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Ein kräftiger Schluck Zielwasser für Saskia Esken.

SPD

„Nazis bleiben Nazis“

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SPD-Chefin Saskia Esken ist alles andere als eine Bierzelt-Aktivistin. Aber es gibt ja viel Feind und viel Ehr ganz rechts. Und so drischt die Sozialdemokratin rechtschaffen auf die AfD ein.

Nein, eine begnadete Bierzeltrednerin ist Saskia Esken nicht, und das weiß die SPD-Chefin auch. Gleich zu Beginn ihres Auftritts beim Politischen Aschermittwoch im bayerischen Vilshofen kündigt sie an, dass die rund 500 Zuschauer nun eine etwas andere Rede als üblich zu hören bekommen würden. „Verbale Kraftmeiereien sind nicht so meins“, sagt Esken.

Lediglich die Frotzelei von CSU-Chef Markus Söder, der Esken, ihren Co-Vorsitzenden Norbert Walter-Borjans und Parteivize Kevin Kühnert als „Tick, Trick und Track der SPD“ bezeichnet hatte, retourniert die Sozialdemokratin: „Vielen Dank, lieber Markus Söder, ihr seid die Panzerknacker, und ihr seid ähnlich erfolgreich.“ Auch die SPD-Chefin hat offenbar ihre Lustigen Taschenbücher gelesen.

Die Bauern waren’s

Deutschlandverdankt den politischen Aschermittwoch den bayrischen Bauern, die 1580 erstmals zum Viehmarkt in Vilshofen an der Donau zusammenkamen und sich dabei ausgiebig die Mäuler über die Fürsten zerrissen.

1919belebte der Bayrische Bauernbund diese schöne alte Tradition neu und rief zu einer entsprechenden Kundgebung auf. Man darf annehmen: Die just von einer linken Räteregierung „befreiten“ Bayern nutzten den Termin zu wüsten Verbalattacken auf die in Weimar das Reich zusammenhaltenden „vaterlandslosen Gesellen“ (SPD und andere). Den nächsten Aschermittwoch gab es erst 1927 wieder.

1932traten erstmals unterschiedliche Parteien bei dem Termin an, um in Bierzelt-Atmosphäre derbe Polemiken gegen die politischen Gegner loszuwerden. Die NSDAP hatte den größten Zulauf. Nach 1933 war der Aschermittwoch alleinige Plattform der Nazis für Hetze und Hass.

1946belebte die Bayernpartei den demokratischen Aschermittwoch neu, die CSU verhalf ihm ab 1953 zu bundesweiter Bedeutung. Seit 1965 war dann auch die SPD dabei. Inzwischen macht jeder mit: Grüne, FDP, Linke, Republikaner, AfD, Piraten, ÖDP ... (rut)

Ansonsten spart sie Angriffe auf die Konkurrenz weitgehend aus und begründet das mit dem Hinweis, dass CDU und FDP derzeit genug mit sich selbst zu tun hätten. Nur bei einer Partei kennt sie kein Pardon: der AfD.

„Der Feind steht rechts“, sagt Esken, und ruft alle anderen Parteien zu einer klaren Abgrenzung auf. „Nur weil die AfD in einer demokratischen Wahl in die Parlamente gewählt wurde, sind es noch lange keine Demokraten. Nazis bleiben Nazis“, sagt sie. „Und wer einigermaßen geschichtsbewusst ist, der darf sich von denen nicht den Steigbügel halten lassen.“ Für die SPD, daran lässt Esken keinen Zweifel, ist das eine grundsätzliche Frage. „Wir werden nicht mit einer Partei koalieren, die nicht weiß, wo der Feind steht. Diese Frage muss die CDU für sich klären.“

Das zweite große Thema der Rede ist die Zukunft der Sozialdemokratie. Ihr wichtigstes Ziel sei es, dass Mitglieder, Anhänger und Gegner wieder zweifelsfrei wüssten, wofür die Partei stehe, sagt Esken.

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