man hat den Eindruck, Inhalte werden gefiltert, die Redaktionsspitze ist nicht mehr objektiv.“ Das sei eine Art von vorauseilendem Gehorsam.

NDR-Skandal: „So ist kritischer Journalismus nicht möglich“

„Redaktions- und Funkhausspitze wollen ihre gut dotierten Verträge behalten oder weiter vorankommen. Und deswegen wollen sie niemandem auf die Füße treten. Aber so ist kritischer Journalismus nicht möglich.“ Berichte, die negativen Einfluss haben könnten, würden gezielt verhindert.

„Es werden vorgeschobene Gründe genannt, warum wir dann doch nicht berichten sollen. Die Vorwürfe seien nicht ausreichend belegt. Es müsste erst noch mehr recherchiert werden. Selbst bei einer eindeutigen Beleglage wird die Berichterstattung abgeschwächt oder sogar ganz verhindert, wenn sie nicht erwünscht ist“, heißt es im Stern-Artikel, über den auch der Focus berichtet.

NDR-Skandal: Sender berichtete nicht über Alkoholfahrt von CDU-Politiker

Beispielsweise habe der NDR nicht über eine Alkoholfahrt mit Unfallfolgen des einstigen CDU-Abgeordneten Hans-Jörn Arp berichtet. Der Politiker hatte 2019 mit 1,6 Promille zwei Autos gerammt. Arp galt als enger Vertrauter von Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther. „Die Nicht-Berichterstattung über den Vorfall rund um den Abgeordneten Arp bewerten wir rückblickend als Versäumnis“, erklärt der NDR in einer Stellungnahme auf eine Anfrage des Stern. (mse)

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