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Nach Kritik aus dem Vatikan: Der Synodale Weg steht unter Druck

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Von: Martin Benninghoff

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Unter strengen Hygienevorschriften trafen sich Bischöfe, Kleriker, kirchliche Mitarbeiter und Ehrenamtliche im Kongresszentrum an der Frankfurter Messe.
Unter strengen Hygienevorschriften trafen sich Bischöfe, Kleriker, kirchliche Mitarbeiter und Ehrenamtliche im Kongresszentrum an der Frankfurter Messe. © Peter Juelich/epd

Der Rüffel aus Rom beschäftigt Laien und Bischöfe. Seit Beginn des Synodalen Weges wird die direkte Kommunikation mit dem Vatikan gesucht – vergebens.

Frankfurt – Deutsche Katholikinnen und Katholiken, Laien und Bischöfe, zeigen sich nach der Warnung des Vatikans, eigenmächtig Kirchenreformen in Deutschland durchzusetzen, irritiert bis kampfeslustig. Die Kurie hatte – ohne klaren Absender – dem Reformdialog Synodaler Weg am Donnerstag (21. Juli) eine Rüge erteilt, wonach dieser kein Recht habe, Bischöfe und Gläubige „zur Annahme neuer Formen der Leitung und Ausrichtungen der Lehre und der Moral zu verpflichten“.

Die Verantwortlichen des Synodalen Weges reagierten am Donnerstagabend (21. Juli) verschnupft: „Es zeugt von keinem guten Stil der Kommunikation innerhalb der Kirche, wenn nicht namentlich gezeichnete Erklärungen veröffentlicht werden“, schrieben der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, und die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp in einer gemeinsamen Erklärung. Sie beide leiten das Synodalpräsidium. Auf Anfrage der Frankfurter Rundschau am Freitag (22. Juli) wollte sich Bätzing über die Erklärung hinaus nicht äußern.

Kritik aus dem Vatikan: „Synodale Kirche geht nach unserem Verständnis anders.“

Man bemühe sich von Anbeginn an um direkte Kommunikation mit Rom. Leider sei das Synodalpräsidium „bis heute nicht zu einem Gespräch eingeladen worden“, heißt es. „Synodale Kirche geht nach unserem Verständnis anders.“ Zugleich erfolgte der Versuch, die Wogen zu glätten: „Beschlüsse der Synodalversammlung entfalten von sich aus keine Rechtswirkung.“ Die Vollmachten der Bischöfe, in ihren Zuständigkeiten Rechtsnormen zu erlassen und ihr Lehramt auszuüben, blieben unberührt.

Auch der frühere ZdK-Präsident und Mitinitiator des Synodalen Weges, Thomas Sternberg, betonte gegenüber der FR am Freitag (22. Juli), dass sich die Kirche in Deutschland als „integraler Bestandteil der Weltkirche“ begreife. Schreiben des Papstes an hiesige Katholikinnen und Katholiken seien immer von Bedeutung. Wie Bätzing und Stetter-Karp wies er darauf hin, dass es aber notwendig sei, auf Probleme hinzuweisen, zumal solche Fragen weltweit gestellt würden.

Synodale Weg als Konsequenz aus der Missbrauchsstudie: Nächste Versammlung in Frankfurt

Die Bischöfe und Laien beraten seit 2019 über Wege aus der Krise, die durch die Missbrauchsskandale mit ausgelöst wurde. 2023 soll der Synodale Weg, der als Konsequenz aus der Missbrauchsstudie MHG angestoßen wurde, abgeschlossen werden. Im September steht die nächste Versammlung des Synodalen Weges in Frankfurt an. Es geht auch um die Beteiligung von Laien und die Öffnung kirchlicher Ämter für Frauen.

ZdK-Vizepräsident Thomas Söding sieht nun aber keinen Anlass, den Reformprozess zu verlangsamen oder gar zu beenden. Der beanspruche ohnehin „kein Mandat für Veränderungen in der Lehre“, sagte er dem Kölner Stadt-Anzeiger. Der katholische Theologe Daniel Bogner von der Uni Freiburg sagte der Deutschen Presseagentur, dass die römische Zentralverwaltung offenbar befürchte, das deutsche Beispiel könne Schule machen. „Diesem Projekt wird offenbar Hebelwirkung zugetraut.“ (Martin Benninghoff mit afp/dpa)

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