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Dieses Gebäude in Beit Lahia zerstörte ein israelischer Luftangriff am Donnerstagmorgen.
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Dieses Gebäude in Beit Lahia zerstörte ein israelischer Luftangriff.

Israel und Hamas

Nahost-Konflikt: Eine Waffenruhe ist noch fern

  • Inge Günther
    vonInge Günther
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Die palästinensische Hamas hat ihr Kriegsziel bereits erreicht, doch Israel hat es nicht eilig, die Kampfhandlungen im Nahost-Konflikt zu beenden. Deshalb wird es bis zu einer Feuerpause noch dauern. Eine Analyse.

Gaza – Die Rufe nach einem Waffenstillstand werden international lauter. Zumal die katastrophale humanitäre Lage in Gaza, wo ein erbarmungsloser Krieg zwischen Israel und der Hamas auf dem Rücken der palästinensischen Zivilbevölkerung ausgetragen wird, geradezu danach schreit. Der abgeriegelte Küstenstreifen ist übersät mit Bombenkratern. Die Treibstoffreserven sind restlos verbraucht, Strom- und Wasserversorgung drohen zusammenzubrechen. Und die Zahl der palästinensischen Toten nähert sich der Marke 200.

Auch in Israel sind viele wegen des Dauerbeschusses aus Gaza nervlich am Limit. In den Grenzgemeinden im Negev sowie in der Hafenstadt Aschkelon wagt sich kaum noch jemand aus den Schutzräumen, so oft wie Raketenalarm auf den Handys aufleuchtet. Doch gerade unter ihnen, die seit Jahren immer wieder Angriffen aus Gaza ausgesetzt sind, ist der Durchhaltewille enorm. „Hauptsache, die Armee zerschlägt die Hamas“, heißt es dort fast unisono.

Nahost-Konflikt: Israel nimmt Führungspersonal der Radikal-Islamisten ins Visier

Umso weniger pressiert es der Regierung Netanjahu, die Kampfhandlungen zu beenden. „Wir machen weiter mit voller Kraft: Kein Terrorist ist immun“, hat Israels Premier verkündet. Ins Visier nimmt die Armee dabei verstärkt das Führungspersonal der Radikal-Islamisten. Die Wohnhäuser von neun Kommandanten wurden am Montag gezielt bombardiert und ein langjähriger Dschihad-Kommandant getötet. Systematisch attackierte die Luftwaffe zudem mit mehr als 50 Kampfjets in der Nacht zum dritten Mal das unterirdische Tunnelsystem im Norden Gazas, im israelischen Militärjargon „die Metro der Hamas“.

Die palästinensischen Militanten sollen sich nirgends sicher wähnen. Nur, von ihrem Raketenarsenal, geschätzt auf 15.000 bis 20.000 Stück, haben sie allenfalls ein Fünftel verschossen. Die Operation „Mauerwächter“, Codename der israelischen Gegenoffensive, werde andauern, hat Verteidigungsminister Benny Gantz betont, bis die Hamas „ihre Entscheidung bedauert“, überhaupt Raketen lanciert zu haben.

Hamas scheint an Waffenruhe im Nahost-Konflikt interessiert

Doch auch Israel, das bislang aus USA und Europa volle Rückendeckung für sein Recht auf Selbstverteidigung erhielt, spürt wachsenden diplomatischen Druck. Der Versuch, im UN-Sicherheitsrat einen einstimmigen Appell zur Deeskalation zu verabschieden, ist zwar zunächst am US-Einspruch gescheitert. Aber der Ton hat sich auch im Weißen Haus geändert. Die Menschen in Palästina und Israel verdienten gleichermaßen, in Sicherheit zu leben und Freiheit, Wohlergehen und Demokratie zu genießen, so Präsident Joe Biden. Man arbeite auf eine „haltbare Lageberuhigung“ hin. Der damit beauftragte US-Sondergesandte Hady Amr – nicht der höchste Außenamtsexperte, aber mit den Fallstricken des Nahostkonflikts vertraut – sondiert seit Tagen in Jerusalem und Ramallah die Chancen.

Einbezogen sind Jordanien und Ägypten, das mit seinen direkten Kanälen zur Hamas eine zentrale Vermittlerrolle spielen dürfte. Der jordanische König Abdullah wiederum ist als offizieller Hüter der heiligen muslimischen Stätten in Jerusalem – dem Ausgangspunkt der Eskalation – unverzichtbar. Anders als Israel scheint die Hamas an baldiger Waffenruhe interessiert, nicht nur wegen ihrer Verluste. Sie hat ihr Ziel erreicht, dank vorgeführter Schlagkraft „zur Verteidigung der Al Aksa-Moschee“ es zu ungeahnter Popularität unter den Palästinenser:innen in Ost-Jerusalem, dem Westjordanland und ebenso im Exil gebracht zu haben.

israelischer Verzicht auf die Räumungspläne in Ost-Jerusalem könnte Konflikt entschärfen

Bevor die Waffen schweigen, muss eine Formel gefunden werden, die die Hamas nicht weiter aufwertet, aber trotzdem den Konflikt entschärft. Ein israelischer Verzicht auf die Räumungspläne im Ost-Jerusalemer Viertel Scheich Dscharrah könnte dazu beitragen, ebenso die Herausgabe sterblicher Überreste zweier Soldaten, die seit dem Gaza-Krieg 2014 von den Islamisten festgehalten werden. So oder so, am Ende werden sich beide Seiten vermutlich auch diesmal als Sieger ausrufen – trotz allem Leid, das sie angerichtet haben. (Inge Günther)

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