Nach dem Hungerstreik

Der Tod eines Menschen, auch der sinnlose Tod des Strafgefangenen Sigurd Debus, darf niemanden gleichgültig lassen. Die selbstgerechte Formel, er allein habe

Der Tod eines Menschen, auch der sinnlose Tod des Strafgefangenen Sigurd Debus, darf niemanden gleichgültig lassen. Die selbstgerechte Formel, er allein habe wegen eines aussichtslosen Protestes sein Leben riskiert, hilft genausowenig weiter wie die beharrliche Feststellung, der Staat dürfe sich nicht erpressen lassen. Die RAF-Gefangenen und all jene, die den Staat als rigorosen Unterdrückungsapparat bekämpfen, aber haben einen neuen Märtyrer. Wie schon nach dem Selbstmord von Andreas Baader und Ulrike Meinhof wird die Legende entstehen, der Staat habe Sigurd Debus ermordet - wie also wohl soll es, wie kann es weitergehen?

Debus saß seit Februar im Normalvollzug und hatte insofern als Person am wenigsten Grund, gegen die Haftbedingungen zu protestieren. Aber hinter dem Hungerstreik der RAF-Gefangenen standen ohnehin kollektive Forderungen und, auch das wohl ohne Zweifel, das Ziel, draußen im Lande die Szene zu mobilisieren.

Die Brandanschläge und Gewaltaktionen in den vergangenen Wochen zeigen, daß diese Absicht nicht ohne Erfolg geblieben ist. Andererseits weckt jedoch die Erfahrung, daß die befürchteten Krawalle nach dem Tod von Debus weitgehend ausblieben, die Hoffnung auf neue Einsichten - tatsächlich? Man wird abwarten müssen.

Die RAF-Gefangenen haben inzwischen ihren Hungerstreik abgebrochen. Offensichtlich ist es den stillen Vermittlern von 'amnesty international' gelungen, die Justizminister zu überzeugen daß eine Zusammenlegung in kleine Gruppen, in Lübeck und Berlin längst Realität, eine annehmbare Formel ist.

Die Justizminister der Länder stehen also jetzt im Wort. Sie haben die Pflicht, die Haftbedingungen in jedem einzelnen Fall unverzüglich und ohne Vorurteile zu prüfen. Mit Erpressung, der man konsequent begegnen muß, hat dies absolut nichts zu tun.?

KK

FR vom 18. April 1981

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