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Gegen 23 Uhr versammelten sich immer mehr Personen rund im Bereich der Rigaer Straße. Viele Maskierten sich, brachten Gegenstände auf die Fahrbahn und zündeten sie an.

Krawalle in Friedrichshain und Neukölln

Nächtlicher Straßenkampf

Schwere Krawalle hat es am Sonnabend sowie in der Nacht zu Sonntag in Friedrichshain und Neukölln gegeben. Mehrere hundert Menschen, die der linksextremen Szene zugerechnet werden, randalierten. Die Polizei nahm mehr als 70 Menschen fest, knapp 50 Beamte wurden verletzt. Innensenator Henkel zeigt sich entsetzt.

Von Katrin Bischoff und Andreas Kopietz

Schwere Krawalle hat es am Sonnabend sowie in der Nacht zu Sonntag in Friedrichshain und Neukölln gegeben. Mehrere hundert Menschen, die der linksextremen Szene zugerechnet werden, randalierten. Die Polizei nahm mehr als 70 Menschen fest, knapp 50 Beamte wurden verletzt. Innensenator Henkel zeigt sich entsetzt.

Vor dem Haus Liebigstraße 14 in Friedrichshain parkt ein VW. "Bullen kaputt!" hat jemand in den Schnee auf der Windschutzscheibe geschrieben. Die Scheiben der benachbarten Autos tragen das Anarchie-Zeichen. Ein paar hundert Meter weiter an einem Supermarkt, steht ein ausgebrannter Transporter. Auf der Straße liegen Steine und zerschellte Flaschen. Es sind die Reste einer der schwersten Ausschreitungen in Berlin, seit vor fast einem Jahr das Wohnprojekt "Liebig 14" geräumt wurde. Die Krawalle fanden in der Nacht zu Sonntag statt - und zuvor auch schon in Neukölln. 73 Festnahmen und 48 verletzte Polizisten sind die Bilanz.

Gegen 0.30 Uhr waren Unbekannte in den Hof des am 2. Februar 2011 geräumten Hauses in der Liebigstraße eingedrungen. Dort warfen sie Scheiben ein und sprühten Farbe. Als die Polizei kam, wurde sie nach eigener Darstellung mit Steinen und Laserpointern attackiert. Von da an lieferten sich "Liebig 14"-Sympathisanten und Polizisten bis zum Morgen ein Katz-und Maus-Spiel. Dabei gingen unter anderem die Fenster von mehreren Banken zu Bruch. Autos wurden angezündet, Mülltonnen brannten.

Viele Randalierer zogen sich in ein Haus in der Rigaer Straße 94 zurück, in dem ebenfalls ein linkes Wohnprojekt und ein Lokal sind. Deshalb drangen die Polizisten in das Haus ein, wobei sie nach eigenen Angaben aus Feuerlöschern besprüht und mit Bauschutt beworfen wurden. Beim Versuch, mit einer Leiter in das Treppenhaus zu gelangen, seien die Beamten mit Fensterglas und Farbeimern beworfen worden, teilte die Polizei mit. Einer der Beamten sei mit einer Eisenstange angegriffen worden, als er für kurze Zeit das Visier an seinem Helm hochschob, das mit Löschschaum zugedeckt war. "Nur dank seiner schnellen Reaktion konnte er dem auf seinen Kopf gerichteten Schlag ausweichen", sagte ein Polizeisprecher. "Deshalb wurde ein Ermittlungsverfahren wegen versuchten Totschlags eingeleitet."

Linke Szene mobilisiert

Anlass der Krawalle dürften neben dem Jahrestag der "Liebig 14"-Räumung auch eine Militärtagung in der nächsten Woche und der europäische Polizeikongress Mitte Februar in Berlin sein. Gegen diesen wird bereits seit Monaten in der linken Szene mobilisiert. Aus diesem Grund hatte sich bereits am Samstagnachmittag in Neukölln eine Demo mit rund tausend Teilnehmern formiert, aus der Flaschen, Böller und Steine auf Polizisten flogen. In der Weserstraße wurde der Verbindungsbeamte der Polizei, der ohne Helm und Schutzausrüstung den Kontakt zwischen dem Versammlungsleiter und dem Chef des Polizeieinsatzes halten soll, mit einem Tritt in den Rücken und verletzt. Auch Verkehrspolizisten wurden angegriffen. Über all die gezielten Angriffe auf Polizisten zeigte sich Innensenator Frank Henkel (CDU) entsetzt: "Wir haben gesehen, dass die Gewaltbereitschaft der linksextremen Szene unverändert hoch ist." Nach der Demo wurden mehrere Schaufenster eingeworfen und die Auslagen geplündert. Die Polizei nahm 35 Personen fest. Viele Teilnehmer zogen dann nach Friedrichshain.

Auch am Sonntagabend gab es in Friedrichshain wieder eine Demonstration.

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