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Nach scharfer Gender-Kritik: ZDF-Chefredakteur Frey kontert Merz

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Von: Anika Zuschke

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Peter Frey, Chefredakteur des ZDF, spricht während eines Interviews in seinem Arbeitszimmer.
ZDF-Chefredakteur Peter Frey kontert auf die scharfe Kritik von Friedrich Merz gegen das Gendern im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. © Sebastian Gollnow/dpa

CDU-Chef Merz hält Gendern im öffentlich-rechtlichen Rundfunk für Volkserziehung – doch ZDF-Chefredakteur Peter Frey wehrt sich mit deutlichen Worten.

Berlin – Das Thema Gendern polarisiert auf den unterschiedlichsten Ebenen – und löste nun zum wiederholten Male auch im öffentlich-rechtlichen Rundfunk eine hitzige Debatte aus. Nachdem CDU-Chef Friedrich Merz gegen den Gebrauch geschlechtergerechter Sprache bei ARD und ZDF gewettert hatte, meldete sich jetzt ZDF-Chefredakteur Peter Frey zu Wort und wehrte sich gegen die scharfe Kritik.

Gendern im öffentlich-rechtlichen Rundfunk: Merz wettert gegen geschlechtergerecht Sprache

Auf dem CDU-Parteitag in Hannover Anfang September sprach Politiker Merz sich erneut mit deutlichen Worten gegen das Gendern im öffentlich-rechtlichen Rundfunk aus. „Universitäten, meine Damen und Herren, und öffentlich-rechtlicher Rundfunk sind keine Volkserziehungsanstalten“, statuierte der Christdemokrat.

Diese hätten einen staatlichen Bildungs- und Informationsauftrag. Deswegen forderte er die Sender dazu auf, sich an die Regeln zu halten, „die wir uns alle in diesem Land gegeben haben – auch für die Verwendung der deutschen Sprache“. Tatsächlich löste die geschlechtergerechte Sprache auch an einer Universität in Halle-Wittenberg eine lange währende Debatte aus: Ein Professor verbot seinen Schülerinnen und Schülern, zu gendern – doch diese wehrten sich erfolgreich.

Merz-Kritik gegen Gendern: Peter Frey wehrt sich mit deutlichen Worten

Peter Frey ließ die Kritik von Merz nicht auf sich sitzen und wehrte sich im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur gegen die Anschuldigungen, dass „wir in erzieherischer Absicht auf das Publikum einwirken“. Das entspräche überhaupt nicht der Wirklichkeit. Dem 65-Jährigen zufolge hat sich die geschlechtergerechte Sprache in seinem Haus folgendermaßen etabliert: „Der Prozess war so, dass – wie wahrscheinlich überall in dieser Republik – junge Leute ihre Sprachgewohnheiten in die Institutionen reinbringen.“

Was ist Gendern?

Das Wort „gender“ stammt aus dem Englischen und bedeutet „Geschlecht“. Der Begriff Gendern steht derweil für geschlechtergerechte Sprache, die eine Gleichbehandlung alle Geschlechter und Identitäten zum Ausdruck bringen soll. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten, zu gendern:

Die Doppelnennung beider Geschlechter (Lehrerinnen und Lehrer/LehrerInnen), das geschlechtsneutrale Plural (Lehrende) oder die Nutzung eines Gender-Zeichens (Lehrer*innen/Lehrer:innen).

Quellen: ZDF und Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg

„So war ich damit konfrontiert, dass vor allem jüngere Frauen nach der Uni selbstverständlich ihre Sprechweise hier eingebracht haben“, fährt Frey fort und fügt hinzu: „Aber es geht ja nicht nur um eine sprachliche Diskussion, sondern um die Frage der Repräsentanz von Frauen in der Öffentlichkeit. Dies sich bewusst zu machen, schadet nicht.“

Frey über das Gendern: „Sprache ist etwas, was sich verändert, was lebt“

Trotzdem lenkt Frey bei einer bestimmten Vorgehensweise des Genderns selber ein: „Dass der Genderstern das Ende der Diskussion ist, glaube ich allerdings nicht. Ich fühle mich damit auch nicht wohl“, äußert der Journalist. Diesbezüglich scheinen sich sogar CDU und SPD mit Blick auf die Niedersachsen-Wahl 2022 einig zu sein. Trotzdem ist Frey der Meinung: „Aber sollte ich das verbieten? Nein. Sprache ist etwas, was sich verändert, was lebt. Ich glaube, dass wir am Ende Formen finden, mit denen sich alle repräsentiert fühlen.“ Das sei ein Prozess, der Jahre andauern würde.

Als ZDF-Chefredakteur wird Frey diesen Prozess jedoch nicht mehr miterleben. Denn der 65-Jährige wird Ende September nach Jahrzehnten beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Rente gehen. (Anika Zuschke mit Material der dpa)

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