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Vorerst nicht für die Türkei: Ein amerikanischer F-35A-Kampfjet.

Nato

Ein Keil im transatlantischen Bündnis

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  • Gerd Höhler
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Wegen des Kaufs russischer Raketen blockieren die USA neue Flieger für die Türkei. 

Das Nato-Mitglied Türkei riskiert offenbar ein schweres Zerwürfnis mit seinem Bündnispartner USA: Staatschef Recep Tayyip hat Einheiten des russischen Luftabwehrsystems S-400 kaufen lassen. Aber will Erdogan die Raketen auch installieren? Oder muss er? Im Juli sollen die vier S400-Batterien geliefert werden. Die USA bestürmten die Türken, das Geschäft nicht durchzuziehen. Am Montag ließ Washington seinen Worten Entscheidungen folgen: Die Lieferung und Installation von Rüstsätzen für den Tarnkappen-Kampfflieger F-35 Lightning werden gestoppt.

Ein Sprecher des Pentagons sagte, nur das „unzweifelhafte“ Aufgeben des S-400-Deals seitens der Türkei könne die USA noch zur Umkehr bewegen. Es gibt Hinweise, dass das nicht geschehen wird.

Der türkische Ex-Diplomat Ali Tuygan glaubt zu wissen, warum das umstrittene Waffengeschäft vollzogen wird: Es sei der Preis, den Erdogan für eine Normalisierung der stark gespannten Beziehungen zu Moskau habe zahlen müssen, schrieb Tuygan jüngst in seinem Internetblog „Diplomatic Opinion“.

Nachdem die türkische Luftwaffe am 24. November 2015 im Grenzgebiet zu Syrien ein russisches Kampfflugzeug abgeschossen hatte, erließ Präsident Wladimir Putin Wirtschaftssanktionen. Die trafen das Land empfindlich. Im Juni 2016 entschuldigte sich Erdogan bei Putin für den Abschuss. Russland hob die Sanktionen auf, und Anfang August traf sich Erdogan zwecks Versöhnung mit Putin. Schon da sei konkret über eine türkische Bestellung der S-400 gesprochen worden, berichtete die regierungsnahe türkische Zeitung „Aksam“.

Mit dem Raketengeschäft habe Putin es geschafft, „einen Keil in die Nato zu treiben“, schreibt Ex-Botschafter Tuygan. „Will die Türkei die Nato verlassen“, fragt US-Senator Chris Van Hollen auf Twitter. Das Pentagon ist besonders alarmiert: Die Türkei ist Abnehmer von 100 Exemplaren der F-35. Und der S-400 werden Chancen gegen die F-35 zugeschrieben. Washington argwöhnt auch, russische Raketeninstallateure könnten in der Türkei die dortigen F-35 ausspionieren.

Aber auch die Bestrafung der Türken seitens der USA hat es in sich: Die F-35 ist ein Gemeinschaftsprojekt der Nato. Und türkische Rüstungsbetriebe liefern mehrere Bauteile. Ohne Ankara fliegt keine Lightning.

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