Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

60 JAHRE DANACH

Nach Hause

Hans Bruchschmidt verbrachte seinen 27. Geburtstag am 13. März 1918 auf der Flucht von der Ostfront, wo er desertiert war. Bevor er in US-Gefangenschaft geriet, hatte er noch eine etwas schmerzhafte Begegnung mit ehemaligen polnischen Zwangsarbeitern.

Zum Kriegsende hatten wir Soldaten an der Ostfront - die sich immer mehr der deutschen Grenze näherte - nur ein Ziel: Richtung Heimat. Nach dem Überfall auf Russland, dem furchtbaren Blutbad und den Zerstörungen - insbesondere durch die Waffen-SS - konnten wir als Gefangene in dem geschundenen Russland keine Gnade erwarten. Nachdem unsere Einheit bereits von der russischen Front überrollt war, setzte ich mich unter größter Lebensgefahr in Richtung Westen ab. Ich war gegen Kriegsende von der Flak zur Waffen-SS gezwungen worden und hatte im linken Oberarm die "berüchtigte" Tätowierung. Dieses Blutgruppen-Zeichen hatte ich mir kurz vor der Verlegung an die Ostfront von einer medizinischen Assistentin herausschneiden lassen und die Wunde eiterte inzwischen.

Nun war ich nachts unterwegs und versteckte mich tagsüber in den Wäldern oder Getreidefeldern. Zum Glück fand ich immer wieder mal einen Brunnen oder Bach, um zu trinken, und einen abgelegenen Bauernhof, um etwas zum Essen zu erbetteln. Trotz entzündeter Wunde am linken Arm und schwächendem Durchfall erreichte ich die tschechisch-deutsche Grenze.

Kurz auf deutschem Gebiet holten mich zwei ehemalige polnische Zwangsarbeiter aus einem Getreidefeld und fingen an, auf mich einzuschlagen und zu -treten. Ich hatte keine Kraft mehr, mich zu wehren, und dachte, nun ginge es zu Ende. Da schallten plötzlich laute Schüsse aus einer Maschinenpistole und amerikanische Befehle. An der Straßenkreuzung hielt ein Militärjeep, und die zwei Soldaten zwangen die beiden Polen, mich bei ihnen abzuliefern.

Durch diesen glücklichen Zufall kam ich mit blutender Nase, zwei ausgebrochenen Zähnen und einigen schmerzhaften Beulen davon und landete im am. Gefangenenlager Helfta.

Hier half mir mein vor der "Desertation" aus der fahrenden Schreibstube "organisiertes" Soldbuch der Flak, in das Lager C eingewiesen zu werden. Ins Lager A kamen SS-Leute und in B alle unklaren Fälle, die keine Papiere hatten. Der Lagerkommandant war ein vor der Nazityrannei rechtzeitig geflüchteter Jude. Er sagte uns bei der Aufnahme: Ihr werdet hier nicht gequält und vergast, wie meine jüdischen Verwandten in Deutschland, aber ihr sollt wenigstens spüren, wie es ist, wenn man jeden Tag Hunger hat. Dieses Gefühl haben wir dann auch kennen gelernt. Wie gut ich diesen Menschen verstehen konnte.

Am 25. Juni 1945 wurde ich aus dem am. Gefangenenlager Naumburg a. d. Saale nach Aschersleben entlassen. Meinen 27. Geburtstag hatte ich während der Flucht natürlich vergessen.

Hans Bruchschmidt, Gückingen

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare