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Afghanistan

Nato-Abzug: Viele Staaten verweigern ihren lokalen Helfern Schutz

  • Ursula Rüssmann
    VonUrsula Rüssmann
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Der hastige Abzug der internationalen Truppen bringt ihre afghanischen Ortskräfte in Lebensgefahr, denn die Taliban sehen in ihnen „Verräter“. Viele werden ihrem Schicksal überlassen.

Die an der Nato-Mission in Afghanistan beteiligten Staaten stehen generell in der Kritik, den Schutz lokaler Helfer ihrer Truppen zu vernachlässigen. Einige Schlaglichter: Sara de Jong, Politologin an der New York University, kritisiert, die Afghanistan-Mission der Nato habe zwar „eine der größten Koalitionen der Geschichte“ bilden können – aber „es gelang ihnen nie, gemeinsam ein koordiniertes Neuansiedlungsprogramm zum Schutz der Mitarbeiter vor Ort aufzustellen, die für ihre Mitgliedsstaaten arbeiteten.“ Ehemalige Ortskräfte seien „vollständig der Politik des Nationalstaates ausgeliefert, in dem sie beschäftigt waren.“ Beschäftigte der französischen Armee etwa würden nach ihrer „Integrationsfähigkeit in Frankreich“ beurteilt – das könne etwa zur Ablehnung von Afghanen führen, die Frankreich für „zu muslimisch“ halte. Estland habe überhaupt kein Aufnahmeprogramm.

Auch Australien mauert

Nach Recherchen der US-Organisation „No one left behind“ sind seit 2014 in Afghanistan 300 Ortskräfte der US-Truppen oder deren Verwandte ermordet worden. Die Plattform „RealClearDefense“ geht von insgesamt 18 000 lokalen Helfern aus, die nach dem laufenden Abzug der US-Truppen in Lebensgefahr seien. Der US-Journalist George Packer prangerte kürzlich im „Atlantic“ an, die Visaverfahren für die Betroffenen seien derart „byzantinisch und undurchsichtig, dass selbst amerikanische Anwälte, die afghanische Mandanten vertreten, Schwierigkeiten haben, sich darin zurechtzufinden.“ Packer zitierte Jason Crow, US-Diplomat und Afghanistan-Veteran, der warnte: „Diese Personen werden Hauptziele sein und die Vergeltung wird schnell und bösartig sein, wenn wir nicht so handeln, wie es nötig ist. “

Die britische Regierung hat zum Jahreswechsel angekündigt, die Verfahrensregeln im Interesse gefährdeter Ortskräfte zu überarbeiten. Demnach werde allen, die Einschüchterung oder Lebensgefahr ausgesetzt sind, die vorrangige Aufnahme angeboten. Allerdings gilt dies nur für Betroffene, die nicht aus „disziplinarischen Gründen“ aus dem britischen Dienst entlassen worden sind. Das aber scheint nach Zahlen von de Jong häufig zu geschehen, teils aus dubiosen Gründen. Der „Guardian“ etwa berichtet, der Antrag eines jungen Dolmetschers und Vaters dreier Kinder durch Übersiedlung sei nur deshalb abgelehnt worden, weil er wegen Rauchens in seinem Zimmer gefeuert worden war. Erst im Januar war ein früherer lokaler Dolmetscher der britischen Armee in einem Hinterhalt erschossen worden. Die Taliban ließen verkünden, er sei gestorben „wie ein Hund“.

Im April wandten sich 41 afghanische Dolmetscher:innen in einem dringenden Appell an die australische Regierung und baten um humanitäre Visa. „Wir fordern die Regierung aufrichtig auf, unsere Visumanträge aufgrund der extremen Bedrohungen, denen wir ausgesetzt sind, zu beschleunigen“, schrieben sie. Laut „Guardian“ hatten sie die Visa aus Sicherheitsgründen teils schon vor Jahren beantragt, die Entscheidungen stehen immer noch aus. Ihre Angst: Wenn die Truppen erst abgezogen seien, hätten sie keine Chance mehr, das Land zu verlassen. Das Blatt zitiert einen Betroffenen: „Wir sind die Augen und Ohren der Australier. Jetzt werden wir hier als Feind gesehen.“

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