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„Terrornester“: Erdogan begründet Nato-Veto gegen Schweden und Finnland

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Der türkische Präsident Erdogan blockiert den Beitritt von Schweden und Finnland in die Nato. Die Türkei verlangt Zugeständnisse.

Ankara – Der Umgang mit den Kurden belastet die Beziehungen zwischen der Türkei und den Beitrittskandidaten für die Nato, Schweden und Finnland. Präsident Recep Tayyip Erdogan wirft beiden Staaten vor, die verbotene Arbeiterpartei PKK zu unterstützen, die in der EU als Terrororganisation eingestuft ist.

Erdogan wirft Schweden und Finnland Unterstützung von Terroristen vor

Erdogan wirft beiden Ländern vor, „Terrornester“ zu sein. „Auf der einen Seite den Terrororganisationen PKK/YPG alle erdenkliche Unterstützung leisten und gleichzeitig eine Unterstützung für einen Nato-Beitritt erwarten, ist ein Widerspruch“, sagte Erdogan auf einer Gruppensitzung seiner Regierungspartei AKP. Zuletzt habe die Türkei von Schweden die Auslieferung von 30 Terroristen verlangt. Dem sei das Land aber nicht nachgekommen, so das türkische Staatsoberhaupt.

Recep Tayyip Erdogan, Staatspräsident der Türkei, beim  Nato-Gipfel 2018.
Recep Tayyip Erdogan beim Nato-Gipfel 2018 © Francois Mori/dpa

Nato-Beitritt: Schweden und Finnland könnten nachgeben

Schweden und Finnland werden offenbar aber den türkischen Wünschen nachgeben, fürchtet der Münchner Kommunikationswissenschaftler und Aktivist Kerem Schamberger. „Ich fürchte, Schweden und Finnland werden nicht standhaft bleiben. Es ist leichter, die Kurden zu opfern, als ein Verzicht auf die Nato-Mitgliedschaft“, so Schamberger.

Und das wird offenbar auch Folgen für die Kurden im Nahen Osten haben. „Das Problem ist, dass durch den türkischen Druck die humanitäre Unterstützung von Nordsyrien in Gefahr ist. Dort hat Schweden z.B. Projekte zur Verbesserung der Wasserversorgung unterstützt“, kritisiert Schamberger. Die Türkei sehe das als Terrorhilfe.

Experte: Erdogans Vorwürfe gegen Schweden und Finnland absurd

Der Vorsitzende der kurdischen Gemeinde Ali Ertan Toprak warnt vor einem Einknicken gegenüber Erdogan. „Einerseits stellt sich der Westen zu Recht gegen den Autokraten Putin, andererseits lässt man aber einen verbündeten Autokraten wie Erdogan alles gewähren und stärkt ihn unentwegt damit.“

Die Türkei sei in den letzten Jahren zum Drehkreuz des dschihadistischen Terrorismus geworden, so Toprak. Erdogans Vorwürfe gegen Schweden und Finnland seien daher absurd. „Die Beziehung des Westens mit der Türkei ist schon längst eine Beziehung zwischen Erpresser und seinem Opfer,“ sagt Toprak. (Erkan Pehlivan)

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