+
Vor dem Zwickauer Landgericht ist ein 27-Jähriger wegen Brandstiftung angeklagt.

Zwickau

Nachbarstreit oder rassistischer Anschlag?

  • schließen

In Zwickau beginnt ein Prozess wegen Brandstiftung. Dabei geht es um Verbindungen zu einer Attacke auf Roma-Familien.

Wegen Brandstiftung in einem Plauener Wohnhaus steht von Mittwoch an ein 27-jähriger Mann aus Dresden vor dem Zwickauer Landgericht. Ein Streit mit Mietern des Hauses soll der Grund für die Tat gewesen sein. Allerdings gibt es eine rätselhafte Verbindung zu einem weiteren, vermutlich politisch motivierten Brandanschlag wenige Wochen zuvor auf ein von Roma bewohntes Haus in Plauen. Dieser mögliche Zusammenhang könnte in dem Prozess eine Rolle spielen.

Der jetzt angeklagte Dresdner hatte Anfang Februar Freunde besucht, die eine Maisonettewohnung in der Plauener Dürerstraße bewohnten. Nach einigen Tagen soll es heftigen Streit gegeben haben, berichten Zeugen. Angeblich sei es um Drogen gegangen. Am Morgen des 5. Februar soll der Besucher laut Anklage im Untergeschoss der Maisonettewohnung einen Wäschekorb angezündet haben und anschließend gegangen sein. Kurz darauf stand das Dachgeschoss in Flammen. 

Ein 26-Jähriger und eine 21-jährige Frau kamen in dem Feuer um, der jüngere Bruder des Toten überlebte knapp. Schon drei Tage später nahm die Polizei den Tatverdächtigen in Dresden fest, der kurze Zeit später gestand, das Feuer in der Dürerstraße gelegt zu haben. In Zwickau muss sich der Arbeitslose von Mittwoch an wegen schwerer Brandstiftung in Tateinheit mit zweifachem Mord verantworten.

Für Aufsehen hatte der Brand seinerzeit in Plauen auch deshalb gesorgt, weil erst kurz zuvor mehrere Roma-Familien in das Haus in der Dürerstraße gezogen waren. Sie hatten vorher in einem nur wenige Gehminuten entfernten Wohnhaus in der Trockentalstraße gelebt, auf das Ende Dezember ein Brandanschlag verübt worden war. 

Am Abend des 29. Dezember 2017 war im Keller dieses Hauses Feuer gelegt worden. Polizei und Feuerwehr rückten mit einem Großaufgebot an, mit Hilfe von zufällig vorbeikommenden Passanten gelang es, alle 40 Bewohner – die meisten von ihnen Roma – aus dem Haus zu retten. Allerdings erlitten 19 Menschen zum Teil schwere Verletzungen. Der Brand sorgte bundesweit für Schlagzeilen, weil die Rettungskräfte von Menschen aus den Nachbarhäusern beschimpft und behindert wurden. Zwei Personen sollen gerufen haben: „Lasst die Leute doch verbrennen.“ Gegen sie wird wegen Volksverhetzung ermittelt. 

Kurz nach dem Feuer nahm die Polizei einen Tatverdächtigen fest, einen ehemaligen Mieter des Hauses. Sie ermittelte gegen ihn wegen Mordversuchs, schloss aber schon sehr früh einen rassistischen Tathintergrund aus. Angeblich habe der Mann aus Verärgerung über den Vermieter, der ihm die Wohnung gekündigt hatte, das Feuer gelegt, so die Ermittler damals. Der Festgenommene stritt die Brandstiftung ab und gab an, sich zur Tatzeit bei Bekannten aufgehalten zu haben – und zwar in der Maisonettewohnung in der Dürerstraße, die Anfang Februar ausbrannte. 

Im Zuge der Ermittlungen hatte jedoch ein Zeuge – und zwar der bei dem Feuer Anfang Februar getötete Mieter der Maisonettewohnung – den Tatverdächtigen schwer belastet. Der Beschuldigte habe sich demnach zur Tatzeit nicht in der Wohnung aufgehalten, sagte er aus. Außerdem habe sich der Verdächtige dem Zeugen gegenüber mehrfach rassistisch über die in seinem Haus in der Trockentalstraße lebenden Roma geäußert und damit gedroht, sie aus dem Haus zu vertreiben. Die müssten da raus, sonst würde was Schlimmes passieren, soll er gesagt haben. Wenige Tage vor dem Brand im Dezember – so erinnerte sich der Zeuge weiter – habe er dann gesagt: „Das Ding muss brennen, das zünde ich an.“ 

Die Staatsanwaltschaft Zwickau stellte das Verfahren gegen den Beschuldigten im Juli jedoch ein. Zwar hätten sich aus den Zeugenaussagen Indizien für eine Täterschaft des Mannes beim Brand des Roma-Hauses in der Trockentalstraße ergeben, heißt es in einem Schreiben der Behörde vom Mai 2018. „Diese reichen jedoch nicht aus, um ihn der Tat zu überführen.“ Auch seien „keine objektiven Beweismittel – wie etwa Rußanhaftungen oder Reste von Brandbeschleunigern an der Kleidung – zur Überführung des Beschuldigten“ festgestellt worden.

Schon vor der Einstellungsverfügung, im  Mai, hatte das sächsische Innenministerium in der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage des Grünen-Landtagsabgeordneten Valentin Lippmann festgestellt, dass im Falle des Feuers von Ende Dezember 2017 „keine Erkenntnisse zu einem politisch motivierten Tathintergrund“ vorliegen würden. Vielleicht auch deshalb, weil der Hauptbelastungszeuge im Februar ums Leben gekommen ist? In dem nun anstehenden Prozess wegen des Brandes in der Dürerstraße vom Februar wollen Nebenkläger diesen möglichen Zusammenhang noch einmal thematisieren. 

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion