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Putin verliert angeblich die Kontrolle in Russland

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Von: Nadja Austel

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Aus Russland meldet sich nicht mehr nur Wladimir Putin mit Erklärungen an den Westen. Nun werden Vermutungen über einen politischen Machtkampf im Hintergrund laut.

Moskau – Timothy Snyder, Geschichtsprofessor an der Yale University, äußerte sich am Samstag (23. Juli) öffentlich zum Ukraine-Krieg und zum russischen Präsidenten Wladimir Putin. Er schrieb in seinem ausführlichen Twitter-Thread, dass Putins Herrschaft in Russland „schwächer wird“ und stellte fest, dass Vorbereitungen für einen Machtkampf um seine Nachfolge im Gange sind.

Ein Zeichen dafür, dass Putin „die Kontrolle verliert“, sei, dass einige ehemalige russische Beamte wie Dmitri Medwedew den Westen vor möglichen Konsequenzen warnten. Solcherlei offizielle Erklärungen hätte Russland zuvor nur über den Präsidenten kommuniziert. Das scheine nun anders zu laufen.

Russland: Ist ein Machtkampf nach Putins Sturz in Sicht?

„Normalerweise konzentriert sich die Berichterstattung über derartige Äußerungen auf deren Inhalt. Es ist verlockend, sich von der russischen Angstpropaganda einfangen zu lassen. Die wahre Geschichte ist jedoch, dass sich neben Putin nun auch andere Personen berechtigt fühlen, solche Erklärungen abzugeben. Vor dem Krieg war das weniger der Fall“, so Snyder.

Wladimir Putin
Russlands Präsident Wladimir Putin im Kreml. © Mikhail Klimentyev / Imago Images

Diese „Untergangspropaganda“ zeige zwar einerseits Loyalität zu Putin und bereite andererseits möglicherweise „einen Machtkampf nach Putins Sturz“ vor. „Wenn Russland den Krieg verliert, haben sich die Leute, die jetzt radikale Dinge sagen, geschützt. Ich für meinen Teil neige dazu, die drastischen Verlautbarungen als Beweis dafür zu sehen, dass wichtige Russen glauben, dass Russland verliert“, so Snyder weiter.

Russland sieht im Ukraine-Krieg schlecht aus – und somit auch Putin

„Ich bin nicht davon überzeugt, dass Medwedew (…) die antisemitischen, antipolnischen und antiwestlichen Hassreden glaubt, die er auf Telegram veröffentlicht. Er schafft sich ein Profil, das später nützlich sein könnte“, fügte der Yale-Professor hinzu. Außerdem werde Putin als schwach angesehen, weil seine militärischen Ziele in der Ukraine nicht erreicht, so Snyder.

Einige Kritiker hatten zuvor ähnliche Beobachtungen gemacht, darunter US-Außenminister Antony Blinken, der sagte, dass Putin bei der Erreichung seiner strategischen Ziele in der Ukraine versagt habe. Was „Putin an der Macht hält (…) wird durch die Realitäten eines unvorhersehbaren, kostspieligen Krieges infrage gestellt. Putin war gut darin, uns alle im Unklaren zu lassen. Aber jetzt scheint er selbst im Nebel des Krieges verloren zu sein“, twitterte Snyder. (na)

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