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Nahost-Konflikt

Nahost: Zerreißprobe für Israels inneren Frieden

  • Inge Günther
    VonInge Günther
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Ein groß angelegter Ausstand soll Solidarität mit den Menschen im Gazastreifen und im Osten Jerusalems ausdrücken – und findet viel Zuspruch.

Israel - Es gibt vieles, was sie trennt. Arabische Israelis genießen zumindest formell volle Bürgerrechte – im Unterschied zu den Menschen im arabischen Ost-Jerusalem, die nur von Israel geduldet sind. Und erst recht zu jenen Palästinenser:innen im Westjordanland, die unter Besatzung leben.

Doch ihr vom Nahostkonflikt geprägtes Narrativ ist das Gleiche. Angesichts des Gazakriegs ist das Bewusstsein dafür gewachsen und mit ihm eine Wut, die verbindet. Ausgangspunkt für einen über die sozialen Medien ausgerufenen Generalstreik am Dienstag, den sowohl die Dachorganisation der arabischen Minderheit in Israel als auch die Fatah-Führung in Ramallah neben zahlreichen Gruppen der Zivilgesellschaft unterstützten.

Menschenleer sind die Gassen und Straßen am Dienstag auch in Nablus im Westjordanland. JAshtiyeh/afp

Nahost-Konflikt: „Genug mit der Aggression in Gaza, genug mit dem Siedlungsbau“

Der Zuspruch jedenfalls war groß. Nicht nur rund um das Jerusalemer Damaskustor, auch in Haifa, Jaffa und in der Westbank blieben die Rollos vor zahlreichen Läden unten. „Wir sehen zum ersten Mal, dass sich beinahe jeder an diesem Streik beteiligt“, sagte Mitorganisator Castro Othman aus dem arabischen Tamra im Norden Israels. „Unsere Botschaft lautet, es reicht uns“, so sein Mitstreiter Essam Bakr. „Genug mit der Aggression in Gaza, genug mit den Übergriffen auf die Al-Aksa-Moschee, genug mit dem Siedlungsbau und genug mit der ungerechten Behandlung von Palästinensern.“

Nicht überall blieben die Proteste gewaltfrei. Im Westjordanland, wo der Streik als „Tag des Zorns“ erklärt worden war, zogen Demonstrierende zu den Militärcheckpoints nahe Bethlehem, Nablus und Ramallah, um sich mit israelischen Soldaten anzulegen. In den arabisch-israelischen Städten verliefen die meisten Kundgebungen zunächst ruhig, im Vergleich zu den bürgerkriegsähnlichen Szenen, die sich dort seit Beginn der Eskalation vor neun Tagen abgespielt haben.

Nahost-Konflikt: Zerreißprobe für Israels inneren Frieden

Doch die Krawallnächte, in denen aufgebrachte arabische Mengen geparkte Autos, Geschäfte und Synagogen in Brand setzten und angriffslustige jüdische Siedlertrupps aufmarschierten, haben den inneren Frieden vor eine Zerreißprobe gestellt. In Lod und Ramle, beide nahe dem Ben-Gurion-Flughafen gelegen, bezahlten zwei Menschen den Aufruhr mit ihrem Leben.

Der eine war ein Araber mit israelischem Pass, der bereits am ersten Abend der Unruhen von einem jüdischen Nachbarn erschossen worden war, angeblich aus Notwehr. Der andere war ein Jude, der daraufhin auf seiner Heimfahrt in den Steinhagel einer wütenden aufgebrachten arabischen Menge geraten war und von einem Brocken am Kopf schwer verletzt worden war. Der 56-Jährige erlag am Montag im Krankenhaus seinen Kopfverletzungen. Seine Familie beschrieb ihn als „Ikone der Koexistenz“, der nie einen Unterschied zwischen seinen arabischen und jüdischen Freunden gemacht habe.

Nahost-Konflikt: Keine Spur mehr von palästinensischer „Apathie“

Die Mehrheit der Bewohner:innen dort hofft zwar auf eine Rückkehr zu einem friedlichen Miteinander. Doch Israel könne nicht mehr auf die „Apathie“ der palästinensischen Öffentlichkeit setzen, glaubt der „Haaretz“-Kommentator Jack Khoury. „Ihre nationalen Bande sind noch lebendig“ – und das offenbar in allen Teilen des ehemaligen Palästinas. (Inge Günther)

Rubriklistenbild: © AFP

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