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Endlich wieder lernen: Schulkinder in Berlin.

Regelbetrieb

Stottertstart in Schulen

  • vonTammo Kohlwes
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  • Juliane Schultz
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Der Unterrichtsbeginn verläuft nicht immer reibungslos. Zwei Schulleiter berichten aus Berlin und Schleswig-Holstein.

Der erste Tag im Normalbetrieb ist vorbei, da zieht Schulleiterin Birgit Strohmeyer ein düsteres Fazit: „Es war sehr voll und ist nicht umsetzbar gewesen, dass nur Rechtsverkehr stattfindet“, sagt Strohmeyer dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) am Montagnachmittag. Für ihre Schüler am Berliner Andreas-Gymnasium im Stadtteil Friedrichshain verteilt sie zwar Lob. In Richtung Landespolitik – die für die Schulen zuständig ist – übt sie jedoch deutliche Kritik.

Es sind Worte, wie man sie oft hört in jenen Bundesländern, die nach den Ferien wieder in den Schulalltag starten – oft mit späten, unklaren Vorgaben; oft mit dem Gefühl, von der Politik alleingelassen worden zu sein. Berlin ist eins von drei Bundesländern, in denen die Schule in dieser Woche wieder anlief, in Mecklenburg-Vorpommern hatte der Regelbetrieb bereits vorige Woche wieder begonnen.

Es sei ungewohnt gewesen, dass die Schüler wieder da seien, berichtet die Berlinerin Strohmeyer nach der Premiere der „neuen Normalität“. Sie freue sich über deren Disziplin: „Nicht einer hatte seine Maske vergessen. Wir mussten nur hin und wieder in den Pausen daran erinnern, sie aufzusetzen, wenn nicht gegessen und getrunken wird.“ Die Masken seien auch deshalb so wichtig, weil es keine Möglichkeit gebe, die Abstandsregeln einzuhalten.

Strohmeyer schaut auf die Enge in den Schulgebäuden mit Sorge: „Das ist schon bedenklich. Es stand ja im Musterhygieneplan, dass wir die Schülergruppen nicht mischen sollen. Aber das soll mir mal einer sagen, wie das am Gymnasium geht.“ In der Oberstufe gebe es Kurs- und Wahlpflichtunterricht. Dass die Schüler sich in einheitlichen Lerngruppen bewegen, sei nicht einzuhalten. Ohnehin müsse an jeder Schule individuell erarbeitet werden, wie die Vorgaben umgesetzt werden. So sei das Querlüften schwierig, weil viele Fenster nach Süden ausgerichtet und die Rollläden heruntergelassen seien. Strohmeyer habe also Keile gekauft, um die Türen offen zu halten. Die fünften und sechsten Klassen würden die Pausen unter Aufsicht auf einem Spielplatz vor dem Schulgelände verbringen. Die elften und zwölften Klassen müssten das Schulgelände in den Pausen eigenständig verlassen.

Im Falle einer Corona-Infektion an ihrer Schule würde das Gesundheitsamt entscheiden, wie verfahren wird. Ob etwa eine Klasse oder die ganze Schule unter Quarantäne gestellt werde, erklärt Strohmeyer. Es gebe aber auch Fälle, für die sie den Verfahrensweg festgelegt hat: Wer erkältet ist, muss zu Hause bleiben. „Der Krankenstand wird dadurch natürlich hochgehen.“ Falls es zu zeitweisen Schließungen kommt, hat die Schule vorgearbeitet: „Die stellvertretende Schulleiterin hat den Corona-Stundenplan fertig. Wir können nahtlos wieder ins Homeschooling gehen oder ausgewählte Klassen zweiteilen.“

Grund, sich zu ärgern, hat Birgit Strohmeyer dennoch: „Sehr wichtige Informationen von der Senatsverwaltung kamen viel zu spät.“ Sie habe erst am Dienstagabend vor Schulstart den Handlungsleitfaden für das Schuljahr erhalten. Da hatte sie bereits viele und nun falsche Informationen an das Kollegium weitergegeben. „Das ist einfach unverantwortlich.“

Auch in Schleswig-Holstein kamen die Schüler am Montag aus den Ferien zurück. Jan Henning Steuer, Schulleiter des Hans-Geiger-Gymnasiums in Kiel, zog eine positive Bilanz. „Wir hatten einen – gemessen an den Umständen – normalen Schultag“, sagte Steuer. Eine Maskenpflicht gilt in Schleswig-Holstein nicht – wohl aber eine dringende Empfehlung, eine Maske zu tragen. Dem seien die allermeisten Schüler nachgekommen, berichtete Steuer.

Die Landesregierung in Schleswig-Holstein hat einen Plan herausgegeben, mit welchen Maßnahmen an den Schulen im Land auf Anstiege der Infektionszahlen im Landkreis oder Infektionen bei Schülern oder Lehrern reagiert werden soll. Steuer begrüßte das: „Der Plan schafft Transparenz. So wissen wir, was passiert, wenn sich die Situation verändert.“

Spannend, so Steuer, könnte es in einigen Wochen werden. Dann könnten die Schüler die Regeln infrage stellen. „Dann müssen wir behutsam darauf hinwirken, dass das Konzept weiter eingehalten wird“, sagte Steuer. Das müsse aber mit Verständnis und im Dialog passieren. Denn: „Die Situation ist für uns alle neu, und wir alle müssen uns erst daran gewöhnen.“

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