+
Neue Justizministerin - Christine Lambrecht.

Christine Lambrecht

Nach innen wirkend

  • schließen

Die neue Justizministerin Christine Lambrecht fiel bisher nicht durch Attacken auf - ein Porträt.

Einmal wollte sie es wissen. 2017 war das, nach der Bundestagswahl. Damals, als der scheidende SPD-Fraktionsvorsitzende Thomas Oppermann Vizepräsident des Bundestags werden wollte, machte Christine Lambrecht ihm die Kandidatur streitig. Im SPD-internen Bewerbungsverfahren warf die Frau aus Hessen ihren Hut in den Ring. Bevor es allerdings zur Kampfabstimmung in der Fraktion kam, verließ sie der Mut. Lambrecht zog zurück.

Nun steht die Frau vom linken Parteiflügel vor dem Höhepunkt ihrer Karriere. Christine Lambrecht, Rechtsanwältin, Mutter eines Sohnes, wird neue Bundesministerin für Justiz und Verbraucherschutz. Vor der Presse berichtet Lambrecht am Mittwoch, die kommissarische SPD-Chefin Malu Dreyer habe sie am Morgen angerufen und über die Entscheidung unterrichtet. „Eigentlich dachte ich ja, die Malu gratuliert mir nur zum Geburtstag“, erzählt Lambrecht, die just an diesem Mittwoch ihren 54. feiert.

Den Namen Lambrecht hatten die meisten Beobachter lange nicht auf dem Zettel gehabt. Das mag an ihrem Image liegen. Die gebürtige Mannheimerin galt bislang als solide – aber auch ein bisschen langweilig. Nicht unbedingt eine Kandidatin, die sich aufdrängt, für die allererste Reihe.

Lambrecht sitzt seit 1998 im Bundestag. Einem größeren Kreis bekannt wurde die Juristin, als sie 2013 die Nachfolge von Oppermann als parlamentarische Geschäftsführerin (PGF) der SPD-Bundestagsfaktion antrat. Oppermann hatte das Amt offensiv interpretiert und Wert auf eine starke mediale Präsenz gelegt. Das änderte sich, als Oppermann in den Fraktionsvorsitz aufrückte und Lambrecht als PGF übernahm. Die Hessin fremdelte erkennbar mit ihrer neuen Rolle. Die „Abteilung Attacke“ lag ihr nicht, meistens befand sich Lambrecht in der Defensive.

Ein Grund dafür war sicher, dass Vorgänger Oppermann aus der Rolle des Oppositionspolitikers die schwarz-gelbe Regierung angreifen konnte, während Lambrecht vier Jahre später die Politik der Koalition verteidigen musste. Sie zeigte aber auch wenig Ambitionen, in der Öffentlichkeit zu reüssieren. Sie wirke bei ihrer Arbeit eben mehr nach innen, hat sie mal über sich selbst gesagt.

Mit Oppermann verbindet Lambrecht eine wechselvolle Beziehung. Sie führte an der Seite des Niedersachsen die Fraktion und stand mit ihm zusammen die Edathy-Affäre durch, bevor sie den ehemaligen Chef 2017 bei der Wahl zum Bundestagsvize überholen wollte. Damals war nicht vorhersehbar gewesen, dass die SPD noch einmal in die Regierung gehen würde. Sie sei jetzt eben einfach Abgeordnete, hatte Lambrecht ihrer Heimatzeitung bereits mitgeteilt. Dann platzten die Jamaika-Verhandlungen und die Hessin durfte sich über einen Posten als parlamentarische Staatssekretärin im Bundesfinanzministerium freuen.

Und nun also wird Christine Lambrecht Bundesministerin. Sie übernimmt das Justizressort von Katarina Barley. Lambrecht bekommt damit ein Amt, das Oppermann immer gewollt hatte. Auf den letzten Metern hat sie ihren Ex-Chef nun doch überholt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion