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Nur ein Beispiel: Der Schützenpanzer Puma von der deutschen Rüstungsfirma Rheinmetall ist bereits bei Auslieferung meistens nicht einsatzbereit.

Bundeswehr

Nagelneue Panzer größtenteils nicht einsatzbereit

Pfusch der Waffenindustrie: Die Bundeswehr gibt Milliarden-Summen für Panzer, Kampfjets oder Hubschrauber aus. Doch selbst nagelneue Anschaffungen sind nicht einsatzbereit.

Die Bundeswehr investiert Unmengen Geld in modernste Panzer, Kampfjets und Hubschrauber – aber davon ist nur eine Bruchteil auch tatsächlich einsatzbereit. Beispiel: Von den 97 im Jahr 2017 an die Truppe ausgelieferten Großgeräten können nach einer Aufstellung des Verteidigungsministeriums derzeit nur 38 genutzt werden. Das entspricht einer Quote von 39 Prozent. Ziel der Bundeswehr ist es eigentlich, 70 Prozent ihrer Waffensysteme für den Einsatz ständig bereit zu halten.

Vor allem das Transportflugzeug A400M und der Schützenpanzer Puma machen ernsthaft Sorgen. Von den 71 im vergangenen Jahr ausgelieferten Puma-Panzern sind 27 einsatzbereit, von den acht A400M die Hälfte. Die Qualität der teuren Waffensystem bei der Auslieferung sei „steigerungsfähig“, sagte der Parlamentarische Staatssekretärs Peter Tauber auf eine Anfrage des Linken-Abgeordneten Matthias Höhn. 

Alte Geräte oft in besserem Zustand  

Auch bei den neuen Hubschraubern sieht es düster aus: Von sieben „Tiger“-Kampfhubschraubern aus dem Jahr 2017 sind zwei einsatzbereit, von sieben „NH90“-Transporthubschraubern sind es vier. Dass von den vier neuen „Eurofighter“-Kampfjets derzeit nur einer genutzt werden kann, führt das Ministerium auf die Nachrüstung mit neuen Hauptrechnern zurück. „Eine Freigabe zur Nutzung dieser drei Eurofighter wird zeitnah erwartet“, so Tauber.

Die Einsatzbereitschaft bei den brandneuen Geräten liegt damit sogar noch deutlich unter dem Durchschnitt aller gut 5000 Exemplare der 53 Hauptwaffensysteme, die der Bundeswehr zur Verfügung stehen. Aus dem letzten Prüfbericht vom Februar 2018 geht hervor, dass davon insgesamt deutlich mehr als die Hälfte eingesetzt werden können. 

Milliardenteurer Pfusch der Waffenindustrie

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat sich eine deutliche Verbesserung der Einsatzbereitschaft des Bundeswehr-Materials zum Ziel gesetzt. Nach Ansicht des Linken-Politikers Höhn wird die CDU-Politikerin ihren eigenen Ansprüchen aber nicht gerecht. „Brandneues militärisches Gerät direkt aus den Produktionshallen der Rüstungsindustrie funktioniert auch nicht“, sagt er. „Es ist nicht hinnehmbar, wenn der Industrie Material abgenommen und dafür bezahlt wird, dieses aber nicht funktioniert.“

Was geliefert werde, müsse auch zu 100 Prozent einsatzfähig sein. „Es ist ein Skandal, wenn Frau von der Leyen diesen milliardenteuren Pfusch der Rüstungsindustrie auf Kosten der Steuerzahler zulässt.“ (FR / dpa) 

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