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NDR-Redakteure: Sender verändert Beiträge, Berichterstattung wird verhindert

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Von: Moritz Serif

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Der NDR muss sich mit Vorwürfen auseinandersetzen
Der NDR muss sich mit Vorwürfen auseinandersetzen (Symbolbild). © dpa/picture alliance/Maurizio Gambarini

NDR-Redakteure erheben schwere Vorwürfe gegen den Sender. Es herrsche ein „Klima der Angst“ und es bestünden „Politische Filter“. 

Hamburg - Der Fall Schlesinger ist längst noch nicht aufgearbeitet. Beim SWR gibt es Diskussionen um einen Podcast, in dem eine Frau einen Genozid an Bosniaken leugnete. Nun berichtet Business Insider, dass Redakteurinnen und Redakteure des NDR schwere Vorwürfe gegen ihren Sender erheben.

Neun Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hätten sich vertraulich an den Redaktionsausschuss des Senders gewandt. „Autoren würden abgezogen und Beiträge in den Abnahmen massiv verändert“ und die „Berichterstattung werde teilweise verhindert und kritische Informationen heruntergespielt“, so ein interner Bericht.

NDR: Gibt es „politische Filter“ beim Sender?

Beim NDR in Kiel soll es einen „politischen Filter“ geben – Führungskräfte träten wie „Pressesprecher der Ministerien“ auf. Kritische Themen würden heruntergespielt. Auf Nachfrage des Business Insiders erklärte der Sender zunächst, dass alles „aus Sicht des Redaktionsausschusses, des beteiligten Mitarbeiters und des zuständigen Programmbereichs aufgearbeitet und abgeschlossen“ sei. Die Vorwürfe der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien nicht wahr.

In einer zweiten Stellungnahme zog der Sender dann sein Statement zurück und teilte mit: „In der Tat haben wir Anlass zur Korrektur unserer Antworten, was ich sehr bedauere“, so die Pressesprecherin. Man weise die Vorwürfe zum „politischen Filter“ und Arbeitsklima zurück.

Grote-Affäre: Politikchefin soll Zitate entfernt haben

Bei der Affäre um den damaligen Innenminister von Schleswig-Holstein, Hans-Joachim Grote (CDU), der 2020 von seinem Posten zurückgetreten war, gebe es nach wie vor keinen Konsens. Grote soll fragwürdige Kontakte zu einem beschuldigten Polizeigewerkschafter und Journalisten gehabt haben und trat von seinem Posten zurück, um „politischen Schaden abzuwenden“. Der Vorwurf des Untersuchungsberichts des Redaktionsausschusses lautet, dass die Politikchefin des Senders Texttafeln mit Zitaten von Grote entfernt haben solle.

Anschließend habe ein Redakteur mit Grote ein Interview führen wollen, um über dessen Rücktritt zu sprechen. Seine Vorgesetzten sollen eingegriffen haben und das Gespräch abgelehnt haben. „Das Interview mit Herrn Grote hätte geführt werden müssen. Die von Norbert Lorentzen und Julia Stein angeführten Gründe für eine Absage überzeugen nicht. In der Hauptsache stützen sie sich auf die fehlende Beleglage und fordern weitergehende Recherche ein. Der Redaktionsausschuss sieht in Interviews durchaus eine Form der Recherche“, schrieb das Gremium in einer Stellungnahme.

NDR: „Berichterstattung werde verhindert, Beiträge massiv verändert“

Es soll sich dabei nicht um einen Einzelfall gehandelt haben. „Sie berichten uns, dass sie den Eindruck hätten, es gäbe einen Filter in der Redaktion. Berichterstattung werde teilweise verhindert und kritische Informationen heruntergespielt. Autoren würden abgezogen und Beiträge in den Abnahmen massiv verändert. Die Stimmung in der Abteilung sei vergiftet, da Konflikte so lange schwelen“, so der Ausschuss. „Die Kolleginnen und Kollegen berichten uns von einem ‚Klima der Angst‘ und großem Druck. Es werde gezielt versucht herauszufinden, wer sich an den Redaktionsausschuss gewandt hat“, ergänzt das Gremium. (mse)

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