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Nawalnys „Folter“ beenden: Russlands Ärzte appellieren an Putin

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Von: Helena Gries

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Der inhaftierte russische Oppositionspolitiker Alexej Nawalny bei einer Gerichtsanhörung per Videoschaltung in Moskau im Mai 2022.
Der inhaftierte russische Oppositionspolitiker Alexej Nawalny bei einer Gerichtsanhörung per Videoschaltung in Moskau im Mai 2022. © IMAGO/Sergei Karpukhin

Alexej Nawalny soll im Straflager erkrankt sein. In einem Protestbrief an Präsident Putin fordern russische Ärzte jetzt medizinische Hilfe für den Inhaftierten.

Moskau – Der bekannteste Putin-Kritiker Alexej Nawalny ist nach Angaben seiner Anwälte im Gefängnis schwer erkrankt. Im August 2020 wurde der russische Oppositionelle bei einem Flug nach Moskau vergiftet. Nach einer Behandlung in Berlin kehrte Nawalny im Januar 2021 nach Russland zurück und wurde bei seiner Ankunft in der russischen Hauptstadt verhaftet. Seitdem befindet sich der Oppositionspolitiker in Haft.

Zu Beginn des Jahres 2023 wurde Nawalny zum zehnten Mal in eine Strafzelle gesteckt. Das teilte der Inhaftierte eigens bei Twitter mit. Dort soll der Kritiker von Wladimir Putin offenbar erkrankt sein. In einem Brief an den russischen Präsidenten fordern nun mehr als 170 russische Ärzte, die Haftbedingungen Nawalnys zu verbessern und ihm eine Behandlung zu ermöglichen.

Putin-Gegner Nawalny im Straflager: Verschärfte Haftbedingungen für den Oppositionellen

Nawalny sei in einem Straflager verschärften Haftbedingungen ausgesetzt. Bereits zehn Mal sei der Politiker und Publizist wegen angeblicher Disziplinarvergehen in eine Strafzelle geschickt wurde. Zuletzt sei ihm Medienberichten zufolge vorgeworfen worden, sich morgens zu früh gewaschen zu haben, nämlich schon um 5.24 Uhr und nicht wie vorgeschrieben um 6 Uhr morgens. 15 Tage Isolation seien die Folge.

Russische Ärzte haben sich daraufhin in einem offenen Brief an Putin gewandt. Der Staat habe nicht das Recht, „die vorsätzliche Gesundheitsschädigung“ Nawalnys im Straflager tatenlos hinzunehmen, heißt es in dem Schreiben. Laut Verfassung habe jeder Bürger und jede Bürgerin das Recht auf angemessene medizinische Versorgung.

Nawalny im Straflager: Ärzte äußern „große Sorgen um sein Leben und seine Gesundheit“

„Die Haftbedingungen und das Erscheinungsbild von Alexej Nawalny bereiten uns große Sorgen um sein Leben und seine Gesundheit. Die Weigerung von Vertretern des Bundesgefängnisdienstes, Alexej die notwendigen Medikamente zu überbringen, stellt eine direkte Bedrohung für das Leben von Alexei Nawalny, einem Bürger der Russischen Föderation, dar“, heißt es wörtlich in dem vom Internet-Exilmedium Meduza veröffentlichten Schreiben.

Nach Angaben der Mediziner erhalte Nawalny „keine ausreichende medizinische Versorgung“, zudem sei es in seinem Zustand absolut „kontraindiziert“, sich in einem derartigen Straflager aufzuhalten. „Wir fordern ein Ende der Folter von Alexej Nawalny“, heißt es in dem Protestbrief weiter. Mehr als 170 Ärzte haben den Brief unterzeichnet, darunter Chirurgen, Kardiologen und Psychiater, überwiegend aus Moskau und St. Petersburg. (hg)

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