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Ai Weiwei "Untitled": Das Material der Installation stammt von einem Schulgebäude in China, das bei einem Erdbeben zerstört wurde.
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Ai Weiwei "Untitled": Das Material der Installation stammt von einem Schulgebäude in China, das bei einem Erdbeben zerstört wurde.

Ausstellung Art and Press

Hau den Nagel durch die Schlagzeile

Was macht Kunst mit der Zeitung? Die Ausstellung „Art and Press“ zeigt es ziemlich pompös im Berliner Martin-Gropius-Bau. Von Andy Warhol und Joseph Beuys bis hin zu Gerhard Richter und Sigmar Polke - sie alle beschäftigte das Thema Zeitung.

Von Sebastian Preuss

Joseph Beuys wusste, er brauchte die Presse, um mit seinen Aktionen die breite Öffentlichkeit zu erreichen, auf die er zielte. Er sprach in jedes Mikrofon, dass sich ihm bot, und als ihm die Frankfurter Rundschau im Dezember 1978 eine ganze Seite zur Gestaltung anbot, griff er sofort zu und füllte sie mit einem emphatischen „Aufruf einer Alternative“. Beuys – mit ihm beginnt die Ausstellung „Art and Press“ im Gropius-Bau – bemalte, bezeichnete und beschrieb auch Zeitungsblätter, so brachte er Inhalt und Materialität des bedruckten Papiers zu einer neuen Synthese.

Andy Warhol war dagegen fasziniert von der Macht des einzelnen Zeitungsfotos. Er isolierte Bilder von Straßenkämpfen oder tödlichen Autounfällen; als eingefärbte Siebdrucke auf der großen Leinwand erhalten sie eine neue Aura und kondensieren, wie die Höllenbilder des Mittelalters, die Schrecken und Ängste einer Epoche. So geht es weiter mit den Klassikern der Nachkriegskunstgeschichte.

Robert Rauschenberg nutzte Zeitungsausschnitte für seine Collagen, Günther Uecker durchnagelte einen Gazettenstoß – „Bestialität und Humanität“ kann man gerade noch von der Schlagzeile lesen. Yves Klein gestaltete gleich eine eigene Zeitung, die er um sein berühmt gewordenes Foto von ihm selbst im freien Sprung komponierte.

Natürlich erscheinen die deutschen Größen Richter, Polke, Lüpertz und Baselitz, aber auch Julian Schnabel und Damien Hirst, Gilbert & George und Christian Boltanski, Richard Prince und Robert Longo: Es ist beeindruckend zu sehen, wie viele Künstler sich in irgendeiner Weise mit Zeitung beschäftigt haben. Sei es mit kloßartigen Skulpuren aus Zeitungsbrei wie Franz West oder Anselm Kiefer mit einer peinlich raunenden und lichtsaalfüllenden Installation aus alten Druckmaschinen, Sonnenblumen und anderem Geschichtsmüll.

Kunst und Zeitung, besser gesagt: die Kunst in die Zeitung zu bringen, das versuchen wir hier im Feuilleton täglich. Was die Zeitung hingegen in der Kunst macht, darüber denkt der Kritiker, das sei selbstkritisch eingestanden, viel zu wenig, ja eigentlich kaum einmal nach. Da muss erst ein ehemaliger Journalist kommen, der eine erstaunliche Karriere als Kultureventmanager, Geldauftreiber und Prominentennetzwerker aufgebaut hat, und uns vorführen: Warum seid Ihr so blind? Die Zeitung war doch über viele Jahrzehnte das wichtigste Massenmedium der Moderne und und zahllose Künstler haben mit ihr in irgendeiner Weise gearbeitet.

Es stimmt, und Walter Smerling beweist es mit einer Überdosis an Material. Smerling weiß, wen er um sich scharen muss, um an spektakuläre Leihgaben und Künstlerkontakte zu kommen. In diesem Fall half ihm ein Beirat aus pensionierten Museumsdirektoren – Götz Adriani, Siegfried Gohr, Dieter Ronte, Norman Rosenthal –, dem Händler Heiner Bastian und dem altgedienten FR-Kritiker Peter Iden.

Hinzu kommen FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher als Katalogautor, der RWE-Konzern als Geldgeber und die Bild-Zeitung, die ihren 11 Millionen Lesern 28 Tage lang jeweils auf einer ganzen Seite die Künstler der Ausstellung nahebringen will. Kein Wunder, dass bei diesem Machtgeflecht der Bundeskulturminister zur Eröffnung sprach. Die Kanzlerin blieb diesmal fern. Sicherlich ist ihr noch Smerlings letzte Berliner Großausstellung „60 Jahre. 60 Werke“ von 2009 in unguter Erinnerung.

Die Schau zum BRD-Jubiläum verbannte mit Kalter-Kriegsmentalität einfach die ostdeutsche Entwicklung und erntete damit schon vor Beginn wütenden Protest. Soviel Sprengkraft hat „Art and Press“ nicht. Die Arbeiten der 56 Künstler stimmen eher nostalgisch, denn ihre Rolle als das Massenmedium schlechthin, weswegen es die Künstler so inbrünstig aufgreifen, wird der Zeitung gerade vom Internet weggenommen.

Kein Wunder, dass kaum junge Künstler dabei sind. Sie arbeiten sich nicht mehr am gedruckten Medium ab.

Martin-Gropius-Bau, Niederkirchnerstraße 7. Bis 24. Juni, Täglich 10–19 Uhr. Der Katalog kostet 29,90 Euro.

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