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Geschlossene Ferienanlage auf Korfu: Griechenland hofft, dass im Laufe des Sommers doch noch einige Touristen kommen.

Östliches Mittelmeer

Die nächste Krise

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Griechenland, die Türkei und Zypern werden von der Corona-Pandemie ökonomisch besonders hart getroffen.

Leere Strände, geschlossene Hotels, unzählige Stornierungen – im östlichen Mittelmeerraum ist der Tourismus wegen der Corona-Krise zum Erliegen gekommen. Dabei ist der Fremdenverkehr für Griechenland, die Türkei und Zypern ein lebenswichtiger Wirtschaftszweig. Milliardenverluste und verheerende Pleitewellen drohen.

Zurzeit ist es für Feriengäste aus der EU praktisch unmöglich, in die drei Länder einzureisen, da sie sich fast vollständig abgeschottet haben. Griechenland und die Türkei haben ihre Landgrenzen für Touristen geschlossen, der internationale Flugverkehr ist weitgehend unterbrochen. Auf dem zwischen griechischen und türkischen Bevölkerungsgruppen geteilten Zypern fiel die Sperre wegen der Insellage naturgemäß am leichtesten.

Harte Kontaktbeschränkungen auf Zypern

Da Kreuzfahrtschiffe nicht mehr anlegen dürfen, ist Zypern derzeit nur per Flugzeug erreichbar, doch finden nur Rückholflüge für Auslandszyprioten statt. Weil beide Insel-Teile sehr früh harte Kontaktbeschränkungen einführten, gelang es ihnen, die Neuinfektionen inzwischen gegen Null zu drücken.

Anders stellt sich die Lage in der Türkei und Griechenland dar. Wie Nikosia, aber anders als Ankara begegnete Athen der Krise zwar früh mit Ausgangseinschränkungen, doch stehen beide Staaten im Verdacht, trotz eines positiven Trends weiter sinkender Infiziertenzahlen das wahre Ausmaß der Corona-Erkrankten und -Toten herunterzuspielen.

In allen drei Ländern wird keine Wirtschaftsbranche von Corona so hart getroffen wie der Tourismus. Jannis Retsos, Leiter des griechischen Tourismusverbandes Sete, bezeichnete 2020 bereits als nahezu „verlorenes Jahr“. Griechenland leidet am meisten. Dort erwirtschaftet die Tourismusindustrie mehr als ein Fünftel des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und beschäftigt etwa ein Viertel aller Arbeitnehmer. Einen dramatischen Einbruch des Fremdenverkehrs erwarten aber auch Zypern und die Türkei, in denen die Branche für rund 15 bzw. zwölf Prozent des BIP verantwortlich zeichnet.

Griechenland diskutiert über Lockerungen

In den drei Ländern läuft eine intensive Debatte darüber, ob und wann die Reisebeschränkungen aufgehoben werden könnten. Vorreiter ist Griechenland, dessen Regierungschef Kyriakos Mitsotakis eine schrittweise Öffnung der Hotels für Feriengäste ab Juni ankündigte. Da aber eine reguläre Wiederaufnahme des Flug- und Fährtransports auf die Ägäisinseln ebenso wie ein Neustart des innereuropäischen Flugverkehrs noch in den Sternen steht, dürfte der Tourismus höchstens auf dem griechischen Festland wieder anlaufen.

Wie griechische Teilnehmer bei einem von der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) in Nikosia veranstalteten Online-Journalistenseminar vergangene Woche darlegten, rechnen griechische Touristiker in diesem Jahr nicht mehr mit nordeuropäischen Feriengästen in nennenswertem Umfang, sondern hoffen vor allem auf Besucher vom Balkan, woher traditionell rund ein Drittel der mehr als 30 Millionen jährlichen Griechenland-Urlauber anreisen.

Einschränkungen in der Türkei bis Ende Mai

In der Türkei sollen die Einschränkungen für die meisten Hotels, Restaurants und Cafés vorerst noch bis Ende Mai gelten. Präsident Recep Tayyip Erdogan hat am Dienstag einen baldigen Fahrplan für die Rückkehr zur Normalität angekündigt. Laut Tourismusminister Mehmet Nuri Ersoy will das Land im Juni mit einer schrittweisen Öffnung der Urlaubsorte beginnen, dann sollen auch die Maschinen der halbstaatlichen Fluggesellschaft Turkish Airlines zunächst im Inlandsverkehr wieder abheben. Wann Auslandsflüge wieder möglich werden, ist unklar.

Wie Ersoy mitteilte, arbeitet die Regierung an einem „international anerkannten Zertifizierungssystem“, um ab Ende Mai türkische Tourismusdestinationen als „coronavirusfreie Zonen unter bestimmten Systemvoraussetzungen“ zu deklarieren. Wie in Zypern und Griechenland müssten Touristen zum Zeitpunkt der Einreise Gesundheitsdokumente vorlegen.

Die (griechische) Republik Zypern will das öffentliche Leben ab Montag schrittweise wieder hochfahren und eine limitierte Rückkehr internationaler Touristen ab Mitte Juli erlauben. Mehr noch als in den Nachbarländern hängt ein Neustart aber an der Wiederaufnahme des internationalen Flugverkehrs.

Zwar sei mit Gästen aus den wichtigsten Herkunftsländern Großbritannien und Russland frühestens im Herbst zu rechnen, sagte der zyprische Vize-Tourismusminister Savvas Perdios, doch gebe es „positive Signale aus Ländern, die das Virus unter Kontrolle gebracht haben“, darunter Deutschland. Die Regierung habe Hoffnung, „wenigstens einen Teil der Saison zu retten“.

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