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Natalie Dedreux demonstriert für „Inklusion statt Selektion“.

Natalie Dedreux im Porträt

Natalie Dedreux - eine Vorkämpferin für Menschen mit Down-Syndrom

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Natalie Dedreux kämpft für Menschen mit Down-Syndrom - ein Porträt.

Es sind ihr Selbstbewusstsein und ihre Unerschrockenheit, mit denen Natalie Dedreux viele Menschen beeindruckt. Sie hat das Down-Syndrom und ist so etwas wie die Vorkämpferin für Menschen mit dieser Erkrankung in Deutschland. Und genau an diesem Punkt würde einem die 20-Jährige wohl schon ins Wort fallen: „Das Down-Syndrom ist keine Krankheit, sondern etwas Besonderes“, lautet ihre Botschaft.

Sie selbst nennt sich lieber Aktivistin als Vorkämpferin. Am Donnerstag hat Natalie Dedreux in Berlin von der Zuschauertribüne aus die Bundestagsdebatte zu der Frage verfolgt, ob Krankenkassen die Kosten für Trisomie-Bluttests bei Schwangeren übernehmen sollten. Für die Kölnerin ist das keine wirkliche Frage. In einem Interview sagte sie dem Deutschlandfunk: „Das soll es nicht geben, weil es sonst weniger Menschen mit Down-Syndrom auf der Welt gibt. Wir wollen nicht mehr abgetrieben werden. Wir sind supercool drauf.“

Bei dem Radiosender macht die junge Frau gerade ein Praktikum, denn ihr Traumberuf ist Journalistin. Schon heute schreibt sie für den „Ohrenkuss“, ein Magazin von und für Menschen mit Down-Syndrom.

Ihren ersten größeren Auftritt in der Öffentlichkeit hatte Dedreux im Herbst 2017, als sie in der ARD-Wahlkampfarena Angela Merkel eine Frage stellte: „Warum darf man Babys mit Down-Sydrom bis kurz vor der Geburt abtreiben?“, fragte sie. „Da musste die ja erst mal schlucken“, erinnert sich Dedreux. „Dann hat sie gesagt, dass das die Entscheidung der Mutter ist und sie das Kind zur Welt bringt oder nicht.“

Treffen mit Merkel

Die beiden Frauen trafen sich wenig später dann noch einmal: Merkel besuchte die Caritas in Köln, wo Dedreux in einer Werkstatt arbeitet. Und auch damals hatte sie eine Frage für die Regierungschefin parat: Wie viele Menschen mit Down-Syndrom denn in der Bundesregierung arbeiteten, wollte sie wissen. Die Antwort enttäuschte die Fragestellerin ein wenig: Dreizehn Prozent aller Behördenmitarbeiter hätten einen Behindertenausweis – mit Down-Syndrom sei aber niemand dabei.

Mittlerweile hat sich Dedreux einen Instragram-Account zugelegt. „Damit die Menschen auch sehen, wir sind ganz normal, damit die weniger Angst vor uns haben. Es ist doch cool auf der Welt zu sein mit Down-Syndrom.“ Ihre Betreuung übernimmt bisher ihre Mutter. Seit einiger Zeit hat Dedreux einen Freund, der ebenfalls das Down-Syndrom hat und mit dem sie ihrem Hobby Theaterspielen frönt. Ihr gemeinsamer Traum: in eine eigene Wohnung ziehen. „Mein Freund und ich wollen auch über manche Sachen alleine bestimmen und wollen nicht ständig kontrolliert werden.“

Dedreux ist sich ihrer Einschränkungen durchaus bewusst: „Ich kann zum Beispiel nicht alle Texte so direkt verstehen, wenn es eine schwere Sprache ist. Da brauche ich auch einen Übersetzer.“ Auch Sport ist für sie wegen eines Herzschrittmachers kaum möglich. Von den Einschränkungen lässt sie sich aber nicht bremsen. Nun hat sie eine Online-Petition gestartet, die sich gegen kostenlose Trisomie-Tests durch die Krankenkasse wendet. „Ich will ein Vorbild sein und zeigen, was Menschen mit Down-Syndrom alles leisten können.“

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