Kolonialkrieg

Namibia besteht auf Reparationen

Neue Runde von Verhandlungen mit Deutschland.

Am Ende ging es um Worte und um deren Gewicht, das politische jetzt und das historische für die Ewigkeit. Es ging also um einiges bei den Verhandlungen zwischen deutschen und namibischen Diplomaten über Wiedergutmachung für die Gräuel des Kolonialkrieges der kaiserlichen „Schutztruppe“ an den widerständigen Volksgruppen der Herero und Nama zwischen 1904 und 1908 in der Kolonie „Deutsch-Südwestafrika“, dem heutigen Namibia.

Jahrzehntelang hatten antikolonialistische Initiativen in beiden Ländern Überzeugungsarbeit geleistet, damit schließlich 2015 die Bundesrepublik den historischen Ausgleich offiziell zu ihrer Politik erklärte. Nach fast fünf Jahren wollten die Deutschen nun einmalige Zahlung von zehn Millionen Euro für das vor mehr als einem Jahrhundert geschehene Unrecht leisten und eine vorbehaltlose Entschuldigung aussprechen. Immerhin hatten die mehrfach geschlagenen Kolonialtruppen unter ihrem Kommandeur Generalleutnant Lothar von Trotha schließlich die Herero und Nama in Lager gepfercht oder in die Wüste zum Verdursten getrieben. Etwa 65 000 der 80 000 Herero und mindestens 10 000 der 20 000 Nama kamen ums Leben Von Trotha selbst lobte damals seine Art der Kriegsführung als „Gewalt mit krassem Terrorismus“ und wollte mittels „Strömen von Blut“ etwas „Neues entstehen“ lassen. Historiker bezeichnen die deutschen Gräueltaten als „ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts. Wohlgemerkt: Die Deutschen versuchten sich bereits im 19. Jahrhundert bei den Wahehe im heutigen Tansania („Deutsch-Ostafrika“) an einem Völkermord.

Die Bundesrepublik nun wollte ihre Versöhnungspolitik unter dem Titel „Wunden heilen“ firmieren lassen. Die Namibier aber wollen in den Vereinbarungen das Wort „Reparationen“ sehen. Das Wort versteht man als „Kriegsentschädigung“ und wird üblicherweise vom Unterlegenen an den Sieger für dessen kriegerische Aufwendungen gezahlt. Offenbar wollte die deutsche Verhandlungsseite sich nicht als die unterlegene sehen.

Das sei „nicht akzeptabel“ befand am Dienstagabend die Regierung von Präsident Hage Geingob. Er hat allerdings seinen Verhandlungsführer Zed Ngavirue schon beauftragt, über ein neues Angebot zu verhandeln und versprach den Namibiern via Facebook: „Wir bleiben beim Abschluss dieser Schlüsselmission konsequent.“ (rut/dpa/epd)

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