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Robert Mugabe (hier 2017) war ein Herrscher mit Janus-Gesicht.

Simbabwe

Tod von Robert Mugabe - Wie ein Fluch ohne Erlösung

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Nach dem Tod von Robert Mugabe setzt sich dessen verheerender Einfluss auf Simbabwe fort.

Auf diesen Augenblick hat Simbabwes Opposition lange gewartet. Er galt als „biologische Lösung“, als letzte Hoffnung, weil sich eine „politische Lösung“, der Abtritt Robert Mugabes, partout nicht einstellen wollte. Nun ist die biologische Lösung Wirklichkeit geworden: Der 95-jährige Schwerenöter ist in einem Krankenhaus in Singapur gestorben, in dem er vier Monate lang behandelt worden war. In Simbabwe wird die Erlösung von dem Übel, das der einst weltweit verehrte Befreiungskämpfer über seine Heimat brachte, trotzdem nur verhalten gefeiert: Längst befindet sich das Land im Griff eines neuen Autokraten, der sein Handwerk von seinem einstigen Mentor gelernt hat. So setzt sich Mugabes verheerender Einfluss auf den von ihm gegründeten Staat auch posthum fort – wie ein Fluch, dessen sich die Simbabwer nicht entledigen können.

Dabei hatte es so segensreich begonnen. Als Robert Mugabe nach einem erfolgreichen Guerillakampf und seinem Wahlsieg am 4. März 1980 als erster Regierungschef des unabhängig gewordenen Landes eingesetzt wurde, fand der Befreiungsführer erstaunlich milde Töne: Er rief die weißen rhodesischen Farmer zum Bleiben im neuen Simbabwe auf und ließ deren Ex-Präsidenten Ian Smith als Senator weiter amtieren. 16 Jahre zuvor hatte Smith den Befreiungskämpfer ohne Gerichtsverfahren zehn Jahre lang im Straflager halten lassen, weil dieser die weißen Herrscher als „Cowboys“ tituliert hatte. Gerüchten zufolge wurde Mugabe in der Haft vergewaltigt – womöglich der Grund für seine spätere militante Homophobie.

Zu Mugabes Verhärtung trugen seine Haftjahre womöglich auch in anderer Hinsicht bei. Im Lager eignete er sich zusätzlich zu seinem Uni-Diplom als Lehrer noch sechs weitere an. Er habe auch „ein Diplom in Gewalt“ erworben, würde er sich später rühmen. Endlich freigelassen, begab er sich umgehend in den Busch des Nachbarlandes Mosambik, um als Präsident der „Simbabwischen Afrikanischen Nationalen Union“ (Zanu) den Guerillakrieg gegen die weißen Herrscher Rhodesiens zu führen. Der Triumph stellte sich nicht nur im Busch, sondern letztendlich am Verhandlungstisch in London ein. Dort erwies sich Mugabe als gewieftester Agent der Interessen seines Volks: Er selbst warf der britischen Ex-Kolonialmacht später vor, ihren Teil der Verpflichtungen in Sachen Landerstattung niemals eingehalten zu haben.

Mugabes Janus-Gesicht stellte sich während seiner fast 40-jährigen Herrschaft immer deutlicher heraus. Zunächst legte er großen Wert auf das soziale Wohl und die Bildung der Bevölkerung. Doch gleichzeitig räumte der Regierungschef gnadenlos mit der ethnisch und ideologisch abweichenden Simbabwischen Afrikanischen Volks-Union (Zapu) auf. Seine von Nordkoreanern ausgebildete Fünfte Brigade verübte Mitte der 80er Jahre zig Massaker an der Ndebele-Minderheit, mehr als 20 000 Menschen wurden umgebracht. Die Welt nahm davon keine Notiz: Sie wollte das Bild des versöhnenden Befreiungsführers nicht verderben.

Wahlfälschungen in Reihe

Daran ließ sich erst dann nicht mehr festhalten, als Mugabe eine neue, politisch motivierte Opposition erwuchs: Gewerkschafter, Menschenrechtler und weiße Farmer, die dem ständigen Machtzuwachs des Präsidenten entgegenzutreten versuchten. Mugaber hetzte seine Schergen auf die Kritiker: Er ließ sie schlagen, nahm ihnen das Land weg und fälschte eine Wahl nach der anderen. Das Land versank in einer Wirtschaftskatastrophe, von der es sich nie mehr erholte.

Als sich die Frage nach seiner Nachfolge nicht mehr länger unterdrücken ließ, machte Mugabe den entscheidenden Fehler seines Lebens: Er unterstützte seine 41 Jahre jüngere, machtgierige Ehefrau Grace. Damit stieß er seinen einstigen Zögling, Emmerson Mnangagwa, vor den Kopf. Das „Krokodil“ wusste, dass Mugabe von seiner Schwäche für Grace geblendet war: Mit Hilfe des Militärs putschte sich Mnangagwa vor knapp zwei Jahren an die Macht und verbannte Mugabe aufs Altenteil.

Schon damals ahnten die Simbabwer, dass ihr Jubel nur vorübergehend sein könnte: Tatsächlich erwies sich der Lehrling als bloßes Abbild seines einstigen Meisters. Auch das „Krokodil“ ist auf die Unterstützung der Militärs und der korrupten Parteiführung angewiesen. Auch von ihm ist eine Befreiung des gehijackten Staats nicht zu erwarten. Mit seinen 76 Jahren scheint Mnangagwa von einer „natürlichen Lösung“ weit entfernt zu sein. Ohne politische Lösung wird sich für die Simbabwer nichts ändern.

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