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New Orleans versinkt in den Fluten zu versinken. "DieSchüssel füllt sich", sagte der Bürgermeister von New Orleans, Ray Nagin in einem Interview mit dem lokalen Fernsehsender WDSU.

Nach dem Hurrikan droht humanitäre Katastrophe

Behörden rechnen mit mehreren hundert Toten / Nationalgarde soll Plünderungen verhindernZwei Tage nach dem verheerenden Hurrikan "Katrina" droht in den Krisengebieten der USA eine humanitäre Katastrophe. Die Behörden rechnen mit mehreren hundert Toten. Mehr als 2,5 Millionen Bewohner in der Region sind ohne Strom.

New Orleans/Washington (dpa). Allein in Louisiana sind eine Million Menschen obdachlos. Tausende verzweifelter Menschen, die seit mehr als 48 Stunden ohne Licht, Strom und Telefon auf den Dächern ihrer Häuser ausharren, warteten weiter auf Rettung. Niemand derVerantwortlichen weiß, wann die Strom- und Trinkwasserversorgungwieder hergestellt sein wird.

US-weit wurden nach Angaben des Nachrichtensenders CNN vom Mittwoch mehr als 125.000 Nationalgardisten alarmiert, um in der Katastrophenregion bei den Rettungsarbeiten und der Versorgung der Bevölkerung zu helfen. Die US-Marine schickte ein Schiff zur Trinkwasserversorgung, das auch 600 Krankenbetten an Bord hat, sowie mehrere Schnellboote zur Unterstützung. In wenigen Tagen soll ein Lazarettschiff die Südküstenstaaten erreichen.

Weil immer mehr Pumpen versagen, droht die unterhalb des Meeresspiegels liegende Touristenmetropole New Orleans im Wasser zu versinken. Die Gouverneurin von Louisiana, Kathleen Blanco, sagte: "Die Situation ist unhaltbar." Weil zwei Dämme zum Pontchartrain-See und die zentrale Wasserleitung gebrochen seien, wolle sie die ganze Stadt evakuieren lassen. "Viele sind ums Leben gekommen und wir wissen immer noch nicht, wie viele es sind. Unser Augenmerk richten wir weiter auf die Rettung derer, die überlebt haben", sagte Blanco vor Journalisten.

Bürgermeister Ray Nagin befürchtet, dass New Orleans bald zu 100 Prozent unter Wasser stehen könnte. "Die Schüssel füllt sich", sagte er dem lokalen Fernsehsender WDSU in der Nacht zum Mittwoch (Ortszeit). Wegen des steigenden Wasserspiegels funktionierten die Generatoren nicht mehr. Techniker der Wasserversorgung erwarteten, dass der Wasserspiegel in Teilen der Stadt die Höhe des nahe gelegenen Lake Pontchartrain erreichen wird. "Im besten Falle können wir etwa 30 Zentimeter pro Tag abpumpen. Wir wissen aber nicht, in welchem Zustand die Pumpen sind", sagte ein Sprecher.

Nagin rief die Menschen, die sich noch in New Orleans befinden, auf, sich außerhalb der Stadt in Sicherheit zu bringen. Das werde angesichts des weiter steigenden Wassers aber sehr schwierig.

Leichen würden von den Rettungskräften in den Booten einfach bei Seite gestoßen, sagte der Bürgermeister. Die Häuser mit Toten würden mit roten oder schwarzen Zeichen markiert.

Das Wasser hat sich inzwischen auch seinen Weg in das historische Touristenviertel "French Quarter" gebahnt. Soldaten der Nationalgarde bezogen Position, um Plünderungen der Hotels zu verhindern. Überall in der Stadt kam es nach Angaben lokaler Sender zu Plünderungen, dabei wurde ein Polizist durch einen Kopfschuss verletzt.

Im Superdome, einem als Notunterkunft ausgewiesenen Football-Stadion, herrschten katastrophale Zustände, nachdem sich die Zahl der Flüchtlinge auf 30.000 verdreifacht hat. Bei Temperaturen von 33 Grad Celsius fielen wegen des Hochwassers der Strom aus. Weder Toilettenspülungen noch Klimaanlagen funktionieren. Überall stapelt sich nach Augenzeugenberichten der Müll. Ein Mann stürzte sich von einer Tribüne des Stadions in den Tod.

New Orleans liegt wie ein von vier Seiten mit Dämmen gesichertes Fort zwischen dem Salzwassersee Pontchartrain und dem Mississippi. Sollten die Dämme nicht schnell abgedichtet werden und die Pumpen wieder arbeiten, wird die tiefer gelegene Stadt bis auf die Höhe des Sees voll laufen und damit in den Fluten versinken.

Im Nachbarstaat Mississippi wurde nach den Worten von Gouverneur Haley Barbour ein 100 Kilometer langer Küstenstreifen zu 90 Prozent zerstört. Es habe wie nach einem Atomangriff ausgesehen, sagte er dem Nachrichtensender CNN. "Wenn Sie diese Zerstörung sehen, ist alles möglich", antwortete Barbour auf die Frage, ob sich die Zahl der Toten weiter erhöhen werde. Ein Behördensprecher von Biloxi in Mississippi rechnet mit mehreren hundert Toten, die unter den Schuttmassen begraben sein könnten.

US-Präsident George W. Bush brach seinen Urlaub ab, um eine Sitzung des Krisenstabes zu leiten. Am Freitag will Bush in die Krisenregion fliegen.

Die versicherten Gesamtschäden durch den Hurrikan könnten 12 bis 26 Milliarden Dollar (10 bis 21 Milliarden Euro) betragen, schätzt die auf die Risiko-Analyse von Katastrophen und Wetter spezialisierte US-Firma AIR Worldwide Corporation. Damit wird "Katrina" möglicherweise die teuerste Naturkatastrophe der USA.

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